Hertha BSC

Manager Preetz - „Trainer und Team sind eng beisammen“

Nach vier Niederlagen in Folge gibt es erstmals Kritik an Trainer Luhukay. Preetz sagt, dass man sich in Berlin „auf Jahre hinaus“ daran gewöhnen müsse, dass Hertha schwierige Phasen zu durchleben hat.

Foto: Alex Grimm / Bongarts/Getty Images

Sechs Runden stehen bis Saisonende aus, 18 Punkte sind zu vergeben. Bei Hertha BSC wird man sich zurücklehnen. Zwölf Punkte beträgt der Vorsprung des Aufsteigers auf Relegationsplatz 16 – das Polster sollte reichen für ein weiteres Jahr in der Bundesliga.

Doch während etwa in Hoffenheim die Spieler mit ihren Fans ausgelassen den Klassenerhalt feiern, so geschehen unter der Woche, als die TSG 35 Punkte erreicht hatte, herrscht im Umfeld bei Hertha BSC Frust. Beim Blick in Fan-Diskussionen im Internet oder in Teilen der Medien kann man den Eindruck gewinnen, der nächste Abstieg der Blau-Weißen stehe unmittelbar bevor.

Nur acht Punkte in der Rückrunde

Hertha wird nicht absteigen. Aber natürlich weckten die vergangenen Wochen ungute Erinnerung. Hertha, Überraschungsteam der Hinrunde, ist mit acht Punkten die zweitschlechteste Rückrunden-Mannschaft (mit dem HSV und vor Stuttgart/sieben Punkte). Erstmals seit seinem Amtsantritt im Sommer 2012 zielt die Kritik auch auf Jos Luhukay.

Die Vorwürfe lauten: Der Trainer würde zu viel rotieren. Der Trainer rede die Mannschaft schlecht. In dieser Verfassung werde Hertha, wenn nicht in dieser, dann in der nächsten Saison absteigen.

Preetz: Luhukay ist gerade und ehrlich

„Wir können es nicht ändern, wenn Unruhe im Umfeld ist“, sagt Hertha-Manager Michael Preetz. „Wichtig ist, dass im Verein Ruhe herrscht.“ Keine Frage, Hertha geht durch eine schwierige Phase. So wie das in dieser Saison jedem anderem Konkurrenten ergangen ist, mit Ausnahme des FC Bayern. Selbst Klubs, die ins internationale Geschäft wollen, kennen das Problem: Gladbach war zu Beginn des Jahres neun Spiele ohne Sieg. Leverkusen haderte mit einem Negativlauf von einem Remis und sechs Niederlagen.

Preetz wehrt sich gegen den Vorwurf, dass Luhukay der Mannschaft öffentlich die Qualität abspreche. Luhukay hatte nach dem Bayern-Spiel gesagt, dass alle Spieler (bis auf Adrian Ramos) froh sein müssten, überhaupt im Kader zu stehen. Preetz sagt: „Luhukay ist gerade und ehrlich. Er fordert von seinen Spielern, dass sie die Qualitäten auf den Platz bringen sollen, die sie schon mehrfach bewiesen haben.“ Der Manager, der Luhukay täglich erlebt, sagt: „Trainer und Mannschaft sind eng beieinander.“

Luhukay rotiert: 21 Spieler für drei Spiele

Nicht zu übersehen ist: Hertha fehlt es an Leichtigkeit, Tempo und Torgefahr. Nur neun Rückrunden-Treffer wurden erzielt. Davon sechs nach Standards, lediglich drei fielen aus dem Spiel heraus. Ein Manko, auf das der Trainer seit Wochen hinweist. Hertha trifft noch auf Hoffenheim, Leverkusen (auswärts), Augsburg (auswärts), Braunschweig, Bremen (auswärts) und Dortmund. Luhukay und das Team müssen rasch Antworten finden, um Siege einzufahren.

Stichwort Rotation: Verteidiger Nico Schulz berichtete, der Trainer habe vor der englischen Woche gesagt, dass er häufiger tauschen werde. Luhukay nutzte die volle Breite des Kaders. Gegen Gladbach (0:3), Bayern (1:3) und Schalke (0:2) waren 21 Spieler im Einsatz. Abgesehen von Ramos stand kein Profi mehr als zwei Mal in der Startelf. Hätte der Trainer wenig gewechselt, wäre der Vorwurf gewesen: Er stelle nur seine Lieblinge auf. Hier greift die alte Fußball-Regel: Wer verliert, hat keine Argumente.

Hertha hofft auf Lustenberger, Cigerci und Baumjohann

Zum Personal sagt Preetz: „Die Mannschaft hat es erstaunlich lange hinbekommen, Ausfälle von Schlüsselspielern zu kompensieren. Allerdings nicht mehr zuletzt.“ Hier hofft Hertha auf die Rückkehr von Leistungsträgern. So stehen demnächst wieder Fabian Lustenberger, Tolga Cigerci und Alexander Baumjohann zur Verfügung.

Interessant wird zu beobachten, wie Luhukay mit dem Gegenwind in der Hauptstadt umgeht. Grundsätzlich, da sind sich Präsident Werner Gegenbauer, Manager und Trainer einig, werden sich Situationen wie die aktuelle wiederholen. Natürlich habe die starke Hinrunde Erwartungen geweckt. „Aber das Umfeld in Berlin wird sich auf Jahre hinaus darauf einrichten müssen, dass die Konkurrenz in der Liga extrem hart ist“, sagt Preetz. „Es bedarf aller Anstrengungen, um dauerhaft erstklassig zu bleiben.“ Den Abstand zu den Europacup-Plätzen zu verkürzen, werde „verdammt schwer“.

Luhukay nimmt die aktuelle Debatte zur Kenntnis. Bleibt aber bei seinen Forderungen an seine Mannen: „Ich möchte, dass die Mannschaft fokussiert und konzentriert auftritt – so, wie es in der Hinrunde regelmäßig der Fall war.“