Sieg gegen Brasilien

Gegen Götze ist Podolski ein Relikt aus alter Zeit

Den Hochgeschwindigkeitsfußball, den Bundestrainer Joachim Löw mit Spielern wie Mario Götze und Andre Schürrle anstrebt, kann Lukas Podolski nicht mitgehen.

Was für ein Sieg! 3:2 gegen Brasilien – der erste Sieg gegen den Rekordweltmeister seit 1993 . Und das mit einer Leichtigkeit, die mitunter eher an ein Spiel gegen einen unterklassigen Gegner erinnerte als an ein Kräftemessen auf höchstem Niveau. Zugegeben – die Brasilianer durchschreiten derzeit ein tiefes Tal, die Wundermaschine, die Jahr für Jahr Fußballgenies auf den Markt warf, scheint ins Stocken geraten zu sein.

Dafür läuft die deutsche Nachwuchsmaschinerie auf Hochtouren und stellt Bundestrainer Joachim Löw bald vor ein Problem. Was macht er, wenn zu den nächsten Länderspielen auch wieder Mesut Özil und Sami Khedira anreisen, die diesmal geschont wurden? Welche Mittelfeldspieler wird er auf die Bank setzten? Angenommen, die beiden Real-Profis und Bastian Schweinsteiger sind gesetzt. Bleiben zwei freie Plätze, und zig Bewerber: WM-Held Thomas Müller (21), Toni Kroos (21), Mario Götze (19), Andre Schürrle (20) – und Lukas Podolski (26) .

Der Kölner gilt ähnlich wie Miroslav Klose als ein Kind der Nationalmannschaft. Als er beim FC Bayern auf der Bank schmorte, spielte er in der DFB-Auswahl. Ebenso, als es beim 1. FC Köln kriselte. Löw stellt sich vor seine verdienten Nationalspieler, wenn sie loyal sind – und anders als Michael Ballack oder Torsten Frings ist Podolski das. Doch die Leistung gegen Brasilien hat wieder einmal deutlich gemacht, dass der lustige Kölner mit der Entwicklung des Teams nicht mithalten kann. Den Hochgeschwindigkeitsfußball, den der Bundestrainer anstrebt und die Mannschaft zunehmend umsetzt, kann Podolski nicht mitgehen.

Er ist keiner, der den Doppelpass spielt, seine Handlungsschnelligkeit ist begrenzt. Podolskis Stärke ist sein gewaltiger Schuss und der Wille zum Abschluss. Im Vergleich zu Edeltechnikern wie Özil oder Götze wirkt er wie ein Relikt aus alter Zeit. Aus einer Zeit, als die deutsche Mannschaft ihre Stärke aus Muskelkraft und Konditionsvorsprung schöpfte. Das ist nun vorbei, der grundlegende Wandel hin zum spielenden Team ist längst vollzogen. Podolskis Zeit könnte bald abgelaufen sein…