Markus Babbel

Schmutzige Scheidung bei Hertha BSC

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U. Bremer und M. Kleinemas

Schlammschlacht bei Hertha: Nach dem Spiel in Hoffenheim bezichtigen sich Noch-Trainer Markus Babbel und Manager Michael Preetz gegenseitig der Lüge.

Auf den turbulenten Freitag bei Hertha BSC folgte ein chaotischer Sonnabend: Die Beziehung zwischen Noch-Trainer Markus Babbel und der Vereinsführung um Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz liegt in Trümmern. Nach dem 1:1 der Berliner in Hoffenheim war von Fußball überhaupt nicht die Rede. Stattdessen flogen nach einer Erfolgsgeschichte von anderthalb Jahren Giftpfeile. Da bezichtigte Trainer Babbel seinen Vorgesetzten am Mikrofon des TV-Senders Sky, die Unwahrheit zu sprechen. Babbel sagte: „Ich habe sehr rechtzeitig Bescheid gegeben. Das war Anfang November in der Länderspielpause. Dass ich gewillt bin, den Vertrag zu erfüllen. Dass ich aber aus Gründen, die ich jetzt nicht nahebringen will, mich verändern will.“

Diese Version des Trainers steht entgegengesetzt zu dem, was die Hertha-Verantwortlichen sagen. „Diese Information ist schlicht falsch“, sagte Manager Preetz. Präsident Werner Gegenbauer: „Wir wissen erst seit Dienstag Bescheid.“ In Richtung Babbel rügte der Präsident: „Nach anderthalb sehr guten Jahren sollten wir nicht mit Baron-Münchhausen-Geschichten beginnen und den Rest aufbrauchen, der uns noch verbindet.“

Bei Hertha sind sie extrem verärgert. Weil, so die Informationen aus dem Verein, Preetz am vergangenen Dienstag zweimal Kontakt mit Noch-Trainer Babbel hatte. Am Vormittag gab es ein Arbeitsgespräch, in dem die Tage für den Jahres-Endspurt geplant wurden. Dem Vernehmen nach habe Babbel beiläufig erwähnt, er werde über Weihnachten über seine Zukunft nachdenken. Am Abend des Dienstags bekam Preetz einen Telefonanruf. Über Berater Andre Gross ließ Babbel mitteilen, dass er den im Juni 2012 auslaufenden Vertrag bei Hertha nicht verlängern werde. Selbstverständlich steht es Babbel frei, Berlin zu verlassen. Wenn man aber erfolgreich zusammengearbeitet hat, wenn man so viel Rückendeckung erfahren hat wie Babbel, darf man den Mut haben und so eine Nachricht dem Vorgesetzten persönlich überbringen.

Babbel stellt die Situation jedoch ganz anders da: Seit Anfang November wisse Preetz Bescheid. „Was ich nicht verstehe, ist das ganze Drumherum. Ich bin dann auch Angestellter des Vereins und habe mich an das gehalten, was mir vorgegeben worden ist, dass wir Ruhe bewahren.“ Deshalb habe er auf wiederholte Nachfragen der Medien wiederholt die Unwahrheit gesagt. „Das war unglücklich. Da haben wir beide nicht die beste Figur abgeben.“ Warum der Manager sage, dieses Gespräch vor sieben Wochen habe nicht stattgefunden, konterte Babbel mit einem Vorwurf: „Jeder, der mich kennt, weiß, wenn ich etwas sage, dass das dann so ist. Wenn jemand eine andere Meinung hat, hat er vielleicht nicht richtig zugehört.“

Seinen Vorgesetzten via TV zu bezichtigen, nicht die Wahrheit zu sagen, ist keine vertrauensfördernde Maßnahme. Man kann mutmaßen, dass das von Babbel auch genauso kalkuliert ist.

Manager Preetz kam in Hoffenheim als Letzter aus der Gästekabine. Über eine sofortige Entlassung seines Coaches wird er nachgedacht haben. Aber Preetz wollte die Situation nicht vor Ort eskalieren lassen. „Der Klub wurde erst Dienstag informiert. Ich habe vorher nichts überhört und auch keine Probleme mit den Ohren. Ich habe weder eine Erklärung für dieses Geschichten-Gebäude noch dafür, warum der Trainer nicht verlängern will.“

Wird Babbel entlassen?

Die Schlussfolgerung ist jedoch klar: Hertha trennt sich spätestens zum 31. Dezember von Babbel. Oder, weil ein Baron Münchhausen auf der Trainerbank im wichtigen Pokal-Achtelfinale gegen Kaiserslautern am Mittwoch nur schwer vorstellbar ist, bereits an diesem Sonntag.

Zwar betonte Babbel gestern mehrfach, wie sehr er sich freuen würde, mit seiner Mannschaft den Vertrag erfüllen zu dürfen. Das hat juristische Gründe, er signalisiert damit Arbeitsbereitschaft. Wird er vorher gefeuert, stehen Babbel bis Juni noch sechs Monatsgehälter zu.

Hertha wird ihn entlassen, die Nachfolge ist bereits geklärt. Den Trainingsauftakt im neuen Jahr, am 3. Januar, wird Michael Skibbe (46) leiten, der derzeit noch bei Eskisehirspor unter Vertrag steht. Wie die Morgenpost erfuhr, hat der Ex-Bundestrainer eine Ausstiegsklausel. Sie gestattet Skibbe, den Klub gegen eine Ablöse zu verlassen. Die entspricht exakt der Summe, die Skibbe als Abfindung bekommen hätte, wäre er in der Türkei entlassen worden. Bisher hat sich Hertha nicht mit Skibbes Arbeitgeber in Verbindung gesetzt. Die Abwicklung gilt als Formalie, die zeitnah erledigt sein wird. Skibbe soll in Berlin einen Vertrag bis 2014 erhalten.

So, wie die Schlüssel-Personalie gelaufen ist, gibt es nur Verlierer. Die Bilanz des noch jungen Bundesliga-Trainers Babbel heißt: Auf der ersten Station beim VfB Stuttgart vorzeitig entlassen – wie auf der zweiten Station in Berlin. Das Image des ehrlichen, kantigen Arbeiters Babbel hat tiefe Risse bekommen. Mehrfach schien es, als ob auf Herthas Trainer-Stuhl ein Trickser sitzt, dem das eigene Wohlbefinden wichtiger ist als das seines Vereines.

Babbels Version, Hertha habe ihn seit Anfang November ohne Rückendeckung im Regen stehen lassen, erscheint deshalb unglaubwürdig, weil Manager Preetz in den letzten Wochen leidenschaftlich um Babbel gekämpft hatte: vom Star-Talk im Fernsehen bis zur Mitgliederversammlung. Weil ihn der Trainer darum gebeten hat, hat Preetz Babbel eine lange Frist eingeräumt („Bis zum Rückrunden-Start am 21. Januar wissen wir Bescheid“).

Wieso hätte er das tun sollen, wenn er gewusst hätte, dass Babbel sich ohnehin gegen Hertha entschieden hat? Allerdings gibt auch der Manager keine glückliche Figur ab. Unterstellt, seine Version ist die wahre, dass Babbel am Dienstag über seinen Berater hat absagen lassen: Das seit Wochen anhaltende Trainer-Theater hat dem Verein geschadet. Moderne, leise effiziente Unternehmensführung, so möchte Preetz Hertha leiten. Demütig, nicht so lärmend wie zu Zeiten seines Vorgängers. Doch seit Wochen herrscht Tohuwabohu, Führungsstärke war nicht zu sehen.

In Hoffenheim saßen Preetz und Babbel nur durch Cotrainer Rainer Widmayer getrennt nebeneinander auf der Bank. Sie haben sich während der 90 Minuten nicht eines Blickes gewürdigt. Und Skibbe? Der gewann sein letztes Spiel mit Eskisehirspor gegen Kayserispor 1:0 und übergibt sein Team als Tabellen-Dritter.

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