Nein, Patrick Ebert wollte sich nicht äußern. Mit einem Kopfschütteln machte er deutlich, dass es wenig Sinn habe, ihn zu den neuesten Entwicklungen nach seinem nächtlichen Ausflug an der Seite von Kevin Prince Boateng zu befragen. Nur sein Verhalten auf dem Platz ließ erahnen, dass er in diesen Tagen andere Sorgen hat, sogar Opfer einer Erpressung wurde.
Ebert wirke übermotiviert, seinen Frust über ein Gegentor im Trainingsspiel ließ er an der Torstange aus. Voller Wut zog er diese aus dem Boden und schleuderte sie durch die Luft. "Emotionen", sagte Trainer Lucien Favre, nur seine Miene verriet, wie wenig begeistert er von dem Gefühlsausbruch Eberts war. Nachdem dieser alle Frage abgewehrt hatte, erfüllte er seelenruhig Autogrammwünsche.
Die "Bild" hatte am Dienstag berichtet, dass Ebert mehrfach bedroht worden war. Einer der Halter der angeblich von Boateng und Ebert demolierten Fahrzeuge soll Ebert zum Ausgleich des Schadens aufgefordert haben, widrigenfalls könne er "für nichts garantieren". Diesen Vorfall bestätigte Eberts Anwalt Janusz Lerch gegenüber der Morgenpost Online. Insgesamt zweimal wurde sein Mandant auf diese Weise bedroht, ein drittes Mal hätte für den Erpresser rechtliche Konsequenzen. "Dann", so Lerch, "werden wir Strafanzeige erstatten." Der Anwalt betonte, dass Ebert keine Zahlungen an den Mann geleistet hat, der ihn erpresst.
Lerch hat das Berliner Landeskriminalamt über den Vorfall informiert. „Wir nehmen die Sache ernst und gehen davon aus, dass es sich nicht unbedingt um einen Trittbrettfahrer handelt“, sagte er. Dem Bericht an das LKA liegt ein Schreiben bei, in dem Ebert den Wortlaut eines Gesprächs mit einer Person widergibt, das vor seiner Haustür stattgefunden hatte. „Diese Person forderte unseren Mandanten auf, den Schaden unverzüglich auszugleichen. Sollte eine friedliche Regelung nicht erfolgen, könnte für nichts mehr garantiert werden. Er (Ebert) hätte dann die Folgen zu tragen“, heißt es darin. Für Lerch ist damit klar, dass dies so verstanden werden könnte, „dass unser Mandant einen Geldbetrag zu zahlen hat“ und damit eine Bedrohung vorläge.
Ebert war nach seiner Geburtstagsfeier von einer Streife angehalten worden. Ihm wird vorgeworfen, gemeinsam mit dem Ex-Herthaner Kevin-Prince Boateng (Borussia Dortmund) an Autos den Lack zerkratzt und Spiegel abgetreten zu haben. Der Profi bestreitet die Vorwürfe. Wegen des nächtlichen Ausflugs hatte Hertha BSC Ebert zwischenzeitlich in die Amateur-Mannschaft strafversetzt. Mittlerweile trainiert er wieder mit den Profis. SL mit dpa/sh





