Die Niederlage am Pokertisch konnte Dieter Hoeneß verschmerzen. Schon nach ein paar Minuten stand der Manager von Hertha BSC am Dienstagabend auf, so gehört sich das, wenn man alle verbliebenen Spielchips einsetzt. Zwei Könige hatte Hoeneß zunächst auf der Hand, ein gutes Blatt.
Doch die weiteren ausgeteilten Karten passten so gar nicht dazu, so dass der Manager seinen Raum räumen musste. Eine kommerzielle Online-Pokerseite hatte Hoeneß und Hertha-Spieler wie Raffael, Cicero und Sofian Chahed zu einer Turnierserie, die bei sechs Bundesligisten stattfindet, geladen – und die Spieler verabschiedeten sich fast ebenso schnell wie der Chefstratege des Vereins. „Seat open“, schallte es durch die Reihen der 70 Mitspieler.
Die Berliner werden diese Niederlagen verschmerzen können, schließlich fielen die Lose am Dienstag bei der Auslosung der Gruppenphase des Uefa-Cups weit günstiger. Mit den Einnahmen aus den attraktiven Heimspielen gegen Benfica Lissabon (23.10.) und Galatasaray Istanbul (3. oder 4.12.) wird aus dem bisherigen Minusgeschäft des internationalen Wettbewerbs ein Geschäft „mit schwarzen Zahlen“, wie Hoeneß sagt. Mit Lissabon und Istanbul kommen zwei Gegner, die auch das leidlich anspruchsvolle Berliner Fußballvolk mobilisieren dürfte.
Plus im sechsstelligen Bereich ist möglich
„Die Anstrengung hat sich gelohnt“, sagt der Manager über den mühsamen Weg in die Gruppenphase. Allein für die vier Spiele der Qualifikation nahm Hertha BSC ein Minus von 160.000 Euro in Kauf, die Zuschauer- und Werbeeinnahmen im Jahnsportpark und die TV-Einnahmen konnten Stadionmiete sowie die Reisekosten nach Moldawien und Slowenien nicht ausgleichen. Auch für den Sieg gegen St. Patrick’s bekommt die Mannschaft keine Prämie – „wir haben schließlich noch nichts eingenommen“, sagt Hoeneß.
Für das Erreichen der Runde der letzten 32 Mannschaften soll dagegen Ende der kommenden Woche ein Betrag ausgehandelt werden. Die beiden Heimspiele werden aller Voraussicht nach in der ARD oder im ZDF übertragen werden, was laut Erfahrungswerten ein rund doppelt so großes TV-Publikum wie beim Spartensender DSF bedeutet – und nach dem richten sich wiederum die Preise für die Banden im Stadion. „Wir haben absolut attraktive Lose gezogen“, sagt Christian Jäger von Herthas Sportrechtevermarkter Sportfive, „die Sache beginnt, interessant zu werden.“ Bei einer hohen Zuschauerauslastung hält er bei beiden Spielen Einnahmen im jeweils hohen sechsstelligen Bereich für möglich. Für das Spiel gegen Galatasaray hat er bereits „zahlreiche“ Anfragen von türkischen Unternehmen. Möglich ist deshalb eine Doppelproduktion – das Spiel wird aus verschiedenen Perspektiven gefilmt, so dass in der Türkei andere Banden zu sehen wären als im deutschen Fernsehen.
Jäger hat vor allem die Einnahmesituation vor Augen, Hoeneß muss sich dagegen auch mit den Ausgaben auseinandersetzen. 175.000 Euro reine Stadionmiete werden pro Spiel im Olympiastadion fällig, bei mehr als 50.000 Zuschauern wird ein Aufpreis berechnet. Hinzu kommen Personalkosten für bis zu 1000 Menschen pro Spiel. Bei Hertha BSC haben sie deshalb drei Einnahmekalkulationen für die im Vergleich zu vergangenen Jahren außergewöhnlich attraktive Gruppenphase ausgearbeitet – für geringen, durchschnittlichen und großen Zuschauerzuspruch. „Ein schönes Plus bleibt in jeden Fall stehen“, sagt Hoeneß, der betont, dass auch in der Liga gegen Stuttgart (18.10.) und einige Wochen später gegen Hamburg (15.11.) „großartige Heimspiele“ anstehen.
Der Herbst soll also richtungweisend sein für den Rest der Saison, in der man mit ein, zwei Siegen auch in der Liga schnell in die Spitzengruppe vorstoßen kann. „Für uns ist es wichtig, weiter an Image zu gewinnen und uns sportlich zu entwickeln“, sagte Hoeneß. Das sei viel wichtiger als die im Etat erst gar nicht einkalkulierten Einnahmen aus dem internationalen Geschäft: „Wir spielen schließlich immer noch Fußball.“
Reform steht an
In der kommenden Saison wird der Uefa-Cup zur Europa League reformiert. Dann soll es nur noch Vierer-Gruppen geben, zudem nur noch zwei feste Anstoßzeiten (19.05 und 21.05 Uhr). Die TV-Vermarktung wird dann von Beginn an zentral gesteuert, was die Einnahmen für alle Vereine kalkulierbar macht. In diesem Jahr liegen die Vermarktungsrechte bis zum Viertelfinale noch bei den teilnehmenden Klubs.
Mitarbeit: Friedrich Pohl





