Regionalliga

Tabellenletzter - Hertha-Manager Preetz sorgt sich um U23

Trotz des Einsatzes von sieben Profis unterlag die U23 in Magdeburg 1:4. Trainer Schwanke muss Talente entwickeln, gestandenen Bundesliga-Spielern Praxis verschaffen und soll dabei den Klassenerhalt sichern.

Foto: Oliver Mehlis / pa/dpa

Der einfache Weg heißt: Schiedsrichter-Kritik. Beim 1:4 von Herthas U23 beim 1. FC Magdeburg wurde Sandro Wagner zu Unrecht vom Platz gestellt. Der Grund für den Elfmeter zum vorentscheidenden 1:2 war auch in der TV-Zeitlupe nicht zu klären.

Die umstrittenen Entscheidungen in der hitzigen Atmosphäre vor 4500 Fans fällte Christopher Gaunitz, ein 26 Jahre alte Referee aus Leipzig. „Der DFB setzt in der Regionalliga junge Schiedsrichter ein, die sich dort bewähren müssen“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. „Das ist manchmal schwierig, aber damit müssen wir umgehen.“ Wagner sagte am Tag danach: „Ich staune immer noch.“

Rote Karte für Sandro Wagner

In jener Szene war der Herthaner gefoult worden und saß auf dem Boden, als ihn sein Gegenspieler an den Hals fasste. Wagner, immer noch im Sitzen, versuchte mit der linken den Hand den Magdeburger wegzuschieben. „Dann zieht der Schiedsrichter Gelb und ich sage, um dem Kollegen zu helfen: Schiri, das war kein Karte. Daraufhin zückt er Rot und ich denke: Da hatte der arme Kerl wohl vorher Gelb gesehen und muss nun mit einer Ampelkarte vom Platz.“ Irrtum. Wagner war gemeint wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit. Ärgerlich: Die Sperre, die der Stürmer bekommt, wird auch für die Bundesliga gelten.

Manager Preetz: Die Lage ist ernst

Doch die Verantwortlichen wissen, dass die Probleme bei der Ausbildungsmannschaft des Fußball-Bundesligisten tiefer liegen. Nach zwölf (von 30 Runden) ist Herthas U23 auf den letzten Platz abgerutscht. „Die Lage ist ernst“, sagte Manager Michael Preetz. Hertha betreibt eine Millionen teure Ausbildung. Die U23 soll (zumindest) Regionalliga spielen. Ein Abstieg in die fünfte Liga wäre eine Katastrophe. „Es ist ärgerlich, dass wir für den Aufwand, den wir betreiben, so schlecht da stehen“, sagte Trainer Jörg Schwanke.

Zudem verwundert die klare Niederlage, weil in Magdeburg zahlreiche Profis im Einsatz waren: John Brooks, Christoph Janker, Fabian Holland, Hany Mukhtar, Ben Sahar, Wagner. Wer genauer hinschaut, versteht indessen die Herausforderung:. Die Profis, die bei Schwanke spielen, kommen aus einer persönlichen Problemsituation: Weil sie nach einer Verletzung die nötige Fitness bekommen sollen (wie Wagner, Brooks, Mukhtar). Oder sie haben lange nicht gespielt und sollen in den Rhymthmus kommen, wie Janker, Holland oder Sahar.

Herthas Seriensieger aus der Jugend in der Negativspirale

Die Profis treffen meist ohne gemeinsames Training auf die „jüngste U23, die wir je hatten“, so Preetz. Die meisten Talente sind noch für die A-Jugend spielberechtigt. Das ist gewollt. Hertha bietet den Spielern früh die Chance zum Sprung in den Männer-Fußball. „Dass sie drei, vier Monate brauchen, um dort anzukommen, ist normal“, sagt Schwanke. Zudem haben Youngster wie Shawn Kauter oder Yanni Regäsel (beide 17) die Hertha-Jugend jahrelang als Seriensieger durchschritten. Nun erleben sie erstmals einen seit Monaten anhaltenden Negativlauf. Dazu addiert sich Problem zu Problem. So war Fanol Perdedaj als Führungsspieler der jungen Truppe vorgesehen, fiel aber länger aus: vier Spiele Sperre wegen Schiedsrichterbeleidigung.

Nur noch vier Spiele bis zur Winterpause

Trainer Schwanke, der die Mannschaft im Sommer übernommen hat, genießt die Unterstützung seiner Vorgesetzten. „Wir setzen uns regelmäßig zusammen und versuchen, die U23 zu unterstützen“, sagt Preetz. Gleichwohl weiß Schwanke, so sehr er für die individuelle Entwicklung der Spieler verantwortlich ist: „Wir wollen und werden die Klasse halten.“ Vier Spiele bleiben bis zur Winterpause. „Da müssen wir die Basis legen, um im kommenden Frühjahr den Klassenerhalt sicherzustellen“, sagt Preetz. Der derzeitige Schnitt wird nicht reichen. In zwölf Partien hat Herthas U23 gerade sechs Punkte geholt.