Das Spiel bei Borussia Dortmund sollte für Hertha der krönende Abschluss einer guten Hinrunde in der Bundesliga werden. Durch mehrere Ausfälle in der Verteidigung wird die Reise zu den Offensivkünstlern nach Dortmund jedoch zu einer wahren Belastung für den Aufsteiger.
Nun fällt auch Stammtorhüter Thomas Kraft aus. Dem erst 18-jährigen Marius Gersbeck winkt dadurch kurz vor Weihnachten der erste Einsatz in der Bundesliga als Bescherung – vor mehr als 80.000 Zuschauern.
Bereits am Donnerstag musste Thomas Kraft das Training wegen Knieproblemen abbrechen. Am Freitag kam dann die endgültige Klarheit. „Er hat eine Innenbanddehnung im linken Knie erlitten“, sagte Teamarzt Ulrich Schleicher. Der Klub hofft, dass der Keeper zum Trainingsauftakt im neuen Jahr wieder fit wird.
Im Kader für einen der Höhepunkte der Saison stehen an diesem Sonnabend (15.30 Uhr, HIER im Live-Ticker der Berliner Morgenpost) die Torhüter Philip Sprint, 20, und eben Marius Gersbeck. Beide waren zu Beginn der Spielzeit vor allem für Einsätze in der viertklassigen Regionalliga bei der U23 vorgesehen. Der eigentlich zweite Torhüter Sascha Burchert laboriert schon seit Wochen an einer Sprunggelenksverletzung.
Für Trainer Jos Luhukay ist die Verletzung von Kraft eine Bestätigung seines unguten Gefühls auf der Torwartposition. Eine richtige Nummer zwei, der vollständig vertraut wird, hat Hertha nicht. Deshalb verpflichtete der Klub gerade erst den erfahrenen norwegischen Keeper Rune Jarstein, 29. Doch der Vertrag der Nummer eins der Nationalmannschaft tritt erst am 1. Januar 2014 in Kraft.
Talente vor Bundesliga-Debüt
Diese Konstellation bedeutet, dass einer der beiden Nachwuchstorhüter die ersten Bundesligaminuten im mit 80.645 Zuschauern ausverkauften Westfalenstadion erleben wird. Philip Sprint, zu Saisonbeginn als dritter Torwart vorgestellt, hat immerhin im vergangenen Jahr in der Zweiten Liga zwei Mal Profiluft schnuppern dürfen. Doch die Zeichen stehen auf Veränderung. Statt Sprint durfte in den letzten vier Bundesligaspielen Marius Gersbeck als Vertretung für den verletzten zweiten Torhüter Burchert Platz nehmen.
Gersbeck gilt als große Nachwuchshoffnung bei Hertha. Vom Potenzial wird ihm eine Profikarriere zugetraut. Der letzte Keeper, dem der dauerhafte Sprung aus den Jugendteams zu den Profis gelang, war der im Sommer geschasste Torwarttrainer Christian Fiedler (234 Spiele). Als Erfolg steht für Gersbeck, der auch U19-Torhüter des DFB ist, die Deutsche Meisterschaft mit Herthas U17 im vergangenen Jahr.
Nichts verdeutlicht den möglichen Sprung ins kalte Wasser für Gersbeck in Dortmund so sehr wie der Fakt, dass er sogar noch für die A-Jugend spielberechtigt ist. Es ist Herthas Jugendphilosophie, die Nachwuchsspieler in höheren Altersklassen einzusetzen, weshalb er in dieser Saison schon acht Mal in der Regionalliga für die U23 zum Einsatz kam. An einen Profi-Einsatz dachte aber so schnell keiner.
Zumal Trainer Luhukay darauf achtet, sehr junge Spieler behutsam einzubauen und die Anforderungen an sie Schritt für Schritt zu erhöhen. So setzte er in der Zweiten Liga den damals erst 17-jährigen Hany Mukhtar zunächst fast ausschließlich in Heimpartien ein. Der junge Mittelfeldspieler sollte die Atmosphäre erst langsam kennenlernen und nicht gleich dem Druck durch die gegnerischen Anhänger bei Auswärtsspielen ausgesetzt sein.
Dieser Welpenschutz fällt für Gersbeck weg. Stattdessen kann er es gleich mit der mit 37 Treffern zweitbesten Offensive der Liga zu tun bekommen. Statt Meuselwitz oder Auerbach in der Regionalliga, lautet der Name des Gegners nun Borussia Dortmund, und er stand im Finale der Champions League. Die Angreifer, die ihn bezwingen wollen, heißen Robert Lewandowski, Marco Reus oder Pierre-Emerick Aubameyang. Stars, die anderen Jungs in Gersbecks Alter nur auf der Spielekonsole begegnen.
Luhukay will nicht jammern
Jos Luhukay selbst widmet Verletzungssorgen generell keine große öffentliche Aufmerksamkeit. Ganz im Gegenteil: „Wenn wir Verletzte haben, wird niemand von mir gehört haben, dass ich gejammert habe. Und das werde ich auch weiterhin so halten. Ich mache das aus der Überzeugung, dass ich jedem Spieler in meinem Kader vertraue. Wir haben die Mannschaft im Sommer so zusammengestellt, dass auch mal ein Profi ausfallen kann.“
Nun fällt aber nicht nur Torhüter Kraft aus, sondern mit Sebastian Langkamp (Muskelfaserriss) und John Brooks (Grippe) auch die geplante Stamm-Innenverteidigung. Dazu noch Linksverteidiger Johannes van den Bergh (Oberschenkelverhärtung) und dessen möglicher Ersatz Fabian Holland (Grippe).
Hertha ist damit beim BVB trotz Platz sieben mit 25 Punkten krasser Außenseiter. Eine Situation, die zumindest Marius Gersbeck den Druck nehmen könnte.





