Levan Kobiashvili forderte den Ball, dirigierte die Mitspieler und versuchte immer wieder, das Spiel schnell zu machen. Der linke Verteidiger wird im Sommer 35 Jahre. Doch von Müdigkeit keine Spur. Schon am ersten Tag des Trainingslagers von Hertha BSC in der Türkei war er wie immer: präsent, sachlich, zuverlässig. Doch gesprochen wurde in Belek über den Kobiashvili-Nachfolger, obwohl der gar nicht dort war. Manager Michael Preetz gab bekannt, dass der Bundesliga-Aufsteiger am Montag Felix Bastians (23) zur sportärztlichen Untersuchung in Berlin erwartet. Im Anschluss soll der Linksverteidiger einen vom 1. Juli an geltenden Vertrag bis 2016 unterschreiben. „Wir haben mit Felix eine grundsätzliche Einigung. Kobi spielt eine tolle Runde, das muss man sagen. Aber Felix ist vielseitig. Er kann hinten links spielen, links im Mittelfeld und hat auch schon in der Innenverteidigung ausgeholfen.“

Die Argumente liegen auf der Hand. „Felix ist jung und entwicklungsfähig“, sagte Preetz, „er ist ein deutscher Spieler, bringt die Erfahrung von zwei Jahren Bundesliga mit – und ist ablösefrei.“ Das ist das Netz, mit dem der Bundesliga-Aufsteiger schon in diesem Sommer nach Thomas Kraft, Tunay Torun oder Änis Ben-Hatira gefischt hatte. Zudem hat Hertha damit Liga-Konkurrent Werder Bremen ausgestochen, die Hanseaten waren ebenfalls interessiert.

Vor Weihnachten suspendiert

Bastians hat turbulente Monate beim SC Freiburg hinter sich. In der vergangenen Saison spielte sich der schnelle, offensivstarke Linksfuß mit acht Torvorlagen bis in die Notizbücher der Chefscouts von Borussia Dortmund, Lazio Rom und Juventus Turin. Bastians war aber auch Teil der schwachen Hinrunde, bekanntlich überwintert Freiburg als Liga-Letzter. Überraschend gehörte er zu einem Quintett von SC-Spielern, das kurz vor Weihnachten suspendiert wurde. Hertha-Trainer Michael Skibbe räumte ein, dass er über dieses Thema „kurz mit Felix gesprochen habe. Aber da haben wir nichts gehört, was uns erschrocken hat.“

Auch Skibbe betont vor allem die Perspektive. Er kennt Bastians aus seiner Zeit als Nationaltrainer des deutschen Nachwuchses. Mit 23 Jahren „verfügt Felix bereits über Erfahrung“, genauer gesagt über die von 79 Bundesliga-Einsätzen (ein Tor, elf Vorlagen). Ähnlich wie der Manager erwähnte der Trainer Kobiashvili: „Dem traue ich noch locker anderthalb gute Jahre zu, auf dem Niveau, wie er das seit 15 Jahren zeigt.“ Gleichwohl muss sich Hertha für die Zukunft rüsten. Im Kader fehlt schon länger eine starke Konkurrenz für Kobiashvili. Ronny ist eher offensiv ausgerichtet, Nico Schulz (18) ist eine Hoffnung, die aber erst mal auf Bewährungschancen in der Bundesliga hofft.

Bastians stammt ursprünglich aus der Jugend von Borussia Dortmund. Er entschied sich für eine Weiterbildung in England. Und schaute dank der Transferregeln, die es so nur auf der Insel gibt, von seinem Stammklub Nottingham Forest aus bei Northwich Victoria und Halifax Town vorbei, beim FC Gillingham und beim FC Chesterfield sowie bei Notts County und Milton Keynes. Nach einem weiteren Zwischenstopp bei den Young Boys Bern landete Bastians in Freiburg.

Nach seiner Suspendierung könnte es mit dem Wechsel nach Berlin noch in dieser Tranferperiode etwas werden. Stichtag ist der 31. Januar. Derzeit hält sich Bastians bei Zweitligist VfL Bochum fit. „Geplant ist, dass er dann beim SC Freiburg II spielen soll“, sagte Manager Preetz. „Mal sehen, wie das weitergeht.“

SC will Gehalt sparen

Herthas Strategie in dem Pokerspiel sieht so aus: Erst mal abwiegeln. Skibbe sagte: „Im Moment haben wir auf der linken Seite nicht so richtig Bedarf.“ Natürlich ist das Gegenteil gemeint. Nur will der Hauptstadt-Klub den Jungprofi so kostengünstig wie möglich erstehen. Freiburg will als Tabellenletzter im Winter den Kader noch verstärken. Da macht es aus SC-Sicht Sinn, Bastians jetzt von der Gehaltsliste zu bekommen, um finanziellen Spielraum zu gewinnen. Anstatt ihn als teuersten Spieler der zweiten Mannschaft in der Regionalliga zwangszubeschäftigen. Prognose: Bastians wird noch im Januar Herthaner.

Und was sagt Kobiashvili? Der saß nach dem Mittagessen im Teamquartier entspannt im Foyer, schaute auf die künstlich angelegte Wasserlandschaft rings um das Hotel und sagte: „Eine absolut richtige Entscheidung vom Verein. Ein junger Spieler mit Perspektive. Und jeder Profi braucht Konkurrenz, damit er nicht bequem wird. Ich werde hart arbeiten. Dann schauen wir, wer spielt.“ Bastians wird sich informiert haben, wer der Hertha-Platzhirsch auf der linken Seite ist. Der ewig unterschätzte Kobiashvili ist in der Ewigen Liste von „Ausländern mit den meisten Bundesliga-Einsätzen“ mittlerweile auf Rang vier vorgerückt (322 Spiele). Noch in dieser Saison kann der Georgier an Ole Björnmose (323), Sergej Barbarez (330) und sogar an Ze Roberto (336) vorbeiziehen.