Bundesliga

Ramos lässt Hertha gegen den Hamburger SV jubeln

Das Tor des Kolumbianers sicherte den Berlinern den 1:0-Sieg gegen den HSV. Der Bundesliga-Aufsteiger hat nun aus drei Spielen bereits sieben Punkte geholt.

Wie sehr die eigene Mannschaft unter Druck steht, lässt sich oft ja am Laufweg des Trainers an der Seitenlinie ablesen. Jos Luhukay, der Chefcoach von Hertha BSC, blieb am Sonnabend während des gesamten Spiels gegen den Hamburger SV ruhig auf der Bank sitzen. Sein Kollege auf Seiten der Hanseaten, Thorsten Fink, dagegen tigerte nervös durch die Coaching-Zone.

Als der Schlusspfiff ertönte, sank Fink auf der Bank aber zusammen, während Luhukay aufsprang und die Faust zum Himmel reckte. Es war das Bild eines Spiels, das Hertha am Ende durch das dritte Saisontor von Adrian Ramos verdient mit 1:0 (0:0) gewann. Und es war der Abschluss einer turbulenten Woche für die Berliner.

Damit erhöht der Aufsteiger seine Punkteausbeute auf sieben Zähler aus drei Saisonspielen. Er bleibt auch seit 490 Tagen ungeschlagen im Olympiastadion und rückt vor auf Tabellenplatz fünf. Wichtiger aber dürfte die Erkenntnis sein, dass die Blau-Weißen trotz aller Turbulenzen unter der Woche in der Erfolgsspur bleiben. Finks HSV dagegen rutscht tiefer in die Krise.

Schreckmoment auf Seiten der Herthaner

Luhukay stellte sein Team im Vergleich zum Remis in Nürnberg auf zwei Positionen um: John Anthony Brooks kehrte zurück in die Innenverteidigung. Zudem erhielt links in der Viererkette Nico Schulz den Vorzug vor dem defensiveren Fabian Holland, der in Nürnberg noch den verletzten Stammverteidiger Johannes van den Bergh ersetzt hatte.

Schulz war es dann auch, der für den ersten Schreckmoment auf Seiten der Herthaner sorgte. Einen ungenauen Pass auf Brooks fing der flinke Hamburger Angreifer Artjoms Rudnevs ab und tauchte plötzlich frei vor Herthas Schlussmann Thomas Kraft auf, der gegen den Letten aber prächtig parierte (9.). Eine Aktion, die symbolisch für die zittrige Anfangsphase beider Teams stand.

<<<So wurde das Spiel in unserem Blog Immerhertha live getickert.>>>

Luhukays Team brauchte 15 Minuten, bis es zum ersten Mal auf das Erfolgsrezept des letzten Auftritts vor heimischer Kulisse zurückgriff: über schnelles Umschaltspiel für Gefahr vor des Gegners Tor sorgen. Rechtsverteidiger Peter Pekarik setzte Alexander Baumjohann auf dem rechten Flügel in Szene. Der Regisseur steckte den Ball durch auf Ramos, doch der Schuss des Kolumbianers wurde im Strafraum noch von Lasse Sobiech geblockt (16.). Nur zwei Minuten später war es wieder der sehr quirlige Baumjohann, dessen Flanke jedoch von Ramos knapp am Tor vorbeigeköpft wurde.

Erwähnenswertes auf dem Feld blieb Mangelware

Nach nur 23 Minuten musste Luhukay seine Abwehr verletzungsbedingt umstellen: Der 50-Jährige nahm Brooks mit muskulären Problemen vom Platz. Für ihn rückte Kapitän Fabian Lustenberger ins Abwehrzentrum. Peter Niemeyer übernahm dessen Position im defensiven Mittelfeld. Es war der erste Einsatz in dieser Spielzeit für den 29-Jährigen, der kurz vor der Saison nicht nur seinen Stammplatz, sondern auch sein Amt als Spielführer verloren hatte.

Erwähnenswertes auf dem Feld aber blieb weiterhin Mangelware, und die 63.574 Zuschauer im Olympiastadion wären womöglich eingenickt, hätte nicht der HSV in Person von Heiko Westermann und Jacque Zoua mit zwei heftigen Fouls für reichlich Unmut bei den Hertha-Anhängern gesorgt. Beide sahen die Gelbe Karte (23.).

So langweilig wie der erste Durchgang endete, so fulminant begann der zweite. Zunächst drosch Lustenberger den Ball noch nach einer Ecke über das Hamburger Gebälk (47.). Dann aber nahm sich der bis dahin schwache Schulz auf links ein Herz und legt im Strafraum ab auf Änis Ben-Hatira. Der 25-Jährige, der zwischen 2006 und 2011 fünfeinhalb Jahre für den HSV gespielte hatte, scheiterte jedoch an Nationaltorwart René Adler im Tor der Norddeutschen. Den Nachschuss von Ramos konnte Sobiech über das Tor klären (52.).

Die Aktion wirkte wie ein Weckruf für beide Teams: Plötzlich entwickelte sich ein echter Schlagabtausch. Erst konnte Kraft einen Kopfball von Rudnevs parieren (58.), dann strich ein Schuss von Ramos auf der Gegenseite nur knapp vorbei (64.). Nur 60 Sekunden später war es erneut Ramos, der gefährlich vor dem Tor der Hanseaten auftauchte. Doch der 27-Jährige wurde im letzten Moment noch vom guten Sobiech regelkonform gebremst.

Luhukay reagierte und brachte den Brasilianer Ronny für den diesmal schwachen Sami Allagui. Und wie schon zuletzt gegen Nürnberg wirkte die Hereinnahme des 27-Jährigen wie eine Aufforderung zur Attacke an sein Team. Zunächst tauchte zwar noch einmal Rudnevs vor dem Berliner Tor auf, schlug aber über den Ball. Dann aber ging Luhukays Plan auf: Ben-Hatira setzte den schnellen Schulz auf der linken Seite in Szene, der drang in den Hamburger Strafraum ein, behielt die Übersicht und legte klug zurück auf Ramos, der flach an Adler vorbei ins Tor schob (75.).

Weil Herthas Schlussmann Kraft fünf Minuten vor Abpfiff noch einmal glänzend gegen einen Kopfball von Westermann parierte (85.) und ein weiterer Kopfball von Rudnevs knapp über die Latte strich (88.), blieb es beim letztlich verdienten 1:0.