US-Nationalcoach

Ist Klinsmann der richtige Mann für den Job?

Jürgen Klinsmann wird am Montag in New York als Nationaltrainer der USA vorgestellt. Die Erwartungen an ihn sind hoch, Skepsis begleitet ihn schon jetzt.

Zweimal hatte Jürgen Klinsmann abgewunken. Und nun, beim dritten Flirt , wird doch noch eine Beziehung draus.

Der seit Samstag 47 Jahre alte ehemalige Bundestrainer wird Nationaltrainer der USA , am Montag stellt ihn der Verband USSF in New York auch offiziell vor. Sunil Gulati, der smarte Präsident, hat seinen Mann bekommen, endlich. „Er war ein großartiger Spieler, er hat die Erfahrung und das Wissen, uns weiter voranzubringen“, hat Gulati am Freitag gesagt. Die Begeisterung teilen nicht alle.

Die Amerikaner mögen zu Fußball Soccer sagen, aber alle, die sich dafür ernsthaft interessieren, wissen, mit wem sie es nun zu tun bekommen. Klinsmann war ja auch schon zweimal Kandidat für den Posten, nach der WM 2006 und der WM 2010, beide Male fanden er und Gulati nicht zueinander.

Amerika liebt Gewinner

Dass ihm die USSF nicht ausreichend Machtbefugnisse zugestehen wollte, hat der Wahl-Kalifornier nie dementiert. Nicht nur der Fußball-Kolumnist des Sportsenders ESPN stellt aber nun die Frage: „Ist Klinsmann der richtige Mann für diesen Job?“

Den Beobachtern in den USA ist nicht entgangen, dass Deutschland bei der eigenen WM 2006 einen tewilweise begeisternden Fußball spielte, nach Siegen gegen nicht sehr übermächtige Gegner wie Costa Rica oder Ecuador aber am Ende nur Platz drei belegte - Amerika liebt Gewinner.

Skepsis begleitet Klinsmann auch wegen seines Scheiterns bei Bayern München im April 2009. Und schließlich hilft ihm auch nicht die Tatsache, dass er Berater des Profiklubs FC Toronto ist: Die Kanadier sind Tabellenletzter der Major League Soccer.

„Jürgen Klinsmann ist kein Wunderheiler. Aber es ist gerechtfertigt, höhere Erwartungen zu haben als in der Vergangenheit“, sagte Alexi Lalas, ehemaliger Nationalspieler.

Klinsmann spricht fließend Englisch, er spricht außerdem Spanisch, was als großer Vorteil gewertet wird angesichts der Tatsache, dass Soccer in den USA von den Hispanics geprägt wird. „Es wird entscheidend sein, mit wem sich Klinsmann umgibt. Er braucht starke und klare Leute in seinem Team, die ihn herausfordern können“, sagt Lalas.

Die Zeit drängt. Bereits am 10. August muss Klinsmann eigenständig eine Mannschaft aufs Spielfeld schicken, in Philadelphia, gegen Mexiko. Es ist ein Freundschaftsspiel, aber USA gegen Mexiko ist wie Dortmund gegen Schalke - es gibt keine Freundschaftsspiele.

"Beginn einer neuen Ära"

Danach folgen noch Spiele gegen Costa Rica (2. September) und in Brüssel gegen Belgien (6. September). Und danach werden die Flitterwochen wohl auch schon vorbei sein, auch wenn Klinsmann bis Mitte 2012 Zeit haben wird, ehe die Qualifikation für die WM 2014 beginnt.

Dirk Nowitzki ist überzeugt, dass die Beziehung zwischen Klinsmann und den Amerikanern funktionieren wird. „I think its a great fit for both“, twitterte der Basketball-Star, auf gut Deutsch: Das passt großartig zusammen.

In der Tat schrieben sie bei Sports Illustrated auch gleich vom „Beginn einer neuen Ära“, ESPN-Chefkommentator Lalas aber warnt: „Sie zahlen ihm einen Haufen Geld, und er wird sehr schnell positive Resultate und einen klaren Fortschritt nachweisen müssen. Aber es ist ja nicht schlecht, Druck zu haben.“

Auf Klinsmann wartet eine Herkules-Aufgabe. Nach viereinhalb Jahren unter dem unbestritten fleißigen, aber nur mäßig inspirierenden Bob Bradley hat sich Mehltau auf das gesamte Nationalmannschaftsprogramm gelegt.

Entwicklung stagniert

Die Entwicklung in allen Bereichen stagniert, erste Anzeichen von Rückschritten werden erkennbar. Die A-Mannschaft spielte zuletzt furchterregend leblos. Die U23, im kommenden Jahr Olympia-Teilnehmer in London, hat keinen Trainer. Die U20 auch nicht. Die U17 wurde gerade bei der WM in Mexiko von Deutschland verprügelt (0:4).

Dem US-Verband fehlt ein übergeordneter Gedanke, eine Philosophie, wie es Klinsmann nennen würde. Es gibt immerhin ein gut durchdachtes Konzept, das der frühere Leverkusener und Wolfsburger Bundesligaprofi Claudio Reyna, heute der Jugendkoordinator der USSF, aufgeschrieben hat.

Klinsmann könnte es als eine Art Blaupause nehmen, den gesamten Verband umzukrempeln. Alle Beobachter sind sich einig: Der amerikanisierte Deutsche muss die USSF so auf den Kopf stellen, wie er es einst bei seiner Vorstellung als Bundestrainer dem DFB androhte.

Nicht geheuer

Ob er aber auch der richtige Trainer ist? Der geschätzte Chefkolumnist des Fachmagazins Soccer Amercica hat sich diese Frage in seiner Kolumne auch gleich gestellt. Ihm ist Klinsmann nicht so ganz geheuer.

Er hoffe, dass „uns dieser ganze California-bullshit“, mit dem er die deutsche Mannschaft überzogen habe, erspart bleibe, schrieb er: „Aber ich werde wegschauen, wenn es so kommt. Mir ist verdammt noch mal egal, wie ein Coach seine Mannschaft vorbereitet - so lange sie lebhaften Fußball spielt.“