Startelf-Debüt

"Götzinho" bringt selbst die Brasilianer zum Staunen

Nach seiner starken Leistung im ersten Länderspiel von Beginn an wurde Dortmunds Mittelfeldspieler Mario Götze von allen Seiten mit Lob überschüttet.

Fußballzauberer, Ballartist, Sambakicker, deutscher Messi: Mario Götze wurde nach seinem Startelf-Debüt in der deutschen Nationalmannschaft gegen Rekordweltmeister Brasilien mal wieder mit Superlativen überschüttet, die Lobhudeleien nach dem 3:2 (0:0)-Erfolg sind ihm aber sichtlich peinlich. Und deshalb war es dem 19-Jährigen, dem bei seinem siebten Länderspieleinsatz zudem der erste Treffer gelang, wichtig, einige Dinge gerade zu rücken.

„Der Spitzname ’Götzinho’ existiert eigentlich nicht, und ich weiß auch nicht, woher der kommt“, sagte Dortmunds Jahrhunderttalent und stellte klar: „Im Verein und auch hier bei der Nationalmannschaft werde ich bei meinem Vornamen gerufen.“ Das könnte sich aber nach seiner Supergala gegen Künstler von der Copacabana ändern. „Was die Technik betrifft, ist Mario ein halber Brasilianer“, sagte denn auch Bastian Schweinsteiger über seinen kongenialen Mittelfeldkollegen, der anstelle des urlaubenden Mesut Özil in der Schaltzentrale die Fäden gezogen und das Spielgerät immer wieder magisch an sich gezogen hatte.

„Er hat eine große Zukunft vor sich“, lobte der brasilianische Trainer Mano Menezes den deutschen Hauptdarsteller von Stuttgart, der seine Gegenspieler das eine oder andere Mal im wahrsten Sinne des Wortes ausgetanzt hatte, sodass selbst ausgewiesene Ballakrobaten wie Pato, Robinho oder Neymar aus dem Staunen nicht mehr herauskamen.

Kaiser Franz Beckenbauer hatte Götze schon nach dessen Show beim Bundesliga-Saisonstart der Borussia gegen den HSV (3:1) geadelt und ihn mit Weltfußballer Messi verglichen: „Er hat die Anlagen wie Lionel Messi, dessen Spielverständnis und die Technik. Und er ist ein reiner Instinkt-Fußballer - genau wie Messi“, sagte Beckenbauer, der sich am Mittwoch als Augenzeuge in der Stuttgarter Arena bestätigt sehen durfte.

Auch Bundestrainer Joachim Löw kam nicht umhin, den Mann des Abends , der bei seiner Auswechslung in der 88. Minute mit Standing Ovationen gefeiert wurde, gebührend zu würdigen. „Mario hat ein tolles Spiel gemacht. Er hat eine grandiose Technik und sieht alles auf dem Platz. Er spielt klare Pässe und lässt die einfachsten Dinge großartig aussehen. Mario findet in jeder Situation die richtige Lösung. Es sind die einfachen Dinge, die er genial macht“, schwärmte der Bundestrainer von dem BVB-Juwel.

Der Shootingstar selbst, der in brasilianischer Manier in der 67. Minute das 2:0 erzielt hatte, behielt selbst aber die Bodenhaftung. „Es ist immer etwas ganz Besonderes, bei der Nationalmannschaft zu sein. Es war heute etwas ganz Besonderes für mich, weil ich von Beginn an gespielt habe“, sagte Götze und ergänzte: „Ich wusste das schon seit ein paar Tagen, und ich wollte die Chance unbedingt nutzen.“ Das ist ihm großartig gelungen, wie auch sein Dortmunder Vereinskollege Mats Hummels gut zusammenfasste: „Ich sehe dem Kleinen einfach gerne zu.“

Da ist er nicht alleine, auch Ex-Nationalspieler und ARD-Experte Mehmet Scholl outete sich als Götze-Fan. Für den früheren Bayern ist der Youngster nicht nur spielerisch schon ein Vorbild: „So wünscht man sich einen Jungen. Er kommt von der Erziehung her knapp hinter Iniesta und Xavi, ist auf dem Platz bescheiden. Mir gefällt er richtig gut.“

Für Scholl wird Götze der Mann der Zukunft, wenn er „verletzungsfrei bleibt und irgendwann die richtige Frau wählt“. Die falsche könne einen ja durchaus auch zurückwerfen.