Fabregas-Rückkehr

Dieser Transfer macht FC Barcelona quasi unbesiegbar

Der Champions-League-Sieger verstärkt seine Luxusmannschaft mit Cesc Fabregas vom FC Arsenal. Der 24-Jährige wollte um jeden Preis zu seinem Heimatklub zurück.

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Andere Zeiten, andere Sitten. Schon lange können sie beim FC Barcelona schön Fußball spielen, aber früher hat das oft nicht genügt. Kopf und Seele gehörten nicht zu den Stärken, Barcelona neigte zur Melancholie: Es musste besser sein, um zu gewinnen, und verlor garantiert, wenn es schlechter war. Unter Trainer Pep Guardiola nun hat es in den vergangenen Jahren nicht nur demonstriert, dass der schönste Fußball auch der erfolgreichste sein kann. Es schafft jetzt sogar, was traditionell nie zur DNA dieses Vereins zählte: auch mal aus einem schlechteren Spiel ein gutes Ergebnis mitzunehmen.

So wie am Sonntagabend in Madrid beim 2:2 (2:1) im Hinspiel um den spanischen Supercup , dem „unwichtigsten Titel der Saison, aber wichtigsten des Sommers“, wie es Real-Trainer Jose Mourinho ausdrückte. Erstmals seit 1997 führt die Ansetzung diesmal Barcelona (Meister) und Madrid (Pokalsieger) zusammen – ein „clasico“ also, und der ist nie so richtig unwichtig. Schon gar nicht für ein verwundetes Madrid, das gerade erstmals seit Menschengedenken in der Rangliste aller offiziellen Titel hinter die ungeliebten Katalanen zurückgefallen ist (77:78) und sich vom Anpfiff weg mit allem auf sie stürzte. Mit Bestbesetzung, großer Aggressivität und gutem Fußball, viel besserem als etwa in den enttäuschenden, überdrehten Champions-League-Duellen der Vorsaison.

Während bei Madrid die Spieler bereits voll im Saft stehen, kam Barcelona in aller sommerlichen Gelassenheit in die Hauptstadt. Trainer Pep Guardiola ist ein bewusstes Risiko eingegangen und hat die Aufbauphase bis zum Saisonstart am Wochenende und sogar noch darüber hinaus veranschlagt; also schipperte Weltfußballer Lionel Messi vor wenigen Tagen noch auf einer Jacht durchs Mittelmeer, hatte Dani Alves erst zwei Trainingseinheiten absolviert und blieb die zentrale Achse Pique – Busquets – Xavi anfangs sogar ganz draußen, ebenso wie Pedro und Kapitän Puyol.

Angesichts einer wackligen Verteidigung und wenig Ballkontrolle konnten die Gedanken nach Madrids frühem 1:0 durch Mesut Özil sogar zu einem möglichen Debakel schweifen, das Guardiola in seine Planungen ausdrücklich miteinbezogen hatte, ja geradezu zu erwarten schien. Doch dann verwertete David Villa mit einem wundersam krummen Bananenschuss gleich den ersten Vorstoß und nutzte Messi den zweiten mit einer Einzelaktion sogar zur Führung. Xabi Alonso konnte in der zweiten Hälfte nur noch ausgleichen.

Ein „Bravourstück“, nannte Guardiola später die Lehrstunde in Effizienz, „der Kopf hat die Müdigkeit besiegt“. Villa lobte „den Geist dieses Barça – nicht nur Fußball, sondern auch die Mentalität, sich über Widrigkeiten hinweg zu setzen.“ Gelingt am Mittwoch im Rückspiel zu Hause (23 Uhr, Sport 1), „trotz unseres weiter bestehenden Rückstandes“ (Guardiola) der Titelgewinn, wäre das vor allem ein psychologischer Erfolg.

Wenn sogar eine schlaffe B-Version von Barcelona ein Madrid in bester Verfassung niederhält – wie soll sich dann an der mittlerweile etablierten Hackordnung im spanischen Fußball etwas ändern? Und wenn es nicht einmal das in den vergangenen sechs Jahren für über 700 Millionen Euro verstärkte und vom gewieften Erfolgstrainer Mourinho angeleitete Madrid schafft, wer dann? Bei Manchester United muss niemand nachfragen, Europa staunt ja immer noch über die erniedrigende Chancenlosigkeit des englischen Meisters im Champions-League-Finale.

Zu dünn besetzter Kader

Nur eine Schwäche hatte dieses Barcelona vorige Saison, seinen dünn besetzten Kader. Aber auch diese darf seit Montag offiziell als behoben gelten. Da wurde den Fans im Camp Nou Francesc Fabregas als Zugang präsentiert – der vielleicht beste Mittelfeldspieler, der noch nicht für Barcelona spielte. 29 Millionen Euro Ablöse plus bis zu zehn Millionen an erfolgsabhängigen Boni überweisen die Katalanen dafür an den FC Arsenal, fünf Millionen steuert der Spieler selbst von seinem Gehalt bei. Diese eher ungewöhnliche Geste illustriert, welch grundsätzlicher Trieb den 24-Jährigen zu dem Wechsel bewog: Da wollte einer unbedingt nach Hause.

Cesc, wie sie ihn dort nur nennen, ist Katalane und lebenslanger „Barcelonista“. In der Jugend spielte er mit Messi und Pique, doch als er 15 war, überzeugte ihn Arsenal-Trainer Arsene Wenger zum Wechsel nach London. So sehr heutzutage alle Welt von Barcelonas Nachwuchs schwärmt, so wenig galten die Kadetten damals im eigenen Haus – dem Versprechen Wengers, das epochale Talent alsbald auf höchstem Niveau zu probieren, hatte niemand etwas entgegen zu setzen. Cesc debütierte mit 16 in Arsenals erstem Team und wurde mit 21 dessen Kapitän. Er kommt mit den Statistiken eines Routiniers: 303 Spiele für Arsenal, 57 Tore.

In Barcelona bekommt er die Nummer vier, die einst Guardiola trug – sein großes Vorbild aus Jugendtagen, so wie der Trainer das auch bei Xavi und Iniesta war, den beiden unantastbaren Spielgestaltern des heutigen Teams. Den 31-jährigen Xavi soll Fabregas langfristig ersetzen, ob er gleich auf Anhieb einen festen Platz findet, ist dagegen noch nicht klar. „Ich bin etwas verzogen, weil ich bei Arsenal immer gespielt habe“, sagte er gestern bei seiner Vorstellung. Aber er habe keine Angst vor dem Konkurrenzkampf und sei auch zu einer Sekundantenrolle bereit: „Dies ist die Herausforderung meines Lebens“. Glücklich, notfalls auch der Ersatzbank: So groß ist die Ausnahmestellung des FC Barcelona.