Manchmal ist der Gegner einfach besser. Das musste der Sportclub Freiburg am Sonntag beim 0:3 gegen Hertha BSC feststellen, aber auch der Hauptstadt-Klub selbst ist vor dieser Erkenntnis nicht gefeit. Zum Ende seiner Reise durch Europa unterlag Berlins Bundesligist bei Benfica Lissabon im Sechzehntelfinal-Rückspiel der Europa League deutlich mit 0:4 (0:1) und ist damit aus dem internationalen Wettbewerb ausgeschieden. „Die Niederlage ist verdient, Benfica war in allen Belangen stärker als wir“, räumte Kapitän Arne Friedrich selbstkritisch ein.
Zehn Spiele hat Hertha, der Beinahe-Meister und Vierte der vergangenen Saison, im kleineren der beiden Europapokal-Wettbewerbe absolviert. Der präsentierte sich zu dieser Saison kräftig reformiert. Starterfeld, Renommee und Verdienstmöglichkeiten – alles sollte besser werden. Wirklich verändert hat sich nichts. Auf dem Weg von Kopenhagen über Heerenveen, Ventspils und Lissabon wurden weniger als zwei Millionen Euro eingenommen und der Wert der Marke Hertha BSC kaum gesteigert. Auch waren die Duelle mit fremdländischer Konkurrenz angesichts der sportlichen Misere im Basisgeschäft Bundesliga mehr Belastung denn schöne Ablenkung vom Alltag. Immerhin kann auf selbigem in den entscheidenden Wochen nun volle Konzentration liegen.
Auf den Regen folgten die Tore
All das lässt sich sagen nach einem Spiel, in dem deutlich wurde, dass Hertha im Kreis der besten 16 der Europa League nichts verloren hätte. Als elfter Bundesligist seit 1961 stellte sich Hertha bei Benfica vor. Mit Ausnahme des FC Bayern im Dezember 1995 (3:1) hat kein deutscher Klub im Estadio da Luz gewinnen können. Dort ist eine Niederlage erst recht in der laufenden Saison keine Schande. Benfica ist daheim ungeschlagen, und zwar sowohl in der heimischen Liga als auch in der Europa League. Der am Dienstagabend war dort der fünfte Sieg im fünften Spiel bei 17:1 Toren, darunter ein 5:0 gegen den FC Everton.
„Wir wollen, aber sie müssen weiterkommen“, sagte Hertha-Trainer Friedhelm Funkel. Nach diesen Worten handelte der im Hinspiel beim 1:1 noch arg lässige Souverän der portugiesischen Liga vor den Augen von Benfica-Legende Eusebio und Uefa-Präsident Michel Platini. Nach einer Schweigeminute für die Opfer der Unwetter-Katastrophe auf Madeira und – wie passend – einem Gewitter, das die Partie nach gut einer Viertelstunde mit Hagel und Starkregen an den Rand einer Unterbrechung trieb, prasselte auf Hertha ein Chancen-Gewitter der Hausherren ein. Benficas Offensiv-Quartett Aimar, di Maria, Cardozo und Saviola spielte sich in einen wahren Rausch.
Herthas Niedergang in diesem Spiel begann in Minute 25 mit einem Zuspiel von Saviola in den Lauf seines argentinischen Landsmannes Aimar. Der schüttelte den grätschenden Friedrich ab und schoss mit rechts flach ins linke Toreck. Raffael versuchte es zweimal mit Fernschüssen (33./34.), Benfica ließ mindestens drei weitere Großchancen ungenutzt, darunter ein Lattenschuss von Saviola.
Kringe ärgern die Geschenke
Mit dem knappen Rückstand retteten sich die Berliner in die Pause – doch sofort nach Wiederanpfiff brachen alle Dämme. „Da haben wir Geschenke verteilt, wie es gegen eine Spitzenmannschaft wie Benfica nicht passieren darf“, schimpfte Florian Kringe, der als Linksverteidiger den erkrankten Levan Kobiashvili vertrat. Bis zur 62. Minute erhöhten Cardozo per Kopf (48./nach Drobny-Fehler), Javi Garcia nach einer Ecke (59.) und erneut Cardozo nach gefühlvoller di-Maria-Flanke mit dem schönsten Tor des Spiels auf 4:0.
Der Rest war Schaulaufen. Benficas Stars hatten sich ausgetobt, aber selbst jetzt kreierten die Berliner keinerlei Chancen. „Die Mannschaft hat trotzdem alles gegeben“, behauptete Trainer Funkel. „Wir haben gegen einen Gegner verloren, der erstklassig ist und erstklassig gespielt hat. Nach dem zweiten Tor haben meine Spieler nach strapaziösen Tagen nicht mehr die Kraft aufgebracht, um noch mal zurückzukommen.“ Funkel gewährte Raffael und Adrian Ramos Schonung. Für sie kamen Theofanis Gekas und Artur Wichniarek. Später ging noch der gegen di Maria heillos überforderte Lukasz Piszczek und Nemanja Pejcinovic durfte ran.
Samstag kann im Olympiastadion gegen Hoffenheim in der Bundesliga der Sprung von den direkten Abstiegsplätzen gelingen, „Dann“, kündigt Friedrich an, „wird die Mannschaft Moral und wieder ein ganz anderes Gesicht zeigen.“ Hoffentlich.














