Morgenpost ONLINE: Herr Lustenberger, am Samstag spielt die Schweiz in Basel ihr Eröffnungsspiel gegen Tschechien. Sind Sie enttäuscht, dass Sie dann nicht auf dem Platz stehen?

Fabian Lustenberger: Nein, das wäre zu früh gekommen. Ich habe mir da nie Hoffung gemacht, zumal wir in der Schweiz genügend gute Spieler haben. Wir haben eine außerordentlich starke Generation an Spielern. Wenn wir gegen Tschechien gewinnen, können wir bei der EM weit kommen, da bin ich mir sicher. Es ist nicht einfach, den Sprung in diese Mannschaft zu schaffen. Aber ich werde das nach dem Turnier natürlich probieren, die WM 2010 ist ein großer Traum von mir.

Morgenpost ONLINE: Wo werden Sie sich denn die Spiele anschauen?

Lustenberger: Es war wahnsinnig kompliziert, hier an Karten zu kommen, ich habe es letztlich gar nicht probiert. Ich werde mir die Spiele wohl zu Hause bei meinen Eltern anschauen. Bei der WM habe ich jedes Spiel gesehen, bei der EM werde ich wieder so viel wie möglich verfolgen. Zu manchen Spielen sind dann 15 Freunde bei uns im Haus, da ist schon was los. Wir Schweizer freuen uns schon alle sehr auf das Turnier, wenn auch vielleicht etwas ruhiger als die Deutschen vor der WM 2006. Das ist so unsere Art.

Morgenpost ONLINE: Sie sind seit zwei Wochen in Urlaub. Haben Sie die Eindrücke des vergangenen Jahres schon verarbeitet?

Lustenberger: Nein, das war schon extrem. Am Anfang hatte ich ein paar Probleme, mir meinen Platz zu erkämpfen. Aber ich denke, das ist normal, wenn du als junger Spieler aus der Schweiz nach Deutschland kommst. Das Tempo ist deutlich schneller, es bleibt viel weniger Zeit, den Ball abzuspielen. Auch die Leistungsdichte in der Liga ist enorm, in einigen Mannschaften spielen ja nur Nationalspieler. Auf Weltklassespieler wie Ribery oder Toni zu treffen hat mich deutlich weiter gebracht. Aber um ehrlich zu sein war der Unterschied größer als ich gedacht habe. Hier sind allein jeden Tag ein halbes Dutzend Zeitungen präsent, zum Training in Luzern hat sich eher selten mal ein Journalist verirrt.

Morgenpost ONLINE: Sind Sie zufrieden?

Lustenberger: Eigentlich lief es ganz gut, aber ich bin selten zufrieden mit mir. Ich hatte mir ein bisschen mehr vorgenommen. Aber ich habe noch nie in einem Jahr so viel sportlich und privat gelernt. Es ist etwas anderes, sich in einem fremden Land zurecht zu finden, als zu Hause bei den Eltern zu wohnen. Alleine in Berlin zu leben hat mich schon geprägt.

Morgenpost ONLINE: Was ist Ihnen daran besonders in Erinnerung geblieben?

Lustenberger: Zum Beispiel das U-Bahn-Fahren, ich habe ja erst jetzt meinen Führerschein. Ob es die Verkäufer des Stadtmagazins "Straßenfeger" sind, Manager oder quatschende Schulkinder - man bekommt dort so viel von einer Stadt mit wie an kaum einem anderen Ort.