Hertha BSC

Drobny nimmt Ersatzkeeper Burchert in Schutz

Nach dem Spiel gegen den HSV musste sich Herthas Ersatzkeeper Sascha Burchert als "Kopfball-Torwart-Trottel" verspotten lassen. Doch er wehrt sich nach seinen mutigen Flugeinlagen und auch Stammkeeper Drobny nimmt ihn in Schutz. Sogar der Gegner springt ihm zur Seite.

Foto: AP

Christian Fiedler (34) ist gut erzogen, andernfalls wäre der Torwarttrainer von Hertha BSC wohl handgreiflich geworden. So laut, dass jeder Umstehende es hören konnte, weil jeder es auch hören sollte, schimpfte er beim Verlassen des Trainingsplatzes mit einem ihm missliebigen Reporter. Seine Botschaft: Was du dir da erlaubt hast, hättest du dir bei mir nicht erlauben dürfen. Aber auch so empfand Fiedler die Berichterstattung am Tag nach dem 1:3 (1:3) der Berliner gegen den Hamburger SV als Frechheit.

Was war passiert? Bei dieser, der siebten Niederlage in der Bundesliga hintereinander, hatte Ersatztorwart Sascha Burchert (19) in seinem zweiten Bundesligaspiel überhaupt gleich zweimal per Flugkopfball außerhalb seines Strafraumes geklärt – beide Male schlug der Ball Sekunden später im verlassenen Tor ein. Erst traf David Jarolim mit einer herausragenden Direktabnahme aus 36 Metern, zwei Minuten später schoss Ze Roberto gar aus 44 Metern erfolgreich.

Drobny kritisiert Feldspieler

Als „Kopfball-Torwart-Trottel“ musste sich der tapfere Burchert am Tag danach von der "Bild"-Zeitung verspotten lassen, beurteilte die Faktenlage aber ganz anders: „Wieso soll ich mir die zwei Gegentore zu Herzen nehmen? Ich trage keine Schuld.“ Nun mag mancher meinen, das wäre ganz schön selbstbewusst für einen so jungen Kerl. Doch es schlossen sich alle objektiven Beobachter dieser Einschätzung an. Sogar der Gegner sprang ihm zur Seite. „Ich muss für den jungen Kerl eine Lanze brechen“, sagte der Hamburger Torwart Frank Rost: „Er hat in den Situationen gut mitgespielt und wurde von seinen zehn Kollegen im Stich gelassen.“

So sah es auch Fiedler, so sah es auch Jaroslav Drobny, der Stammtorhüter der Berliner, der seit zwei Wochen wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel und eines leichten Bandscheibenvorfalls im unteren Rückenbereich ausfällt. Er hätte „in beiden Situationen genauso reagiert“, sagte Drobny. Stattdessen nannte er es „lächerlich“, dass zweimal kein Berliner Spieler versucht hatte, die von Burchert weggeköpften Bälle zu erobern. Ebenso inakzeptabel sei es gewesen, dass kein Verteidiger die verlassene Torlinie gesichert habe.

An einen Knacks in Burcherts Psyche glaubt Fiedler nicht. „Er ist Profi, da muss er durch.“ Und erzählt von Rost, einem der besseren deutschen Torhüter dieser Zeit: „Der hat sich auf Schalke mal einen Ball selbst rein geworfen, hatte danach einiges durchzumachen, aber hat seine Karriere trotzdem fortgeführt.“

Wie lange Hertha zwangsweise noch auf einen stabilen Burchert setzen muss, ist nicht sicher. Gegen den HSV kam er erst für den verletzten Timo Ochs ins Tor, weil nun auch der einen Faserriss im Oberschenkel erlitt. Drobny trainierte gestern immerhin erstmals wieder auf dem Feld; auf einem Gymnastikball sitzend fing der Tscheche ihm zugeworfene Bälle. „Schrecklich“, findet er es, zum Zuschauen verurteilt zu sein. „Zurzeit geht bei uns alles schief, und ich kann der Mannschaft nicht helfen“, klagt Drobny. Im Kellerduell gegen Nürnberg will er in zwei Wochen aber wieder dabei sein. In diesem Spiel „gibt es nur eine Lösung: einen Sieg für uns“.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.