Josip Simunic war völlig aus dem Häuschen – zumindest verbal: „Der Platz ist überragend, das Hotel ist überragend, das Essen ist überragend“, lobte Kroatiens Innenverteidiger die österreichischen Gastgeber, blickte dabei aber erstaunlich finster drein. Dass er die fußballerischen Qualitäten des ersten Vorrundengegners bei seinen Lobpreisungen aussparte, gehört zum doppelten Spiel der Kroaten, von denen keiner genau weiß, was sie am Sonntag bei ihrem ersten Vorrundenspiel in Wien erwartet.
Also üben sich Spieler und Offizielle in einem Drahtseilakt zwischen betonter Gelassenheit und dem Versuch, die österreichische Mannschaft nicht zu unterschätzen. „Österreich ist stark, wir bereiten uns auf ein leidenschaftliches Spiel vor“, sagte Nationaltrainer Slaven Bilic. Und dann verzog er die Mundwinkel, als er auf das Roulette der Torhüter beim heutigen Rivalen angesprochen wurde, wo Kollege Josef Hickersberger noch nicht mit dem Namen der endgültigen Nummer eins herausrücken will: „Das ist sein Problem, nicht meins“, zischte Bilic und fügte an: „Keine Mannschaft der Welt stellt doch seine Taktik um, weil ein spezieller Torwart im Tor steht.“
Auf Kroatisch brach es aus Simunic heraus
Simunic, Profi beim Bundesligaklub Hertha BSC, konnte die Fassade der Ehrfurcht nur in seinen Ausführungen auf Deutsch („Wir unterschätzen keinen, und Österreich schon gar nicht“) aufrecht erhalten. Auf Kroatisch brach es dann aus ihm heraus, als er auf angebliche technische Defizite angesprochen wurde, die die Österreicher bei ihm ausgemacht haben wollten: „Jeder Österreicher, der technisch besser ist als ich, soll sich bei mir melden. Alle Österreicher gemeinsam haben technisch nicht so viel drauf wie ich“, blaffte er und wurde von den kroatischen Journalisten prompt mit Szenenapplaus für so viel Kampfgeist bedacht.
Die Diskrepanzen in den Aussagen der Kroaten sind leicht zu erklären: Niemand weiß, was wirklich in der österreichischen Mannschaft steckt. Zwar verlor sie den Großteil ihrer Testspiele, leistete dabei aber zuletzt Deutschland (0:3) und den Niederlanden (3:4) erheblichen Widerstand. Dazu kommt der Heimvorteil, weiß Trainer Slaven Bilic: „Das hat noch keinem geschadet.“
Josip Simunic fürchtet gar, dass „Gastgeber immer einen Vorteil bei den Schiedsrichtern haben“. Wie viel die 77 Weltranglistenplätze, die zwischen Österreich (92.) und Kroatien (15.) liegen, wirklich wert sind, wird sich heute im Happel-Stadion zeigen.



