Kurz nach 19 Uhr war der wesentliche Bestandteil an Ort und Stelle. Die Montage einer 100 Quadratmeter großen Videoleinwand, die sich über einige Stunden hinzog, bildete den Abschluss der Vorbereitungen auf das wohl kurioseste Heimspiel in der Geschichte von Hertha BSC. Bis zu 45.000 Fans des Berliner Bundesligisten können heute ab 15.30 Uhr ihre blau-weißen Helden gegen den VfB Stuttgart zum zweiten Heimsieg der Saison brüllen – allerdings verteilt auf zwei nur einen Steinwurf voneinander entfernte Örtlichkeiten.
Eine „außergewöhnliche Situation“, nennt es Michael Preetz. Parallel zur Vorbereitung der Mannschaft auf das nächste Endspiel um den Verbleib in der Bundesliga, „planen wir in der Geschäftsstelle nebenher die Übertragung in der Waldbühne“, sagt der Hertha-Geschäftsführer. Gemäß der Auflage durch das DFB-Sportgerichts, das nach der Rasenstürmung von 100 bis 150 Chaoten nach dem Spiel am 13. März gegen Nürnberg für die Partie gegen Stuttgart die Ostkurve sperrte und insgesamt nur 25.000 Berliner Fans zulässt, organisiert Hertha ein großes Public Viewing für bis zu 20.000 Verbannte. „Wir hoffen, dass viele davon Gebrauch machen“, sagt Preetz, der gegen den VfB „ein intensives Spiel“ ankündigt; eines „hoffentlich mit dem besseren Ausgang für uns.“
Bis Freitagabend allerdings erst 9000 Tickets für dieses besondere Event in der legendären Konzertstätte abgesetzt. Dabei soll, so der Plan, die in der Waldbühne herrschende Stimmung mit Schalten vor und nach dem Spiel ins Olympiastadion transportiert werden und so aus der Verbandsstrafe eine gigantische Doppel-Party werden.
Die wird jedoch so oder so nur stattfinden, wenn der Mannschaft gegen Stuttgart gelingt, was ihr seit gefühlt ewigen Zeiten nicht mehr gelungen ist: ein Heimsieg. 245 Tage sind nunmehr vergangen seit jenem fast schon legendären 8. August 2009, als elf wackere Berliner Hannover 96 mit 1:0 niederrangen.
Gewinnt Hertha heute, kann gleichzeitig ein weiterer Makel beseitigt werden. 202 Tage am Stück ist der Hauptstadtklub nun schon Tabellenletzter der Fußball-Bundesliga. Angesichts der schweren Aufgaben der Konkurrenz aus Hannover (gegen Schalke 04) und Freiburg (in Bremen) kann im günstigsten Fall der Sprung bis hinauf auf Position 16 gelingen – wenn, ja wenn die Berliner nur ihrerseits gewinnen.
Doch schon beginnt das Dilemma. Zwar sagt Verteidiger Levan Kobiashvili: „Gegen Mannschaften wie Stuttgart kommen wir zurecht. Die wollen auch unbedingt gewinnen, weil sie jeden Punkt für einen internationalen Platz brauchen.“ Doch stellt sich mit dem VfB die nach Punkten beste Mannschaft der Rückrunde vor und bringt als Empfehlung ein 2:1 im vorangegangenen Auswärtsspiel beim FC Bayern mit.
Gleichwohl passt zu dieser Saison nichts anderes als eine kaum lösbare Aufgabe zum unpassenden Zeitpunkt. Wann immer in dieser verkorksten Spielzeit Hertha dran war am Sprung weg vom letzten Platz – zuletzt am 25. Spieltag –, kam den selbsternannten „Aufholjägern“ mit Verlässlichkeit etwas dazwischen.
Nicht diesmal, versprechen sie. Nicht, wenn sie es verhindern können. „Wir sind dran“, prophezeit Kapitän Arne Friedrich. Sieben Punkte aus den jüngsten drei Partien haben ihn und Kollegen mutig gemacht. Auch das schwere Restprogramm bereitet keine Furcht. Am kommenden Wochenende geht es zur aufstrebenden Frankfurter Eintracht, zum Schluss warten die Top-3: Schalke, Leverkusen, Bayern. Torwart Jaroslav Drobny tönt aber: „Gute Teams wollen Fußball spielen und sich nicht wie Mainz oder Bochum mit einem Punkt begnügen. Das kommt uns entgegen, weil auch wir fußballerisch gut sind. Ich glaube fest an ein Happy End.“




