Die deutsche Hauptstadt ist am Sonnabend (20.45 Uhr, ZDF und Sky) Schauplatz des Finales der europäischen Königsklasse zwischen Juventus Turin und dem FC Barcelona. Grund genug, um die 25 schönsten, kuriosesten und traurigsten Momente aus 60 Jahren Europapokal der Landesmeister und Champions League in Erinnerung zu rufen.
2013: Das deutsche Finale
Es steht wohl außer Frage, dass das fußballerische Verhältnis zwischen England und Deutschland ein ganz besonderes ist. Die Briten jedenfalls haben sich kaum etwas Demütigenderes vorstellen können, als dass zwei deutsche Mannschaften in Wembley, in ihrem Heiligtum, um die europäische Krone spielen würden.
Der FC Bayern und Borussia Dortmund fanden 2013 jedoch Gefallen an dem Gedanken, sich im Mutterland des Fußballs um den Henkelpott zu duellieren. Heraus kam eines der besten Endspiele in der Geschichte des Wettbewerbs. Mit einer Dortmunder Mannschaft, die mit Lust und Leidenschaft stürmte. Und einem Münchner Team, das seine ganze Extra-Klasse in diesen 90 Minuten bewies.
Überragend an diesem Abend: Arjen Robben. Die Führung durch Mario Mandzukic bereitete der Niederländer mustergültig vor. Und beim Siegtreffer zum 2:1 – Ilkay Gündogan hatte per Elfmeter ausgeglichen – offenbarte Roben seine gesamte Genialität, als er BVB-Torwart Roman Weidenfeller verlud. Der fünfte Triumph war der verdiente Lohn für die Bayern, die eine Woche später erstmals auch das Triple gewinnen sollten. Und Wembley war um ein legendäres Fußballfest reicher.
1960: Das hessische Schützenfest
Real Madrid – ein Name wie Poesie im europäischen Fußball. Und genau so spielte dieses Real auch im Endspiel 1960. Mit Alfredo Di Stefano. Mit Ferenc Puskas. Mit den Triumphen der ersten vier Europacup-Jahre im Rücken. Dass es im Hampden-Park zu Glasgow vor 135.000 Zuschauern das torreichste Finale überhaupt gab, lag aber nicht nur am weißen Ballett – sondern an Eintracht Frankfurt.
Auch wenn die Hessen sich ein 3:7 gerne erspart hätten. Sogar Spalier mussten sie stehen und dem Sieger applaudieren, als die Spanier zur Pokalübergabe schritten. Verhindern konnten die Frankfurter eine Niederlage jedenfalls nicht, trotz der 1:0-Führung durch Richard Kress nach bereits neun Minuten.
Es war das ungleiche Duell von Amateuren gegen die damals besten Berufsfußballer der Welt. Noch heute spricht man von einem „Jahrhundertspiel“ und ist voll des Lobes für die Frankfurter. Allein die Tatsache, dass es die Hessen schafften, drei Tore gegen diesen Mythos zu schießen, war eine außergewöhnliche Leistung.
2005: Lex Liverpool
Wer nach einer Erklärung dafür sucht, was sich im Finale 2005 abgespielt hat, scheitert meistens schon nach wenigen Augenblicken und verfängt sich in Superlativen wie „Wahnsinn“ oder „unfassbar“. Tatsächlich zählt das, was der FC Liverpool und der AC Mailand vor zehn Jahren zeigten, mit zum dramatischsten, was die Champions-League-Endspiele zu bieten hatten.
Mit 3:0 führten die Italiener bereits zur Pause, alles schien entschieden. Doch Liverpool brauchte in der zweiten Halbzeit – nicht zuletzt dank des eingewechselten Dietmar Hamann – ganze sechs Minuten, um auszugleichen. Die Briten gewannen im Elfmeterschießen – in dem sie auch erst zurücklagen.
Bemerkenswert: Weil sich Liverpool in der Premier League nicht wieder für die Königklasse qualifizieren konnte, beschloss die Uefa, den Titelverteidiger ab sofort automatisch für die Gruppenphase zu setzen.
1986: Der Zauberer von Sevilla
Alles, was der Balljunge bekam, war ein freundliches Kopfschütteln. Der Bursche hatte es auf die Handschuhe abgesehen und nett gefragt. Doch die gab Helmuth Duckadam nicht her. Nein, nicht dieses Paar, schließlich waren es Zauberhandschuhe.
Es mussten welche sein. Egal welcher Schütze des FC Barcelona an jenem Abend des Jahres 1986 auch hinschoss, Duckadam, der Torwart von Steaua Bukarest, und seine Handschuhe waren schon dort, um den Ball abzuwehren. Viermal. Allein dass sich der rumänische Meister bis ins Finale gespielt hatte, war eine Sensation.
Und dann schaffte es der krasse Außenseiter auch noch bis in die Verlängerung, ja bis ins Elfmeterschießen. Ohne Gegentor, dank Duckadam und seiner Zauberhandschuhe. Nie wieder hielt ein Torwart seinen Kasten derart sauber.
2006: Das Rekord-Rot
Jens Lehmann war gerade erst von Teamchef Jürgen Klinsmann zur Nummer eins für die WM 2006 in eigenen Land bestimmt worden. Endlich konnte er aus dem Schatten von Oliver Kahn, dem Titan, treten und zeigen, warum er besser sei. Im Endspiel der Königsklasse sollte nun das erste Ausrufezeichen an die Konkurrenz gesetzt werden, gegen die Ausnahmemannschaft des FC Barcelona.
Lehmann, Schlussmann des FC Arsenal, setzte es. Und was für eins: 18. Minute, Notbremse gegen Samuel Eto’o, Rote Karte, Feierabend. Vergessen waren jene 852 Rekordminuten, in denen Lehmann in den Partien zuvor unter anderem gegen Real Madrid, Juventus Turin und dem FC Villarreal torlos geblieben ist.
Arsenal verlor das Finale trotz Führung noch 1:2. Und Lehmann war der Buhmann – bis zum Sommermärchen wenige Wochen später.
1997: „Lupfen, jetzt!“
Manchmal braucht es nur ein paar Worte, bis sich die wenigen Erinnerungsfetzen wieder zu jener präzisen Szene zusammensetzen, die einem einen Schauer über den Rücken oder Tränen in die Augen laufen lässt. Herbert Zimmermanns „Aus, aus, aus“ reicht schon, damit jeder Helmut Rahns Schuss aus dem Hintergrund zum 3:2 gegen Ungarn noch einmal miterlebt.
Bei Marcel Reifs „Lupfen, jetzt!“ hat der 20-jährige Lars Ricken im Jahre 1997 vor knapp 16 Sekunden gerade den Rasen des Münchner Olympiastadions für Stephane Chapuisat betreten. Da segelt auch schon die Bogenlampe aus gut 25 Metern über Angelo Peruzzi, den Torwart von Juventus Turin, hinweg ins Tor.
Borussia Dortmund gewinnt mit 3:1, dank Rickens Geniestreich mit der ersten Ballberührung.
1956: Der erste Schütze
Wird es der Brasilianer Neymar sein, der am Sonnabend im Olympiastadion des letzte Tor erzielt? Der Argentinier Lionel Messi vielleicht? Oder doch dessen Landsmann Carlos Tevez? Der erste Torschütze in einem Europacup-Finale war kein Südamerikaner, kein Spanier, Italiener oder gar Engländer – es war ein Franzose.
Michel Leblond erzielte es im ersten Endspiel des Landesmeister-Wettbewerbs im Jahre 1956 für Stade Reims, damals ein Aushängeschild im europäischen Fuflball. Doch gegen Real Madrid reichte nicht einmal eine 2:0-Führung. Die Königlichen gewannen mit 4:3.
Es war der erste von sage und schreibe fünf Europacup-Triumphen in Folge. Und die Geburtsstunde einer der besten Mannschaften, die dieser Kontinent je erleben durfte. Wenn nicht sogar die beste.
1998: Siegen und Fliegen
Zum Mythos Real Madrid gehört auch, dass sich der Klub zuweilen aufführt wie eine launische Diva. Jupp Heynckes kann davon ein Lied singen. In der Saison 1997/98 sprachen alle bei Real von „la septima“, dem siebten Landesmeister-Titel. Seit 32 Jahren dürstete man nach einem neuerlichen Triumph.
Und Heynckes, der bei seiner Vorstellung als Trainer knapp ein Jahr zuvor eben jenes große Ziel verkündet hatte, brach 1998 tatsächlich den Bann, mit einem 1:0 gegen Juventus Turin. Nur bleiben durfte er nicht. Durch den Machtkampf in der Klubspitze fehlte Heynckes jener Rückhalt, den ein Trainer unbedingt braucht.
Ihm fehle die Strahlkraft für einen Mythos wie Real Madrid, hieß es zudem. Deshalb musste Heynckes gehen. Den Entschluss, dass zum Saisonende gleich wieder Schluss ist, hatte Heynckes selbst bereits ein halbes Jahr zuvor getroffen.
1976: Hochprozentiges für den Titel
Sollte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern, tatsächlich noch Nervosität verspüren, wenn er die Spiele der Münchner auf der Tribüne verfolgt, dann hat er sich gut im Griff.
Doch auch Rummenigge war einmal 20 Jahre alt und stand am Anfang einer großen Karriere als Fußballprofi. In jenem Jahr 1976 war der Rotbäckchen genannte Vollblutstürmer jedenfalls derart durch den Wind, dass er das Endspiel um Europas Fußballkrone mit den Bayern kaum bestreiten konnte.
Es half nichts, ein Cognac musste her. Ach was, gleich zwei. Rummenigge konnte spielen, den Titel-Hattrick perfekt machte jedoch ein anderer: Franz „Bulle“ Roth mit seinem 1:0-Siegtreffer gegen AS St. Etienne. Ob Rummenigge auch heute noch einen Cognac vor dem Anpfiff genießt, ist nicht überliefert.
1985: Die schwärzeste Stunde
Wie viele Nachwuchskicker mögen wohl an jenem Mittwochabend von ihrem Fußballtraining nach Hause gekommen, ja geeilt sein, um bloß rechtzeitig zum Anpfiff des Endspiels zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool vor dem Fernseher sitzen zu können?
Die Bilder, die sie am 16. Mai 1986 sahen, werden nun für immer in ihrem Gedächtnis eingebrannt bleiben. Die Katastrophe im Brüsseler Heyselstadion beginnt mit Turiner Anhängern, die Steine in den benachbarten Block der Liverpool-Fans werfen. Diese wiederum versuchen nun, den Juve-Fanblock zu stürmen. Die panische Flucht der Juventus-Fans endet an einer Mauer, die unter der Last zusammenbricht und unter sich einen Teil der später 39 Todesopfer unter sich begräbt.
Das Spiel findet trotzdem statt, Turin gewinnt 1:0. Welch eine Niederlage für den Fußball.
2001: Die Geburtsstunde des Titans
Man hört ihn immer noch rufen. Tatsächlich ist Oliver Kahns „immer weitermachen“ längst mehr als nur eine bloße Floskel. Der Bayern-Keeper machte weiter in jenem Finale 2001, erst recht, als es gegen den FC Valencia zum Elfmeterschießen kam.
Drei Elfmeter hielt Kahn in absoluter Weltklassemanier, bei einer Parade bezog er sogar die Latte mit ein. Bayerns vierter Titel war perfekt, ein Happyend nach 120 Minuten, die durchaus dramatisch gewesen sind.
Zu den 14 Elfmetern beim Showdown gesellten sich auch noch drei Strafstöße in der regulären Spielzeit. Nie gab es mehr, auch wenn nur zwei verwandelt wurden, durch Gaizka Mendieta und Stefan Effenberg. Mehmet Scholl verschoss seinen.
2002: Die Nummer eins
Wie ein Stein fiel der Ball zu Boden, bis Zinedine Zidane diesen Stein dank seiner Brillanz wie einen Luftballon volley aus der Luft nahm und ihn krachend ins obere Toreck beförderte.
Es war der Höhepunkt im Finale 2002 und für den Superstar von Real Madrid die Krönung seiner Karriere, wie er später einmal sagte. Doch beim 2:1 gegen Bayer Leverkusen beeindruckte noch ein anderer. Torwart Iker Casillas hielt wie der Teufel, obwohl er erst in der 69. Minute für den verletzten Cesar Sanchez eingewechselt wurde.
Die Spieler des Bundesligisten verzweifelten reihenweise an dem 20-Jährigen. Es waren diese 21 Minuten, die der Startschuss einer Weltkarriere für Casillas gewesen sind, in der noch viele Titel folgen sollten.
1993: Der erkaufte Triumph
Kaum war die erste Saison in dem in Champions League umbenannten Europapokal der Landesmeister vorbei, da hatte der runderneuerte Wettbewerb auch schon seinen ersten Skandal.
Als Rudi Völler mit seinen Teamkollegen von Olympique Marseille im Mai 1993 den Henkelpott in den Münchner Nachthimmel stemmte, ahnten viele bereits schon, was kommen würde. Vier Tage nach dem 1:0 gegen den AC Mailand wurde Olympique der Beeinflussung von Spielergebnissen beschuldigt.
Marseilles Präsident Bernard Tapie hatte Bestechungsgelder gezahlt, um den Titel schneller zu gewinnen und so Kräfte für die Königsklasse sparen zu können. Olympique wurde für die Champions League gesperrt, der nationale Titel wurde aberkannt.
1962: Der Guttmann-Fluch
Es ging um Geld. Das ist im modernen Profifußball nichts Neues, anno 1962 allerdings bei weitem nicht alltäglich. Soeben hatte Benfica Lissabon seinen Landesmeister-Erfolg vom Vorjahr wiederholt, mit einem unglaublichen 5:3 gegen Real Madrid. Ein Spiel, in dem der Stern von Benficas Eusebio aufging.
Die Portugiesen waren die Könige von Europa, da traf sie das Orakel ihres Trainers. Der Ungar Bela Guttmann forderte nach dem Triumph von Amsterdam mehr Geld, Benficas Klubboss Antonio Vidal blieb jedoch hart. Überliefert sind dann folgende Worte des Coaches: „Nicht in hundert Jahren wird Benfica noch mal einen Europapokal gewinnen.“
Guttmann wurde damals ausgelacht – und Benfica verlor seitdem alle seine acht folgenden Europapokal-Endspiele (fünf im Landesmeister-Cup, dreimal in Uefa-Pokal bzw. Europa League).
1971: König Johan
Es gibt unzählige Elogen auf ihn, alle werden ihm nur im Ansatz gerecht. Noch heute sehen viele in ihm den Erlöser des Fußballs in den 1970er-Jahren. Johan Cruyff hat ja auch die gleichen Initialen wie Jesus Christus – Zufall?
Sei es drum, Cruyffs Lehre vom „Totaalvoetball“, in der jede Position, die ein Spieler verlassen hat, sofort durch einen anderen besetzt wird, wurde stilprägend für die gesamte Fußballwelt. Leichtigkeit, gepaart mit Genialität, Übersicht und ein scheinbar grenzenloses Reservoir an Ideen zeichneten König Johan aus.
Fast logisch, dass er seinen Ajax Amsterdam 1971 nicht nur zum ersten Titel führte, sondern in den beiden Folgejahren auch zum ersten Hattrick in der Königsklasse.
1999: Ein Spiel dauert 92 Minuten
Barcelona. Ein Begriff, der in der Champions League untrennbar mit der Mutter aller Niederlagen verknüpft ist. Im Mittelpunkt ein Norweger, klein, aber gewieft. Und alle, die mit dem FC Bayern zu tun hatten, Spieler, Trainer, Führungsriege und Fans.
Warum die Bayern 1999 das Endspiel in der Nachspielzeit noch aus der Hand gaben, wird wohl für immer ein Mythos in der Champions League sein. Die Fakten sind es nicht: In 102 Sekunden drehten Teddy Sheringham und eben Solskjaer das Finale noch zugunsten von Manchester United.
Franz Beckenbauer und Uefa-Präsident Lennart Johansson waren bereits auf dem Weg zur Siegerehrung und bekamen die dramatische Wendung nicht mit. ManU-Coach Sir Alex Ferguson kommentierte das Geschehen mit „That’s football, bloody hell!“ Es war die Hölle für die Münchner.
1983: Felix, der Glückliche
Neun Minuten waren 1983 in Athen gespielt, da zimmerte Felix Magath den Ball an Dino Zoff vorbei in den rechten Winkel. Der Hamburger SV führte mit 1:0 gegen Juventus Turin – und Magath, von Natur aus eher ein Zweifler, erschrak.
Der Treffer fiel doch viel zu früh, schoss es ihm durch den Kopf. Doch der HSV hielt stand, holte als zweiter Klub nach dem FC Bayern den Pott und krönte die Ära unter Trainer Ernst Happel mit dem Pott. Felix, der Glückliche.
Denn die Vorbereitung zu diesem Treffer von der linken Strafraumkante wäre fast in einer Slapsticknummer geendet. Manfred Kaltz und Jürgen Groh hatten sich im Mittelfeld fast über den Haufen gerannt, ehe Groh den Ball zu Magath spielen konnte.
2008: Die Tränen des Capitanos
Rudi Völler hatte 1993 im Gefühl des Triumphes verkündet, er gewinne nur die großen Titel. Der Stürmer war gerade Europacup-Sieger mit Marseille geworden, nur Deutscher Meister wurde er nie.
Bei Michael Ballack verhielt es sich genau anders herum. Der Capitano der deutschen Nationalmannschaft hechelte wie kaum ein anderer der Champions-League-Krone hinterher. So dicht wie 2008 in Moskau kam er nie wieder an den Henkelpott.
Mit dem FC Chelsea stand er im Dauerregen im Elfmeterschießen gegen Manchester United, als das Unheil wieder einmal seinen Lauf nahm. Nicolas Anelka scheitert an Edwin van der Sar, und bei Ballack brechen alle Dämme. Selbst der Regen könnte seine Tränen nicht verstecken.
1961: Verhextes Wankdorf
Mit der ungarischen Nationalelf hatten Sandor Kocsis und Zoltan Czibor im WM-Finale 1954 gegen Deutschland schon eine schmerzliche Niederlage in Bern erlebt.
Im Jahr 1961 kehrten sie mit dem FC Barcelona zum Landesmeister-Finale ins Wankdorf-Stadion zurück. Jetzt musste es aber klappen mit dem Titel, schließlich war man Favorit gegen Benfica Lissabon. Und es begann wie sieben Jahre zuvor.
Kocsis bringt Barca mit 1:0 in Führung, auch Czibor trifft. Doch dazwischen lagen die drei Treffer für die Portugiesen. Wieder mussten die beiden Ungarn mit einer Niederlage aus Bern abreisen. Wieder war es ein 2:3. Es war wie verhext.
1987: Auf die Hacke getrieben
Der große Pele sprach sogar vom schönsten Tor der Fußball-Geschichte – wenn sich Rabah Madjer nicht noch ungedreht hätte, um zu schauen, ob der Ball nach seinem Hackentrick auch wirklich ins Tor geht.
Dem Stürmer des FC Porto tut der Brasilianer damit jedoch großes Unrecht. Madjers Treffer 1987 in Wien brachte den FC Bayern derart aus dem Konzept, dass die Münchner Ludwig Kögls Führung noch vollends verspielten und 1:2 verloren. Die bereits elf Jahre dauernde Durststrecke auf dem Weg zum vierten Titel sollte weitergehen.
Man stelle sich nur einmal vor, Madjer wäre jubelnd abgedreht, ohne sich umzuschauen – und der Ball wäre am Tor vorbeigekullert.
1984: Auf den Punkt gebracht
Das Elfmeterschießen sorgt längt für die dramatischsten Momente, mit denen ein Finale beendet werden kann. Die Premiere dieses Showdowns gab es 1984 zwischen dem FC Liverpool und dem AS Rom.
Und prompt ging der erste Schuss vom ominösen Punkt auch gleich daneben. Der Schotte Steve Nicol drosch den Ball über das Tor.
Weil für die Roma mit Bruno Conti und Francesco Graziani aber gleich zwei Spieler verschießen, stemmt Liverpool nach dem 4:2 im Elfmeterschießen doch den Pott in die Höhe. In Rom, im Olympiastadion.
1974: Der zweite Finale
Es war pure Verzweiflung, die Georg Schwarzenbeck antrieb, den Ball aus 25 Metern auf die Reise zu schicken. Doch „Katsche“ schaffte den 1:1-Ausgleich für den FC Bayern im Endspiel 1974 gegen Atletico Madrid – 20 Sekunden vor Ende der 120 Minuten von Brüssel.
Da es Elfmeterschießen in diesem Wettbewerb noch nicht gab, musste erstmals das Spiel zwei Tage später wiederholt werden. Und die Bayern machten kurzen Prozess.
Uli Hoeneß, zweimal Gerd Müller, noch einmal Hoeneß, schon war der erste Triumph für die Bayern unter Dach und Fach. Nie wieder sollte ein Finale der europäischen Königsklasse zwei Partien benötigen.
1969: Die deutsche Premiere
Geboren wurde er in Düren, spielte unter anderem für den 1. FC Köln, AS Rom, den AC Mailand und Tennis Borussia. Zudem war er einer der besten Abwehrspieler seiner Zeit und nahm an vier Weltmeisterschaften teil.
Was Karl-Heinz Schnellinger aber wirklich so einzigartig macht? Der spätere Generalvertreter für Einbauküchen war der erste deutsche Spieler, der den Landesmeister-Cup gewann.
1969 triumphierte Schnellinger in Madrid an der Seite von Giovanni Trapattoni, Gianni Rivera und Kurt Hamrin mit 4:1 gegen Ajax Amsterdam.
1992: Pep in Panik
Entsetzt hob Pep Guardiola die Arme. Die Geste symbolisierte die totale Ratlosigkeit beim Strategen des FC Barcelona.
Waren die Katalanen 1994 nicht nach Athen gereist, um den AC Mailand, jenes Relikt aus den alten Tagen des Cattenaccios, dessen Spielweise der große Johan Cruyff sogar als „vulgär“ bezeichnete, in die Schranken zu weisen? Und dann das: Statt Barca stürmte Milan. Und Guardiola musste auf dem rasen mitansehen, wie seine Teamkollegen mit ihm zusammen untergingen.
Mit 4:0 gewannen die Italiener. Es ist das bis heute höchste Final-Ergebnis seit Einführung der Champions League 1992.
2012: Das Drama dahoam
Es gehört offenbar zur DNA des FC Bayern, nicht nur außergewöhnliche Erfolge zu feiern, sondern auch episch zu scheitern. Das Champions-League-Finale 2012, das verlorene Finale dahoam gegen den FC Chelsea, macht da keine Ausnahme.
Die Überlegenheit war fast erdrückend, und der Jubel nach Thomas Müllers später Führung grenzenlos, ehe Didier Drogba kurz vor Schluss mit der ersten Torchance der Londoner ausglich. In der Verlängerung verschießt Arjen Robben einen Strafstoß. Und im Elfmeterschießen schießt Bastian Schweinsteiger nur an den Pfosten, Drogba hingegen trifft auch hier – aus der Traum.
Es ist dieses Meer aus Tränen, aus dem jene Mannschaft erwächst, die ein Jahr später im deutschen Finale von Wembley triumphiert.



