Nach Muskelverhärtung

WM-Start von Noch-Herthaner Lasogga rückt in weite Ferne

Lasogga hätte der 59. Spieler werden sollen, dem Löw zum Länderspiel-Debüt verholfen hat. Nach dem Ausfall gegen Chile kann er sich nur weiter mit starken Leistungen in der Bundesliga empfehlen.

Foto: Andreas Gebert / dpa

Pierre-Michel Lasogga zog seinen Koffer hinter sich her, als er aus dem Teamhotel der deutschen Nationalmannschaft „Le Méridien“ am Schlossgarten trat. Am Abend zuvor, am Dienstag, bei der letzten Trainingseinheit der DFB-Auswahl vor dem Test gegen Chile, hatte der Stürmer zunächst vergnügt gewirkt. Ein paar Späße mit seinem HSV-Kollegen Marcell Jansen. Die Nervosität vertreiben. Alles war angerichtet für Lasoggas Länderspiel-Debüt.

Doch irgendwann, als die versammelte Presse nach 15 Minuten aus der Arena komplimentiert worden war, muss es passiert sein. Lasogga, 22, zog sich im Abschlusstraining eine Muskelverhärtung im linken Oberschenkel zu. Ein Einsatz gegen Chile war damit ausgeschlossen. Ebenso fraglich ist seine Teilnahme am Sonnabend gegen Eintracht Frankfurt. Am Mittwoch reiste Lasogga mit hängendem Kopf ab. Bevor sein Traum so richtig begonnen hatte, war er erst mal beendet.

Das Timing hätte nicht schlechter sein können. Nie zuvor war die Chance für den Noch-Herthaner, der bis Saisonende an den HSV ausgeliehen ist, größer, unverhofft einen Platz im Kader für die WM in Brasilien zu ergattern. Überraschend hatte ihn Bundestrainer Joachim Löw für den letzten Test vor der Bekanntgabe des vorläufigen WM-Aufgebots erstmals nominiert. Und Löw hätte Lasogga eingesetzt. Er schätze am derzeit erfolgreichsten deutschen Bundesliga-Stürmer (elf Treffer) „seine Durchschlagskraft und seine Dynamik“, sagte der Bundestrainer. Er hatte ihn eingeladen, um zu schauen, ob Lasogga eine Alternative ist zum bald 36 Jahre alten Miroslav Klose oder dem gerade erst wiedergenesen Mario Gomez. Weil derzeit auch der Gladbacher Max Kruse kaum Werbung in eigener Sache betreibt, sollte Lasogga seine Bewährungschance bekommen.

Beim HSV weiterentwicklt

Auf den ersten Blick scheint dieser alles andere als in Löws Konzept der Ballzirkulation zu passen. Weil Lasogga zwar abschlussstark, aber technisch limitiert ist, hatte er in Berlin den Kampf um den einzigen Platz in der Sturmspitze gegen Adrian Ramos verloren. Doch beim HSV hat er sich weiterentwickelt. Er ist noch treffsicherer geworden und zum Antreiber gereift. „Er hat eine Chance, auf den WM-Zug aufzuspringen“, sagte Löw noch am Montag. „Die Tür steht offen.“

Nun hat sie sich erst einmal wieder geschlossen. Lasogga hätte der 59. Spieler werden sollen, dem Löw seit Beginn seiner Amtszeit zum Länderspiel-Debüt verholfen hat. Nach dem Ausfall gegen Chile kann sich Lasogga nur weiter mit starken Leistungen in der Bundesliga empfehlen – seinen vorläufigen knapp 30-köpfigen Kader wird Bundestrainer Löw am 8. Mai öffentlich bekanntgeben.