Michael Preetz ist zu bedauern. Oder zu bewundern. Sechs Jahre seines Lebens hat er einer Rolle im Schatten von Dieter Hoeneß geopfert, nur um an einem lange Zeit unbestimmten Tag dessen marode Hinterlassenschaft übernehmen zu dürfen. Doch kaum hat er bekommen, was er wollte, steht er als Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC nach nur 121 Tagen derart unter Druck, dass jeder Fehler sein letzter gewesen sein kann.
Denn Preetz' bisherige Zeit als Frontmann ist geprägt von einem verheerenden Absturz. Einem Absturz, den er bestenfalls teilweise zu verantworten hat, der aber nichtsdestotrotz mit seinem Namen verbunden wird. Niemand hat ernsthaft an eine Wiederholung des Vorjahres-Erfolges geglaubt, als Lucien Favre Hertha auf Platz vier führte und es noch höher hätte hinausgehen können. Und doch waren viele enttäuscht und empört, als die Wirklichkeit die warnenden Prognosen von Preetz und Favre schonungslos noch übererfüllte.
Am Ende dieser Entwicklung hat Preetz zu einem Schritt greifen müssen, den er bedauerte: Er, der Vertraute, musste Favre entlassen - ein Treppenwitz: Preetz musste erledigen, was Hoeneß schon viel früher gerne erledigt, aber niemandem hätte erklären können. Jetzt also Friedhelm Funkel. Ohne diesen neuen Weg gewollt zu haben, hätte ein Scheitern des just vorgestellten Trainers für niemanden weitreichendere Konsequenzen als für Michael Preetz. Er hat sich, auf Tabellenplatz 18 angekommen, von dem Schweizer Projekt mit Lucien Favre verabschiedet. Und muss jetzt hoffen, dass die Karte Funkel sticht.




