Mit Berlin verbindet Huub Stevens (58) viel. „Mein Sohn Maikel und meine Enkelkinder leben dort“, sagte der Trainer von Schalke 04. Er freue sich auf die Reise in die Hauptstadt und auf das Spiel am Freitag bei Hertha BSC (20.30 Uhr). Doch eine besondere Bindung zu Hertha habe er nicht. Auf die entsprechende Frage gab er eine einsilbige Antwort. „Nein.“
Der Niederländer („Merkt Euch endlich: Ich bin kein Holländer“) wird nicht müde zu betonen, dass er sich in den gut 18 Jahren, in denen er mittlerweile als Coach arbeitet, verändert hat. „Man wird erfahrener, lernt dazu“, betonte er. Bestimmte Fehler würde er heute nicht mehr begehen. Welche genau, verrät er nicht („Ich gehe nie in Details“), aber er lässt durchblicken: Seine Entscheidung im Sommer 2002, als er nach sechs erfolgreichen Jahren Schalke verlassen hatte und zur Hertha gewechselt war, würde er heute so wohl nicht mehr zu treffen.
Das Engagement stand von Beginn an unter keinem guten Stern. „Einige haben mich damals als Schalker gesehen und nicht als Trainer“, erklärte er rückblickend. Vieles hätte er, bevor er vom damaligen Hertha-Manager Dieter Hoeneß zur Vertragsunterschrift überredet worden war, nicht richtig durchdacht. Beispielweise auch, dass die Hertha-Fans einen Coach, der so stark mit dem besonders unbeliebten Rivalen Schalke in Verbindung gebracht wird, nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen wird. Das sei ihm damals nicht bewusst gewesen, so Stevens: „Und wenn du dann auch noch keinen Erfolg hast, wird es schwer.“
Mit seiner Rückkehr nach Schalke lag er richtiger. In der Bundesliga gab es für Schalke fünf Siege in acht Spielen, seit er am 27. September die Nachfolge des erkrankten Ralf Rangnick angetreten war. Hinzu kam die vorzeitige Qualifikation für das Achtelfinale in der Europa League. „Wir sind zufrieden mit unserer Punktausbeute, aber es ist viel zu früh um sagen zu können, wo die Mannschaft am Ende der Saison steht“, erklärt er und warnt davor, sein Team in einem Atemzug mit den drei Mannschaften zu nennen, die in der Tabelle vor Schalke stehen. Ein Titelaspirant sei Schalke jedenfalls sicher nicht.
Doch darum geht es Stevens auch nicht. Er denkt langfristig. Sein Ziel ist, dass Schalke am Ende seiner zweiten Amtszeit „besser dastehe“ als bei seinem Dienstantritt. Genauso wie es auch damals gewesen war, als der Klub aus Gelsenkirchen zwischen 1997 und 2002 zunächst Uefa-Pokalsieger geworden war, dann einen Umbau der Mannschaft forcierte, bevor sich 2001 schließlich jenen Titel von zweifelhaften Ruf erwarb, weil sein Team auf die denkbar knappste Art in der Nachspielzeit des letzten Spieltages noch den sicher geglaubten Meistertitel an die Bayern verlor: „Meister der Herzen.“
„Jede Mannschaft ist anders“, sagt Stevens und verweist darauf, dass die aktuelle Schalker Elf sich noch entwickeln müsse, um eine Spitzenmannschaft zu werden. Doch die besonderen Umstände, unter denen der Kader zusammengestellt worden sei, erfordern auch besondere Behutsamkeit. Viele Spieler sind noch von Felix Magath verpflichtet worden. Sie sind für eine andere Art von Fußball ausgewählt worden, als sie dann von Magaths Nachfolger Rangnick präferiert wurde. „Und dann haben sie mit mir innerhalb eines Jahres den dritten Trainer bekommen“, erklärte Stevens: „Wenn ich von einem Tag auf den anderen alles verändert hätte, hätte ich alles durcheinander gebracht."
Mit Bedacht ging er ans Werk, um seine Vorstellung von einer „guten Organisation“ umzusetzen. Er verordnete der Mannschaft eine etwas tiefere Staffelung installierte mit Jermaine Jones, der unter seinen Vorgängern keine Rolle mehr gespielt hatte, wieder einen klassischen Abräumer im defensiven Mittelfeld. Mit Erfolg: Schalke kassierte in den 13 Pflichtspielen unter Stevens nur zehn Gegentreffer – unter Rangnick waren es 16 in elf Pflichtspielen gewesen.
"Er ist erfahren und weiß, was für die Mannschaft gut ist“, sagt Horst Heldt. Stevens ist, das wurde relativ schnell klar, keine Verlegenheitslösung des Schalker Managers gewesen. Heldt hatte nach der überraschenden Erkrankung Rangnicks möglichst schnell einen Trainer präsentieren müssen.
Der Niederländer soll auch den weiteren personellen Umbau der Mannschaft mitgestalten, der im Sommer wohl zwangsläufig erfolgen wird. Der Vertrag von Raul läuft aus, eine Verlängerung ist eher unwahrscheinlich. Ähnliches könnte für Jefferson Farfan gelten, auch sein Kontrakt endet im Sommer 2012. Entsprechend wild wuchern derzeit Spekulationen. Laut „Bild“ sollen die Schalker sogar überlegen, Lukas Podolski zu verpflichten.
Doch Stevens und Heldt lassen sich nicht in die Karten schauen. „Ich kann dazu nur sagen, dass Podolski ein guter Spieler ist“, sagte der Manager: „Aber er hat noch einen Vertrag bis 2013 beim 1.FC Köln.“ Etwas wahrscheinlicher wäre da schon eine am Saisonende ablösefreie Verpflichtung des Hannoveraners Jan Schlaudraff.
Um die Perspektive auch für Vertragsgespräche zu verbessern, will Stevens heute mit einem Sieg den Anschluss an die Tabellenspitze wahren. Einfach wird es nicht, glaubt Stevens. Sein ehemaliger Spieler Michael Preetz habe dort eine „gute Mannschaft“ entwickelt, sagt er: „Ich habe Respekt vor den Berlinern.“
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