Bundesliga-Vorbereitung

Hertha und die Konsequenzen aus der Lehrstunde gegen den FC Sevilla

Mehr Mut, mehr Präzision und mehr Torgefahr: Das sind die Baustellen, an denen der Hauptstadt-Klub in den verbleibenden drei Wochen bis zum Bundesliga-Start arbeiten wird.

Foto: Soeren Stache / dpa

Eigentlich steht Johannes van den Bergh sportlich vor einer Herausforderung. Er hat mit Marvin Plattenhardt (vom 1. FC Nürnberg) erhebliche Konkurrenz bekommen. In den letzten drei ernsthaften Testspielen - gegen Vitesse Arnheim, den PSV Eindhoven und den FC Sevilla - besetzte Trainer Luhukay die linke Position in der Vierer-Abwehrkette jeweils mit Plattenhardt. Van den Bergh spielte gegen Zweitligist Karlsruhe, er weiß, dass er um seinen Platz kämpft.

Heitinga: Sevilla war mit und ohne Ball besser als wir

Auch Hertha BSC weiß nach dem Test vom Mittwoch in Neuruppin, dem 0:2 gegen den FC Sevilla, dass noch einige Aufgaben warten. „Das war ein wichtiges Spiel“, sagte John Heitinga nach der ersten Niederlage dieser Vorbereitung. „Wir haben gesehen, wo es noch besser werden muss. Sevilla war mit Ball und ohne Ball besser als wir.“ Sein Verteidiger-Kollege Sebastian Langkamp, der bereits eine erstaunliche Frühform hat, sagte: „Das war lehrreich. Defensiv haben sich beide Mannschaften in der ersten Hälfte neutralisiert. Nach der Pause hat Sevilla konsequent genutzt, was wir angeboten haben.“

Der Europa-League-Sieger konterte Hertha aus, als ein Mittelfeldspieler in die Tiefe ging und zum Führungstor durch Georgo Krychowiak auflegte (52.). „Diese Flexibilität im Mittelfeld fehlt uns im Moment, ganz vorne reinzugehen“, sagte Langkamp, „daran werden wir bis zum Saisonbeginn sicher noch arbeiten.“

Der einsame Kampf des Julian Schieber

Spielmacher Alexander Baumjohann tastet sich nach seiner langen Verletzungspause (Kreuzbandriss) Spiel für Spiel an den Rhythmus heran. „Gegen Sevilla war es für uns vorne schwierig, die haben so gut wie keine Chance zugelassen.“ Es fällt seit einigen Partien auf, dass Hertha sich nur wenige Torchancen erarbeitet. „Es war schwer für uns, in der gegnerischen Hälfte Fußball zu spielen“, sagte Trainer Luhukay. Julian Schieber, der als einzige Sturmspitze einen einsamen Kampf gegen stets mehrere Verteidiger kämpfte, gab zu: „Es ist ärgerlich. Ich bin viel gelaufen, habe viel versucht, aber es hat wenig funktioniert.“

Nachdem Hertha in den ersten vier Vorbereitungswochen vor allem an der Ausdauer und der Defensive gearbeitet hat, ist zu erwarten, dass der Trainer die verbleibende Zeit nutzt, um die Offensive zu verbessern. „Unser Umschaltspiel muss noch schneller und präziser werden“, sagte Baumjohann.

Heitinga ist zuversichtlich

Die Spieler sind vom Status quo vier Wochen nach dem Trainingsstart und bei gut drei Wochen bis zum Liga-Start nicht beunruhigt. „Keine Angst, das wird schon“, sagte Schieber. John Heitinga verfügt über die Erfahrung von zwölf Jahren als Profi in den Niederlanden, in Spanien und England. Der 87malige Nationalspieler sagte: „Ich bin nicht beunruhigt. Wir haben viel Qualität im Team, wir müssen das nur noch besser umsetzen.“

Baumjohann schmunzelte bei der Frage, wie er die Perspektive sieht. Er erinnerte an den vergangenen Sommer. Damals habe Hertha in den letzten Testspielen auch kein Offensivfeuerwerk abgeliefert. „Und dann haben wir am ersten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt 6:1 gewonnen.“