Hertha BSC

Wie Hertha im Trainingslager seine gute Form halten will

Auf Trainer Luhukay und sein Team warten im Trainingslager in Belek drei Testspiele. Nach dem Motto „Alles bleibe, wie es ist“ wird an einen Sprung in den Europapokal derzeit nicht gedacht.

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So ein Wintertrainingslager ist eigentlich gar nicht nach dem Geschmack von Jos Luhukay. Der Cheftrainer hat bis zu seinem Amtsantritt bei Hertha BSC meist mit seinen Klubs darauf verzichtet, die heimischen Gefilde während der Spielpause in der kalten Jahreszeit zu verlassen, um sich auf die Rückrunde vorzubereiten. Der Aufwand sei zu hoch, fand der 50-Jährige. Alles, was man brauche, habe man auch zu Hause.

Luhukay hat sich im vergangenen Zweitligajahr dann doch überreden lassen und flog mit seinem Team an die türkische Mittelmeerküste nach Belek. Und weil das so vorzüglich funktionierte – Hertha stieg schließlich mit einem Punkterekord in die Bundesliga auf –, gab es in diesem Jahr keinen Grund, daran etwas zu ändern.

Als der Niederländer am Donnerstag um 17.05 Ortszeit mit der Air-Berlin-Maschine AB2542 auf dem Flughafen von Antalya landete, kannte er die Wege schon. Mit ihm und seinem Trainerteam stiegen insgesamt 28 Spieler in den Mannschaftsbus, der die Delegation ins knapp 50 Auto-Minuten entfernte Belek an die türkische Riviera kutschierte. Abwehrspieler John Brooks saß nicht drin. Er blieb verletzt zu Hause.

Spezialprogramm für Baumjohann nach Kreuzbandriss

Seinen Platz hat Nachwuchsspieler Anthony Syhre, 18, bekommen. Mit dem 17 Jahre alten Offensivspieler Farid Abderrahmane hat Luhukay zudem einen weiteren, neuen Spieler aus dem Nachwuchs im Aufgebot. Ebenso dabei sind Änis Ben-Hatira, dessen Teilnahme wegen eines Risses im Syndesmoseband fraglich war, und Alexander Baumjohann. Der Spielgestalter hatte sich Ende August das Kreuzband gerissen und wird in Belek ein individuelles Programm absolvieren.

Am Morgen noch hatten die Blau-Weißen auf dem heimischen Schenckendorffplatz in Berlin bei kalten neun Grad und leichtem Nieselregen trainiert, bevor sie nach einem gemeinsamen Frühstück in Tegel in den Flieger stiegen. Die Türkei begrüßte Hertha am späten Nachmittag mit warmen, sonnigen 16 Grad und einer anheimelnden Abenddämmerung.

Der insgesamt 44-köpfige Tross, darunter auch Herthas Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz, zogen für eine Woche ins Fünfsterne-Hotel „Cornelia Diamond“, das über zwei gepflegte Fußballplätze sowie eine Golfanlage und zahlreiche Pools verfügt. Derselbe Ort, dasselbe Hotel wie im Vorjahr – der Slogan, der über Herthas Wintertrainingslager schwebt, heißt: „Alles bleibe, wie es ist!“

Täglich zwei Trainingseinheiten und drei Testspiele

Mit 28 Punkten steht der Aufsteiger sensationell auf Tabellenplatz sechs in der Bundesliga. In Belek geht es für Luhukay und sein Team darum, die Form der überraschend erfolgreichen Hinrunde zu konservieren. Um dies zu erreichen und ebenso erfolgreich in die in 16 Tagen bei Eintracht Frankfurt beginnende Rückrunde zu starten, sind täglich zwei Trainingseinheiten angesetzt.

Zudem werden die Berliner drei Testspiele bestreiten – gegen den Schweizer Erstligaaufsteiger FC Aarau (11. Januar/17 Uhr Ortszeit) sowie die Bundesligakontrahenten Hannover 96 (12. Januar/16 Uhr) und Borussia Mönchengladbach (15. Januar/15 Uhr), die alle drei in der Nähe gastieren. „Wir wollten qualitativ hochwertige Gegner, die uns auf ein hohes Niveau bringen“, sagte Luhukay.

Die Gefahr, dass auf dem Weg bis zur Rückrunde aufgrund der komfortablen Ausgangslage irgendwie die Konzentration verloren gehen könnte, sieht Mannschaftskapitän Fabian Lustenberger nicht: „Wir können uns einen Spannungsabfall nicht leisten“, sagte der Schweizer. „Wir gehen voll konzentriert in diese Woche.“ Der erfahrenste Spieler im Hertha-Kader warnte dennoch: „Wenn bei uns nur ein, zwei Spieler nachlassen, dann wird das in der Bundesliga sofort bestraft. Dann verlieren wir auch gegen den Tabellenletzten“, sagte der 36 Jahre alte Routinier Levan Kobiashvili.

Gespräche mit Herthas Stürmer Ramos gehen weiter

Für Hertha wird es im Trainingslager darüber hinaus auch ein paar Baustellen zu bearbeiten geben. Denn der Erfolg der Hinrunde – so kurios es sich anhören mag – ist auch eine Hypothek: Mit Adrian Ramos hat Hertha einen der zwei derzeit erfolgreichsten Stürmer der Spielklasse in den eigenen Reihen (11 Tore, Platz eins der Torjägerliste mit Dortmunds Robert Lewandowski). Der Vertrag des Kolumbianers aber läuft nur noch bis 2015.

Erste Gespräche über eine Verlängerung des Kontrakts sind geführt. Doch Ramos hat sich mit seinen starken Leistungen in den vergangenen Monaten auch in das Blickfeld anderer Klubs gespielt. So wird er bereits als möglicher Nachfolger für den scheidenden Lewandowski bei Borussia Dortmund gehandelt. Auch Interesse ausländischer Klubs ist denkbar. Der kolumbianischen Zeitung „El Tiempo“ sagte Ramos kürzlich: „Alle wissen, dass die englische Liga die beste ist. Welcher Spieler möchte nicht dort spielen, wenn er ein Angebot bekommt.“ Um den 27-Jährigen zum Bleiben zu bewegen, wird Herthas Manager Preetz im Trainingslager weitere Gespräche führen.

Norweger Jarstein sagt Kraft den Kampf an

Gleiches gilt für Stammtorwart Thomas Kraft: Auch sein Kontrakt läuft 2015 aus. Auch über seine Zukunft soll in Belek gesprochen werden. Kraft hat mit dem norwegischen Nationalkeeper Rune Jarstein pünktlich zum Trainingsauftakt neue Konkurrenz bekommen. Offiziell als Nummer zwei hinter Kraft geholt, hat der 29-Jährige allerdings schon verlauten lassen, nicht „für die Bank“ gekommen zu sein. Zu Luhukays vielschichtigen Aufgaben in Belek gesellt sich damit auch, den neuerlichen Konkurrenzkampf im Torwartteam zu moderieren.

Und dann bleibt da ja noch der Trainer selbst: Luhukay ist derzeit so erfolgreich wie nie zuvor in seiner Karriere und bewegt sich in für ihn unbekannten Sphären. Es ist zu erwarten, dass die Fliehkräfte des Erfolgs nun an ihm und der Mannschaft zu zerren beginnen werden. Das Gerede von einer Korrektur des Saisonziels nach oben in Richtung der Europapokalplätze, das schon zum Ende der Hinrunde von außen an den Coach herangetragen wurde, ist ein erster Vorbote. Luhukay wird versuchen, dies auszubalancieren und sich nicht vom eingeschlagenen Weg abbringen zu lassen. Sein Motto dürfte auch hier lauten: Alles bleibe, wie es ist!