Der Urlaub geht zu Ende. Noch ein paar Tage weilt Markus Babbel in der bayerischen Heimat, ehe er am Wochenende nach Berlin übersiedeln wird. Allein, seine Frau Silke wird den Umzug in die Hauptstadt nicht mitmachen, weil die gemeinsame Tochter Giulia in München eingeschult werden soll. „Eine harte Entscheidung“, sagt Babbel, sei das gewesen, doch ist er seiner Familie auch „dankbar“: So kann er sich voll auf seine neue Aufgabe als Trainer von Hertha BSC konzentrieren. Eine Mission, die im Mai 2011 im sofortigen Wiederaufstieg münden soll. Ehe am Montag die Vorbereitung auf die anstehende Zweitliga-Saison beginnt, spricht Babbel mit Morgenpost Online über das Niveau der WM: „Ich habe auffällig viel Angst gesehen. Die Spiele sind sehr taktisch geprägt, sehr defensiv. Teilweise war es grausam, das anzusehen. Fast jeder hat nur Sicherheit im Hinterkopf – mit wenigen Ausnahmen, Deutschland, Argentinien und ein Stück weit auch Brasilien.“

Die Mission Wiederaufstieg: „Keine leichte, aber eine reizvolle Aufgabe, auf die ich mich freue und für die ich verpflichtet worden bin. Mit der Mannschaft, mit der wir an den Start gehen, lacht sich doch jeder kaputt, wenn wir als Ziel ausgeben, unter die ersten Zehn kommen zu wollen. Wir haben die Qualität, sofort wieder aufzusteigen. Aber nicht nur Qualität entscheidet, sondern auch die Mentalität. Die WM hat, in Gestalt von Frankreich und Italien, auch gezeigt, was passiert, wenn jeder nur sein Ego in den Vordergrund bringen will.“

Den vermeintlich späten Trainingsstart: „Ich bin eher überrascht, wie früh einige Mannschaften wieder angefangen haben. Vom 5.Juli an sind es sechs Wochen bis zur ersten Runde im DFB-Pokal und sieben bis zum Liga-Auftakt. Das ist völlig ausreichend. Die Jungs sollen schließlich noch Lust auf Fußball haben, wenn es losgeht.“

Die Personalie Arne Friedrich: „Es freut mich, dass er den Abstieg hat abschütteln können und jetzt so gut spielt. Seine Leistungen bei der WM verdeutlichen seinen Anspruch, weiter erstklassig zu spielen. Wir werden dann sicher eine Lösung finden. Fakt ist aber auch, dass wir ihn nicht herschenken werden.“

Das Vorgehen bei Kacar und Ramos: „Wir sind absolut happy, dass diese Spieler bei uns sind. Beide haben Vertrag, wir planen mit ihnen. Um es mit Otto Rehhagel zu sagen: Wenn ich etwas unterschreibe, muss ich auch wissen, was ich da tue. Ich kann nicht nur die Annehmlichkeiten annehmen, sondern muss auch zum Verein stehen, wenn es nicht so gut läuft.“

Die „Skandalbrüder“ Ebert und Lell: „Natürlich kenne ich die Schlagzeilen über sie. Aber jeder hat sich eine zweite Chance verdient. Und bei Ebert habe ich oft eine Frechheit am Ball gesehen, die nicht viele haben. Außerdem haben mir die Gespräche mit ihm sehr gut gefallen. Er sagte mir, dass er helfen will, den Mist auszulöffeln, den sie alle vergangene Saison gebaut haben. Ähnlich Lell, auch er hatte private Probleme. Aber ich habe auch gute Kontakte zum FC Bayern, und egal wen ich zu ihm befragt habe, Christian Nerlinger oder Hermann Gerland ((Sportdirektor bzw. Amateurtrainer – d.R.), immer hörte ich, dass er einen einwandfreien Charakter hat. Und sportlich bin ich ohnehin überzeugt, dass Lell ein Toptransfer für Hertha ist.“

Die „Systemfrage“: „Rob Friend, den ich unbedingt haben wollte, weil er die Zweite Liga kennt, eignet sich außerdem ideal für die Rolle als Stoßstürmer im 4-2-3-1. Auch Raffael eignet sich mit seiner technischen Qualität im Abschluss und dem Auge für den Mitspieler hervorragend für die zentrale Position dahinter. Aber wir werden nicht nur ein System spielen, sondern bis zu drei, wenigstens aber zwei Systeme einstudieren, etwa mit der Raute im Mittelfeld oder der sogenannten flachen Vier (zwei zentrale defensive Mittelfeldspieler – d.R.).“

Herthas Mangel an Nachwuchskräften: „Elf Eigengewächse im Profiteam wären unser aller Traum, aber das wird schwer. Mir ist schon unverständlich, dass nach der Boateng/Ebert-Generation ein Bruch kam. An sich muss pro Jahrgang einer den Sprung nach oben schaffen, daran werden wir arbeiten. Aber dazu müssen die Jungs auch Gas geben, zeigen, dass sie wollen.“

Die Derbys gegen den 1. FC Union: Ich kenne diese Lokalduelle aus meiner Zeit in München und Liverpool. Das sind immer faszinierende Spiele, auf die die Berliner sich schon jetzt freuen dürfen. Ich erhoffe mir gegen Union zweimal ausverkaufte Stadien, rasante und gute Spiele, die aber wir gewinnen – und, dass es dabei aller Rivalität zum Trotz friedlich bleibt, denn Fußball ist bei allem immer noch ein Spiel.“