Bundesliga

Bei Hertha wächst langsam zusammen, was zusammengehört

Die Berliner zeigen beim 3:0 gegen den Hamburger SV erstmals in dieser Saison über 90 Minuten eine starke Leistung. Änis Ben-Hatira und Nico Schulz fallen für die beiden nächsten Begegnungen aus.

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Die SMS war kurz gehalten. „Ich bin sehr zufrieden damit, dass wir die Punkte in Berlin behalten haben. Gruß John“. Die Antwort aus Hamburg ließ nicht lange auf sich warten. Er wäre sehr erstaunt gewesen, schrieb Rafael van der Vaart zurück, „dass Du dein Knie überhaupt so hoch bekommen kannst“. Freundschaftlicher Spott zweier ehemaliger Nationalmannschaftskollegen, John Heitinga von Hertha BSC, sagte: „Es ist doch normal, dass ehemalige Teammates in Kontakt sind. Und Rafael antwortet immer.“

Van der Vaart nahm Sorgen mit zurück nach Hamburg. Während Hertha BSC nach dem unerwartet deutlichen 3:0 gegen den HSV frohen Mutes nach vorne schaut. Heitinga konnte mit dem Flachs leben zu seinem Erfolgserlebnis, als er den Ball aus 30 Zentimetern Entfernung über die Linie ins Hamburger Netz drückte (2:0/65. Minute).

Absprache mit Lustenberger

„War eine schwere Übung, oder?“, fragte er rhetorisch in die Medienrunde. In der Mannschaft verständigt sich der 89-malige niederländische Nationalspieler zumeist auf Englisch. Stolz war Heitinga, dass eine Absprache gehalten wurde, die er am Vorabend des Spiels mit Fabian Lustenberger getroffen hatte. Ein „clean sheet“ hatte er mit Lustenberger verabredet, eine weiße Weste. Gemeint war, zu Null zu spielen. Heitinga ging es weniger um sein Tor. „Wenn wir hinten nichts kassieren, dann haben wir Verteidiger einen guten Job gemacht.“

Hertha hat einige Zeit benötigt, um Tritt zu fassen in der Saison. Aber die 58.768 Zuschauer im Olympiastadion gegen Hamburg konnten klar erkennen, wie die einzelnen Puzzleteile zusammenpassen sollen. Zum dritten Mal in Folge bot Trainer Jos Luhukay die gleiche Startelf auf. Kapitän Fabian Lustenberger sagt: „Es ist nicht von Nachteil, wenn man ein paar Spiele zusammen macht. Es ist ein wichtige Faktor, dass man eingespielt ist. Und ich denke, das haben wir in den letzten Wochen auch bewiesen, dass mehr Stabilität bei uns eingekehrt ist.“

Dritter Heimsieg in Folge

Mit dem dritten Heimsieg in Folge und insgesamt elf Zählern hat Hertha Anschluss ans Mittelfeld gefunden. „Wir wollten von Anfang an eine Stammformation, aber es gab immer wieder Rückschläge“, sagte Trainer Jos Luhukay. „Jetzt wird es Stück für Stück besser.“

Im Abwehrzentrum hat Hertha mit Lustenberger, Heitinga und John Brooks drei gleichwertige Alternativen. Derzeit sind der Schweizer und der Holländer im Einsatz, aber Brooks ist nah dran. Seit der Rückkehr von Per Skjelbred funktioniert auch die sogenannte Doppel-Sechs im defensiven Mittelfeld mit Hajime Hosogai besser. Die derzeit größte Stärke dieser Mannschaft ist das Umschaltspiel. Aus diesen ersten Sekunden unmittelbar nach einer Balleroberung entstanden schon in der ersten Hälfte drei gute Möglichkeiten. Ein Angriff fürs Lehrbuch war der Führungstreffer über Balleroberer Hajime Hosogai, zweimal Direktpass-Spiel von Salomon Kalou auf Valentin Stocker auf Änis Ben-Hatira, der zum 1:0 einschoss (59.). Kapitän Lustenberger sagt: „Über 90 Minuten gesehen, war das unser bestes Saisonspiel.“

Schwung bis Weihnachten

Hertha kann diese Woche für sich vergolden. Am Dienstag können die Berliner mit einem Sieg bei Drittligist Arminia Bielefeld den Traum von einer starken Pokal-Saison am Leben erhalten (19 Uhr, Sky). Am kommenden Sonntag soll der erste Auswärtssieg in der Liga her, es geht zu Aufsteiger SC Paderborn. Im Erfolgsfall kann Hertha in dieser Woche Siege einfahren und Selbstbewusstsein tanken, die Schwung bis Weihnachten geben können.

Doch Fußball ist kein Wunschkonzert. Ben-Hatira, der seine beste Leistung in diesem Jahr mit dem 3:0 gekrönt hatte (85.), fällt bis auf weiteres aus. Bei dem Deutsch-Tunesier wurde ebenso eine Muskelverletzung im Oberschenkel diagnostiziert wie bei U21-Nationalspieler Nico Schulz. Das Duo muss mindestens in den nächsten beiden Partien pausieren.

Luhukay und die Pokal-Herausforderung Bielefeld

Es gilt also umzubauen. Trainer Luhukay signalisiert jedoch schon jetzt, dass er anders als im Vorjahr diesmal im DFB-Pokal keine Totalrotation betreiben wird. Im September 2013 war eine komplett neu bestückte Hertha in der zweiten Pokalrunde beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern mit 1:3 aus dem Wettbewerb geflogen. „Jede Situation ist anders“, sagt Luhukay. Die Mannschaft sei in den vergangenen Begegnungen stabiler und selbstbewusster geworden. „Diese Leistungssteigerung will ich auch im Pokal fortsetzen. Ich werde nicht viele Veränderungen vornehmen.“