Die Woche hatte nicht gut begonnen für Tunay Torun, gar nicht gut. Erst zum zweiten Mal in dieser Saison stand der flinke Zugang am Sonnabend nicht in der Startelf von Hertha BSC, und es kam noch schlimmer. Nicht nur, dass er am Ende gar nicht spielen durfte, nein: Er musste mit ansehen, wie sein direkter Konkurrent und gleichzeitiger Freund Änis Ben-Hatira ein sensationelles Spiel gegen den 1. FC Köln ablieferte und mit zwei Vorlagen eindeutig zum Mann der Partie avancierte. Toruns Stammplatz dürfte, trotz zweier Treffer bisher, ernsthafter denn je in Gefahr sein.

Da trifft es sich ganz gut, dass für den Deutsch-Türken, der vor der Saison genau wie Ben-Hatira vom Hamburger SV gekommen war, eine Abwechslung der ganz besonderen Art ansteht. Nach dem Köln-Spiel reiste der 21-Jährige zur türkischen Nationalmannschaft, die heute in Istanbul in der EM-Qualifikation gegen Deutschland antritt.

Für Torun in doppelter Hinsicht eine besondere Partie: Zum ersten Mal steht er im Aufgebot gegen eine deutsche Auswahl, und zum ersten Mal darf er sich berechtigte Chancen auf einen Einsatz in einem Pflichtspiel ausrechnen. Ein Freundschaftsspiel steht für ihn bereits aus dem Februar zu Buche. Torun sagt: „Das wäre ein Traum. Ich mache mir schon ein wenig Hoffnung, vielleicht dabei zu sein.“

Torun ist einer von vielen Spielern, die zwar in Deutschland geboren wurden, die es aber dennoch fußballerisch in die Heimat ihrer Vorfahren zieht. Früh wurde das Talent des gebürtigen Hamburgers entdeckt, seit der U15 hat er in jeder Nachwuchsmannschaft der Türkei gespielt. „Durch meine Familie fühlte ich mich schon immer zur Türkei hingezogen. Ich habe mich schnell entschieden, für die Türkei zu spielen“, sagt Torun.

Seine Leistungen bei Hertha bisher rechtfertigen einen Einsatz durchaus. Zwar waren nicht alle Partien von Erfolg gekrönt, doch in vielen Phasen ließ Torun erkennen, dass er das Spiel auf der früher manchmal etwas lahmen linken Seite durchaus beleben kann. Wie beim überraschenden Sieg in Dortmund, als er in der ersten Hälfte Herthas bester Mann war. Nach dem Spiel, erzählt Torun, habe ihn Nationaltrainer Guus Hiddink persönlich angerufen. „Er hat mir versichert, dass er langfristig mit mir plant“, sagt Torun.

Denn: Bisher hat ihn der Niederländer für Pflichtspiele zwar berücksichtigt, aber nicht eingesetzt. Das aber findet Torun nun überhaupt nicht schlimm. Und wenn doch, sagt er es nicht: „Wir haben so viele gute Fußballer, da ist es eine Riesenehre, überhaupt zum 24er-Kader zu gehören.“ Gut möglich, dass Torun am heutigen Freitag gegen seine zweite Heimat den nächsten Schritt macht.

mkl