Champions League

Barcelona bei Arsenal als schlechter Verlierer

Nach der Niederlage beim FC Arsenal sucht Barcelona nicht die Schuld bei seinem schwachen Keeper Valdes, sondern meckert über Schiedsrichter Rizzoli.

Pep Guardiola hatte den Schuldigen schnell ausgemacht - und der hieß nicht etwa Victor Valdes. Der Torhüter des FC Barcelona öffnete Robin van Persie vor dem 1:1 die kurze Ecke und ermöglichte das Comeback des FC Arsenal, doch Valdes, betonte Guardiola, „Valdes macht keine Fehler“. Das 1:2 (1:0) des Topfavoriten im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in London ginge vielmehr auf die Kappe von Schiedsrichter Nicola Rizzoli. Der Italiener habe den Spielausgang „maßgeblich beeinflusst“, sagte Guardiola.

Die heimische Presse wurde deutlicher. Das Blatt "Sport" nannte Rizzoli einen der „schlimmsten Feinde Barcas“ und lieferte zur Begründung eine abenteuerliche Theorie. Der Referee habe Inter Mailand mit dem Trainer Jose Mourinho im März 2010 zu einem 3:3 bei der AS Rom und damit zum Meistertitel verholfen. „Das ist mein Freund“, scherzte Mourinho damals. Heute trainiert der Portugiese Barcas Erzrivale Real Madrid - und für Sport steht nun fest: Barca ist ein Opfer des „Freundes von Mou“ geworden. Auch Weltmeister Xavi sprach von einem „völlig ungerechten Ergebnis. Wir waren viel besser!“

Tatsächlich hatte Rizzoli den Katalanen nach dem Führungstreffer von David Villa (26.) das mögliche 2:0 durch Lionel Messi (37.) wegen angeblichen Abseits versagt - eine knappe, aber falsche Entscheidung. Außerdem, meinten alle, die mit Barcelona fieberten, hätte der spanische Meister zwei Strafstöße bekommen und Gerard Pique nicht zwingend Gelb sehen müssen. Es war schon Piques dritte, er fehlt im Rückspiel am 8. März, weshalb die Rückkehr des verletzten Kapitäns Carles Puyol noch sehnsüchtiger erwartet wird.

Bis zu Valdes’ Blackout (78.) deutete wenig darauf hin, dass Barcelona im Emirates Stadium verlieren könnte. Eine gute Stunde lang „zeigte Barcelona eine Fußball-Lektion“, kommentierte die Zeitung AS treffend, „dann aber zeigten die Gunners eine Lektion des Muts“. Teammanager Arsene Wenger riskierte viel - und der eingewechselte Andrej Arschawin belohnte die Schlussoffensive (83. ). „Wie soll ich das nun analysieren?“, fragte Guardiola etwas ratlos, selbstbewusst fügte er aber an: „Ich sehe keinen Grund, warum ich nicht optimistisch in das Rückspiel gehen sollte. Meine Jungs haben ihre Qualität über Jahre bewiesen.“

Das war auch in London der Fall. Gegen die wohl passsicherste Mannschaft der Insel demonstrierte Barca sein „tiqui-taca“. Insgesamt spielten Messi, Xavi und Co. 773 Pässe, von denen 629 oder 81,4 Prozent ankamen (Arsenal: 423/299/70,7). Allein: Es fehlte an der Vollendung. Die englische Zeitung "Guardian" hatte dafür eine recht simple Erklärung: „Messi kann es in England einfach nicht.“ Der Weltfußballer hat in sieben Spielen auf der Insel nicht einmal getroffen. Und als er es am Mittwoch doch tat, hatte Rizzoli was dagegen.

Doch es wäre in der Tat zu einfach, die Niederlage auf den Schiedsrichter zu reduzieren. Wenger und Arsenal hatten den Mut, an ihrem Spiel festzuhalten und wurden belohnt. „Jeder hat uns geraten, entgegen unserer Natur zu spielen. Das haben wir nicht getan. Deshalb können wir stolz sein - und unsere Philosophie gestärkt sehen“, sagte Wenger.

In der Vorsaison hatte Arsenal gegen Barcelona ein 0:2 in ein 2:2 gedreht, dann aber das Rückspiel 1:4 verloren. „Ich glaube weiter, dass sie das beste Team der Welt haben. Aber wir wissen jetzt, dass wir sie schlagen können. Das war letztes Jahr nicht der Fall“, sagte Wenger, und kündigte für den 8. März ein weiteres Spektakel an. „Wir werden nicht verteidigen, sondern angreifen.“