Die Worte klingen, als ginge es um eine Beförderung. "Es ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die Hertha BSC voran bringen wird. Mit diesem Schritt können wir dank Carsten Schünemann gewährleisten, dass gerade unser Nachwuchs optimal auf die Herausforderungen des Profifußballs vorbereitet wird."
Oder: "Dieser Schritt ist für die weitere Professionalisierung unserer Mannschaften in der Fußball-Akademie sehr wichtig." Es spricht Michael Preetz, Geschäftsführer Sport bei Hertha, in einer Pressemitteilung. Auch der, um den es geht, klingt zuversichtlich: "Die Entwicklung im Fußball zeigt, dass junge Talente von Anfang an die späteren Anforderungen gewöhnt werden sollten. Dies zu gewährleisten, wird meine Aufgabe sein, auf die mich sehr freue." So wird Carsten Schünemann zitiert.
Tatsächlich gemeint ist: Herthas sportliche Leitung hat rasch reagiert. Nach dem Debakel um die schlechten Laktatwert von 13 Spielern, ist Carsten Schünemann (41) nicht länger Konditionstrainer von Hertha. Stattdessen betreut der Diplom-Sportwissenschaftler als Athletik-Trainer den Nachwuchs.
Kuchno ersetzt Schünemann
Schünemann, der am Freitag noch neben Trainer Markus Babbel auf dem Platz stand, ist schon nicht mehr dabei, wenn es am Sonntag ins Trainingslager nach Oberstaufen im Allgäu geht. Neuer Konditionstrainer ist Henrik Kuchno (36), der bisher für das Höhentraining zuständig war.
Dennoch ist es zu kurz gegriffen, den Wechsel nur auf die schlechte körperliche Verfassung von der Hälfte des Kaders zu schieben. Es stimmt, dass Schünemann die Pläne ausgearbeitet und den Spielern in die Ferien mitgegeben hat. Allerdings war jeder Profi selbst dafür zuständig, die Vorgaben seines Arbeitgebers zu erfüllen.
Es scheint, als seien die schlechten Laktatwerte nur der berühmte Tropfen gewesen. Wie zu hören ist, hat die Chemie zwischen Babbel und dem bisherigen Konditionstrainer, der 2002 mit Huub Stevens zu Hertha gekommen war, nicht gestimmt. Der neue Trainer zeigte sich durchsetzungsstark: Nur sechs Tage nach Babbels erstem Arbeitstag in Berlin musste Schünemann seinen Posten räumen.
Zum Auftakt des Trainingslagers bestreitet Hertha gleich einen Test. Der Bundesliga-Absteiger gastiert beim FC Isny, der gerade von der Landes- in die Bezirksliga abgestiegen ist. Indessen kommen am Sonntag nicht alle Spieler zum Einsatz. Wegen Achillessehnen-Problemen muss Torwart Maikel Aerts sein Debüt im Hertha-Tor verschieben. Aus gleichem Grund pausiert Adrian Ramos. Der Kolumbianer, mit zehn Toren bester Torschütze der Vorsaison, ist angeblich mit TSG Hoffenheim über einen Wechsel einig. Allerdings hat sich bisher kein Interessent bei Hertha gemeldet. Insgesamt sind 27 Spieler dabei, darunter die Talente Marvin Knoll (19), Afredo Morales (20), Pierre-Michel Lasogga (18) sowie Nico Schulz (17).
Trainer Babbel wird aus gegebenem Anlass im Allgäu das Schwergewicht auf Konditionsarbeit legen. Auch erste taktische und spielerische Feinheiten werden in drei Freundschaftspartien probiert. Mittwoch geht es gegen Landesligist TSV Köttern, Samstag gegen Regionalligist SSV Ulm. Nach dem Umbruch bei Hertha mit neuem Trainer, 14 Ab- und neun Zugängen steht zudem das Kennenlernen und Zusammenwachsen des Kaders im Mittelpunkt. Gut möglich, dass noch ein Neuer dazukommt. Der umworbene Daniel Beichler von Sturm Graz sagte in der "Kleinen Zeitung" auf die Frage, wann er sich für Hertha entscheide: "Es liegt nicht an mir. Die beiden Vereine müssen jetzt miteinander reden. Es geht um die Höhe der Ablösesumme."
WM beschert Hertha 467 100 Euro
Trotz des Abstieges bringen Herthas vier WM-Fahrer dem Verein einen geldwerten Vorteil. So teilte der Weltverband Fifa mit, dass die Berliner für Steve von Bergen (Schweiz), Arne Friedrich (Deutschland), Theofanis Gekas (Griechenland) und Gojko Kacar (Serbien) 152.100 Euro Abstellgebühren erhalten. Pro Tag gibt es für die Klubs 1300 Euro. Zusätzlich überweisen DFL und dem DFB an Hertha für Friedrich je Turnier-Einsatz weitere 45.000 Euro. Das macht bei sieben WM-Spielen 315 000 Euro. Insgesamt spült die WM in Südafrika Herthas Finanzchef Ingo Schiller also 467.100 Euro in die Vereinsschatulle.




