Der tragbare DVD-Player war vom Start in Tegel bis zur Landung in Betrieb. Hertha-Trainer Lucien Favre studierte mit Co-Trainer Harald Gämperle wieder und wieder Bröndby IF, den Gegner heute im Play-off-Hinspiel der Europa League (20.30 Uhr, Liveticker auf morgenpost.de). „Das ist eine typisch skandinavische Mannschaft: Gut organisiert, körperbetont, aggressiv“, sagte Favre. „Aber unser Ziel ist klar: Wir wollen die Gruppenphase erreichen.“
Der Vierte der vergangenen Bundesliga-Saison beim Dritten der dänischen Meisterschaft – Bröndby war das schwerste Los, das Hertha erwischen konnte. Für die Berliner ist der Einsatz in den beiden K.o.-Spielen hoch.
Es geht darum, die Aufbruchstimmung aus dem Frühjahr dauerhaft am Leben zu erhalten. In der Liga ist Hertha mit je einem Sieg und einer Niederlage gestartet. Damit die vergangene Saison nicht als positiver Ausrutscher eines sonst blassen Hauptstadt-Klub wahrgenommen wird, lautet die Herausforderung: Gegen Bröndby zählt nur der Erfolg. Damit hängt ein anderes Dauerthema zusammen: Wie ist es um das Image von Hertha bestellt? Das bundesweite Interesse lässt sich an der TV-Übertragung heute ablesen. Das ZDF überträgt live Werder Bremen gegen FK Aktobe, den Meister aus Kasachstan – und zeigt anschließend eine Zusammenfassung von Herthas Auswärtspartie. Eine Woche später heißt die Fernseh-Partie Hamburger SV gegen EA Guingamp, immerhin da aber überträgt das DSF auch das Rückspiel der Berliner.
Lamentieren hilft nicht, der Weg ins öffentlich-rechtliche Fernsehen führt nur über positive Nachrichten. Erst das Erreichen der Gruppenphase würde bis Weihnachten regelmäßig landesweite Medienpräsenz garantieren. Präsident Werner Gegenbauer nimmt das Team in die Pflicht: „Es geht darum, Hertha BSC auf europäischer Bühne sichtbar zu machen. Die Mannschaft hat sich das erarbeitet, jetzt sollte sie diese Chance auch nutzen.“
Zumal, da der Nachfolger des Uefa-Cups deutlich aufgewertet wurde. Die Europa League soll analog zur Champions League positioniert werden. Es gibt künftig vier Teams je Gruppe mit insgesamt sechs Hin- und Rückspielen. Kapitän Arne Friedrich sagt: „Wir haben lange dafür gearbeitet, international zu spielen, da freuen wir uns auf die Spiele gegen Bröndby – und danach hoffentlich auf die Gruppenphase. Die Gegner dort werden sehr attraktiv sein.“
Einen anderen Punkt benennt Favre, der mit dem nach Hoffenheim jüngsten Kader der Liga arbeitet: „Es ist für unsere Talente wichtig, internationale Erfahrung zu sammeln.“ Gegen Bröndby wird der Trainer auf eine Mischung aus Alt und Jung setzen. So wird im Mittelfeld wohl Pal Dardai (33), der Älteste im Kader, zurückkehren. Der Ungar soll neben Friedrich (30), Torwart Jaroslav Drobny (29) und Artur Wichniarek (32) für Ruhe sorgen. Von den Jungen werden Nemanja Pejcinovic (21), Patrick Ebert (22) und natürlich Gojko Kacar (22) im Einsatz sein.
Neben der sportlichen Perspektive ist die finanzielle verlockend. Allein der Einzug in die Gruppenphase garantiert ein Antrittsgeld von 600.000 Euro. Dort gibt es für jeden Sieg und jedes Unentschieden sechsstellige Prämien. Dazu kommen das Geld aus der TV-Zentralvermarktung sowie die Zuschauer-Einnahmen der Heimspiele. Präsident Gegenbauer schätzt den Wert der Gruppenphase auf „mindestens 1,5 Millionen Euro“ – ein Betrag, den Hertha bei der Zusammenstellung seines Kaders aktuell bestens gebrauchen kann.
Dafür gilt es heute im Bröndby-Park, der mit 26.000 Zuschauern wohl ausverkauft sein wird, eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche zu erarbeiten. Rechtzeitig zu Teil eins des dänisch-deutschen Kräftemessens hat der Gegner personell nachgelegt und für 300.000 Euro Nationalspieler Martin Bernburg (23) von FC Nordsjaelland verpflichtet. Der Neue, ein Stürmer, soll heute prompt sein Debüt geben. Kapitän Friedrich hofft trotzdem auf ein Resultat mit der erprobten Europacup-Arithmetik: „Hinten kein Gegentor kassieren und selbst ein oder zwei Treffer schießen. Skandinavische Mannschaften sind nie leicht auszuschalten, aber wir sind wohl dennoch leicht favorisiert und müssen einfach weiterkommen – aus die Maus.“





