Die Wortwahl am Tag danach war englisch derb. Von "Massaker" schrieb das Boulevard "Sun", von einer "Naturgewalt namens Manchester" die seriöseren Blätter. Nun mögen solche Vergleiche ein wenig befremdlich anmuten, doch das am Sonntag Geschehene rechtfertigte so manchen Superlativ. Manchester gegen London 13:3, das war der kumulierte Wert zweier Partien.

Erst war es City, der Scheichklub, der Tottenham mit 5:1 deklassierte. Drei Stunden später vollendete das "aufsehenerregendste Ergebnis der Premier-League-Geschichte" (Daily Mail) das ungleiche Städteduell. United, der Titelverteidiger, "fegte über Arsenal hinweg wie Irene über New York" und hinterließ einige grundsätzliche Fragen.

"Wir werden immer besser und besser"

8:2 hieß es am Ende. Beide Klubs aus Manchester grüßen punktgleich von der Tabellenspitze. Drei Spiele, drei Siege, lediglich die bessere Tordifferenz macht United zum Tabellenführer. Nun wundert jene optimale Punktausbeute nicht, die überaus ansehnlichen Vorstellungen aber beeindrucken. City etwa kombinierte am Sonntag nach Belieben, die Bayern-Profis werden genau zugeschaut haben, immerhin treffen sie in der Champions League aufeinander. Zugang Samir Nasri auf Edin Dzeko, so fiel Tor um Tor, vier waren es am Ende für den ehemaligen Wolfsburger. "Wir werden immer besser und besser", sagte Dzeko. Und Titel? "Ja natürlich", antwortete Nasri.

Bei United traf Wayne Rooney gleich dreifach. "Wir haben fantastische Tore gemacht", plauderte dann auch sein Teammanager Alex Ferguson. "Wir hätten auch noch mehr machen können. Aber du willst nicht noch mehr machen gegen eine verunsicherte Mannschaft wie die." So weit ist es also gekommen, dass die Konkurrenz Mitleid hat mit Arsenal, dass selbst Sir Alex seinen langjährigen Widersacher in Schutz nimmt. Kritik an Trainer Arsene Wenger "ist unfair", sagte Ferguson, der selbst noch jüngst über die sechs titellosen Arsenal-Jahre lästerte.

Bei Arsenal ist die Balance verloren gegangen

"Er hat über 15 Jahre einen phänomenalen Job gemacht", sagte Ferguson nun. "Und er hat dem Klub eine Philosophie gegeben." Mutig nach vorne, mit jungem Personal, selbst ausgebildet, auf etwa diesen Nenner lassen sich Wengers Parameter bringen. Der Gegenpol also zu Citys oder Uniteds regelmäßigem Transferminus. Doch bei Arsenal ist die Balance zwischen Erfahrenen und Jungen abhanden gekommen, und so klafft eine gewaltige Lücke zwischen Ambitionen und Realität

Dass jegliche Titelchancen in dieser Saison jenseits von Gut und Böse liegen, das wurde bereits in der Sommerpause gemutmaßt. Erst recht nach den Abgängen von verdienten Kräften wie Cesc Fabregas (FC Barcelona), Gael Clichy (ManCity) und Nasri (ManCity), die Wenger nur durch Nachwuchsleute ersetzte. Aber ein 2:8? Das schlechteste Resultat seit 1896. Demütigend und beschämend nannte Wenger den Sonntag, "es war aber kein 8:2-Spiel", sagte er noch und bemühte die besonderen Umstände, die vielen Verletzten, die Gesperrten, quasi eine gesamte Elf stand Wenger am Sonntag nicht zur Verfügung.

Wenger vor der Entmachtung?

Das ist alles ist keine Entschuldigung, schrieb die "Sun". Und dass sich der Klub nun auch die Frage nach Wengers Entmachtung stellen müsse. Das Ganze sei doch wie "Des Kaisers neue Kleider". Wenger stehe nackt da, nur er selbst merke es nicht. Wenger selbst bemühte Durchhalteparolen. "Ich gebe nicht auf", sagte der Trainer.

Bis Mittwoch, dem Ende der Transferperiode, bleibt Arsenal noch Zeit, um nachzubessern. Schon seit Wochen echauffieren sich Fans, dass die eingenommenen Transfergelder, ca. 70 Millionen Euro, nur spärlich reinvestiert wurden. Ein Verteidiger und ein Mittelfeldspieler sollen noch kommen. Allerdings hörten sich Wengers Worte diesbezüglich kryptisch an: "Wenn wir die Richtigen finden, werden wir was machen", sagte er. "Wenn nicht, heißt das, wir können solche Spieler nicht finden".