Als wolle er das Unvermeidliche so lange es geht hinauszögern, blieb Patrick Ebert Minute um Minute länger auf dem Trainingsplatz. Gemeinsam mit Lennart Hartmann, dem mit 17 Jahren Jüngsten im Team von Hertha BSC, spielte der frisch begnadigte Büßer noch ein paar Bälle, schoss aufs Tor – tat jedenfalls über eine Viertelstunde lang alles, um der ersten Übungseinheit nach seiner Rückkehr ins Profiteam nur kein zeitiges Ende zu bereiten.
Das demonstrative Verweilen in der Schutzzone Schenckendorffplatz war kein Zufall. Ebert ahnte, dass sich alles Interesse an diesem ersten Tag der Trainingswoche auf ihn richten würde – und der Umgang mit der Öffentlichkeit gelingt dem 22-Jährigen schon an guten Tagen eher schlecht. Noch dazu war am Dienstag kein guter Tag für Ebert – wenngleich er nach zwölftägiger Strafversetzung zu den Amateuren erstmals wieder mit den Profis des Berliner Bundesligisten trainieren durfte. „Bis auf weiteres“ war Ebert von Lucien Favre am Donnerstag der vorvergangenen Woche suspendiert worden. „Bis auf weiteres“, sagte der Trainer am Dienstag nun keinesfalls zufällig wortgleich, dürfe der Sünder wieder im Kreise der Mannschaft des Tabellenführers weilen.
Als letzter Spieler verließ Ebert schließlich den Rasen. Die Bitte nach einem Satz zu seiner sportlichen Situation lehnte er ab, auch Folgefragen ließ er unbeantwortet; wortlos stapfte der begnadete Fußballer Richtung Kabinentrakt. Wo Ebert während seiner Denkpause erkennbar nicht zur Einsicht von Fehlverhalten gelangt ist, brachte Herthas Pressechef sogar „ein wenig Verständnis“ für dessen Sprachlosigkeit auf. Eberts Mitspieler äußern sich – auch das ist vielsagend – schon länger nicht mehr über den Kollegen.
Zapfenstreich überzogen
An seinem Geburtstag hatte Ebert vor zwei Wochen nicht nur den Zapfenstreich bis tief in die Nacht überzogen. Er war gegen 3.30 Uhr noch dazu in angetrunkenem Zustand von einer Polizeistreife aufgegriffen worden; der Vorwurf an ihn und seinen Kumpel Kevin Boateng, Ex-Herthaner in Diensten von Borussia Dortmund, lautet, das feierwütige Duo habe am Tatort Brandenburgische Straße (Wilmersdorf) an einem halben Dutzend parkender Fahrzeuge Sachbeschädigung begangen.
Die Ermittlungen der Polizei dauern an und waren nicht Hintergrund der Suspendierung durch Hertha. Eberts Anwalt Janusz-Alexander Lerch wartet weiterhin auf Akteneinsicht, die ihm von den Behörden bislang nicht gewährt worden ist. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens hat die wiederholte Eskapade den Problemfall bei Hertha auf die Streichliste befördert. Favre ist nichts so zuwider wie Disziplinlosigkeiten; so dient die Begnadigung zuvorderst dem Erhalt von Eberts Marktwert, der trotz laufenden Vertrages bis 2011 rapide gesunken ist.





