Der Schlamassel kündigte sich für Hertha BSC bereits in der Nacht zu Sonnabend an. Um 23.26 Uhr war in Belek der erste Donner zu hören. Die türkischen Meteorologen hatten gewarnt, in den Hotels wurden eilends Zettel gedruckt und verteilt. Ein Sturm würde über den Ort hinweg ziehen, und so warnte das besorgte Personal: „Von der Benutzung der Pools und dem Strand wird dringend abgeraten.“ Tatsächlich hätte keiner Freude daran gehabt. Die türkische Riviera wird seit Freitag von einem regenreichen Tief heimgesucht, das seine volle Ladung über Belek ergoss. Kurz vor neun Uhr am Sonnabendmorgen blitzte es am Himmel, Donnerschläge hallten durch den Ort. Kurzzeitig fiel das Stromnetz in sich zusammen, am Nachmittag hagelte es gar. Belek ist für Sonne ausgelegt, normalerweise erstrahlen hier die Palmwedel in sattem Grün und wiegen sich leicht im Wind. Jetzt brachen in den Hotels sogar die Bastschirme an den Pools zusammen, für ausdauernde Regenfälle ist der Ort, der Herthas Paradies sein sollte, schlicht nicht vorbereitet.

Kein gutes Timing, steht der Ort bei vielen Fußball-Bundesligisten hoch im Kurs. Vier Klubs haben außer Hertha die Zelte in der Region aufgeschlagen, und für die meisten hieß es statt geregeltem Training: Improvisieren. Zu dieser Zeit weilten die Berliner noch in der zwar ebenfalls regnerischen, aber dafür doch recht ruhigen Heimat. Erst um 16.30 Uhr hob das Flugzeug von Tegel aus in Richtung Türkei ab, die Berliner erreichten das stürmische Belek am späten Abend. Michael Skibbe jedenfalls gab sich kurz vor dem Start noch gelassen. „Nein, ich habe keine Sorge“, sagte der neue Trainer Morgenpost Online, „wenn ich mir das Wetter hier ansehe und die Temperatur in der Türkei, wird es wohl nicht schlechter sein.“ Dennoch, eine perfekte Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde sieht angesichts der Sturmfront am Mittelmeer wahrlich anders auch.

Bremens Testspiel abgesagt

Auch die anderen Klubs haben schon arg unter der Situation gelitten. Der VfB Stuttgart verlegte sein Training am Nachmittag vorsichtshalber ins Hotel, der 1. FC Nürnberg konnte nur mit Mühe sein Testspiel gegen Mönchengladbach absolvieren. Bei Gladbach und Werder Bremen fiel das Training buchstäblich ins Wasser. Herthas ehemaliger Trainer Lucien Favre hatte sich für sein Gladbacher Team bereits am Freitag „ein bisschen mehr Sonne, bitte, bitte“ gewünscht. Der Schweizer war durch die zwei Trainingseinheiten des Tages arg durchnässt worden. Im Bremer Mannschaftshotel mussten gar die Fahnen eingeholt werden, ein paar waren der mehr als steifen Brise bereits zum Opfer gefallen. Werder musste sogar das geplante Testspiel gegen den usbekischen Klub Pakhtakor Taschkent absagen. Die Anlage in Topkapi hatte Land unter gemeldet. Am Morgen trainierten die Bremer notdürftig in einem Kelleraum des Hotels. Zwar hatte auch Skibbe schon angekündigt, viel an der Kondition arbeiten zu lassen, auf Krafträume will er sich aber nicht verlassen: „Wir brauchen schon einen Platz zum Trainieren, im Kraftraum können wir ja gar nicht alle Spieler unterbringen.“ Immerhin: Herthas Trainingsplatz unweit des Fünf-Sterne-Hotels soll noch in recht passablem Zustand sein. Die Drainage schien die Fluten recht gut aufgenommen zu haben. Gegen den Sturm aber gibt es kein Mittel. Und der ging den Spielern von Werder Bremen auch in ihrer Freizeit schon gehörig auf den Nerv. Die Profis hätten sich bei ihm über schlaflose Nächte beklagt, der Wind habe so laut gepfiffen, der Regen gegen die Fenster gepeitscht, erzählte Sportdirektor Klaus Allofs.

Kuscheln am Kamin von Marbella

Eine Situation, die einigen Verantwortlichen bei Hertha noch bekannt vorkommen dürfte. Zuletzt hatten die Berliner immer Glück mit ihren Reisezielen. 2001 aber, im spanischen Marbella, erwischte es das Team des damaligen Trainers Jürgen Röber ganz übel. Vier Tage regnete es in Strömen, so stark, dass sogar das gerade erst eröffnete Luxushotel die Waffen strecken musste. Spieler, Journalisten und Funktionäre scharten sich um den einzigen Kamin in der Lounge – während ringsherum Eimer das Wasser auffingen, das durch die Glasdächer tröpfelte. Erst als das Team ernsthaft überlegte abzureisen, riss der Himmel auf – und die Costa del Sol machte ihrem Namen Ehre.

Sollte Hertha nun wie Bremen oder Gladbach nur eingeschränkt trainieren können, wäre dies ein herber Rückschlag. Das Team, so zeigte auch der Test gegen Osnabrück (3:2), hat noch viel Feinarbeit vor sich. Skibbe hat sich viel vorgenommen, bis zu drei Einheiten täglich hat er geplant. Drei bis vier Ausdauerläufe – natürlich auch im Freien – komplettieren das Fußballprogramm. „Das wird hart, aber da muss man als Profi mal durch“, hat er angekündigt. Kann er das wahr machen?

Die Wettervorhersage für die nächsten Tage macht nicht gerade Mut. Auch für den Sonntag ist Sturm, begleitet von weiteren massiven Regenfällen, vorhergesagt. Ärgerlich auch für die Freizeit der Spieler: Das Hotel Cornelia verfügt über Luxus-Zimmer, von deren Terrasse aus die Spieler direkt in den Pool hüpfen könnten. Dafür aber müsste eben die Sonne scheinen.

Termine: Die Rückrunde der Bundesliga startet am 20. Januar mit der Partie Mönchengladbach gegen Bayern München (20.30 Uhr, ARD). Am 21. Januar spielt Hertha in Nürnberg. Im DFB-Pokal steht am 8. Februar das Heimspiel gegen Gladbach an (19 Uhr).