Sie haben es doch nur gut gemeint. Die Entscheider des europäischen Fußballverbands Uefa wollten ihrem Stiefkind namens Uefa-Cup auch einmal etwas gönnen. Schließlich darbte es seit Jahren im Schatten der übermächtigen Champions League, jenes Lichttempels des europäischen Fußballs, der den zweiten Europapokal-Wettbewerb zu einer Trostrunde degradiert hatte. Zu einer Art Formel 3000 des Fußballs oder, um Franz Beckenbauer zu zitieren, zum „Cup der Verlierer“.
Also beschloss die Uefa, ab 2004 alles besser zu machen. Eine Gruppenphase wurde eingeführt, ein Logo entworfen, alles ein bisschen aufgehübscht. Doch das gewählte Make-up entpuppte sich schnell als Fehlgriff. Das fängt mit der ersten Runde an: 40 Spiele beginnen zu 15 verschiedenen Anstoßzeiten. Bundesliga-Mannschaften quälen sich gegen Vereine wie Cherno More Varna (VfB Stuttgart), Unirea Urziceni (Hamburger SV) oder St. Patrick’s Athletic (Hertha BSC), um im besten Fall ihren Einzug in die Gruppenphase mit einem Schulterzucken quittieren zu lassen. Geht das Unternehmen allerdings in die Hose, sind Hohn und Spott gesichert.
Die nächste Runde macht die Sache nicht spannender: In Fünfer-Gruppen werden die Klubs zusammengefercht, um jeweils einmal gegeneinander zu spielen. Zu welchen Blüten das führen kann, zeigte der Auftritt von Hertha BSC in der Saison 2005/06: Durch ein Eigentor des schwedischen Vertreters Halmstad siegten die Berliner im ersten Spiel mit 1:0, es folgten drei torlose Unentschieden, die zum Einzug in die Zwischenrunde (wahlweise: Sechzehntelfinale) reichten. Dort flog Hertha sang- und klanglos gegen Rapid Bukarest raus.
Kurzum: Das bestehende System ist eine Bewerbung zur Abschaffung, macht den einst populären Wettbewerb zu einem Ärgernis für Vereine und Fans. Und es lohnt sich noch nicht einmal: Da es eine zentrale Fernsehvermarktung erst ab dem Viertelfinale gibt, sind bei den vorherigen sechs Spielen keine TV-Einnahmen garantiert.
Änderung tut dringend not – und ist in Sicht. Ab nächstem Jahr wird der Uefa-Pokal durch die „Uefa Europa League“ ersetzt, und die will alles besser machen als ihr muffiger Vorgänger. Ein neuer Name, eine klar strukturierte Gruppenphase mit vier Mannschaften sowie Hin- und Rückspielen sowie eine Zentralvermarktung in allen Bereichen soll die Attraktivität des Wettbewerbs erhöhen.
Ein löbliches Unterfangen des Verbands. Allerdings muss dieser Schuss nun auch sitzen. Sonst wird man sich bei der Uefa mit der traurigen Wahrheit auseinandersetzen müssen, dass im Schatten der Champions League nichts anderes gedeihen kann. Immerhin: Schlimmer als jetzt kann es kaum werden.





