Copa America

Argentiniens Albtraum nimmt einfach kein Ende

Gastgeber Argentinien scheitert im Viertelfinale der Copa America an Uruguay. Dessen Keeper Fernando Muslera trieb Lionel Messi zur Verzweiflung.

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Die Lippen von Lionel Messi blieben auch diesmal geschlossen. Während seine Mitspieler vor dem Viertelfinale der Copa America gegen Uruguay innbrünstig die Strophen der argentinischen Nationalhymne intonierten, richtete sich der Blick des Weltfußballers starr geradeaus. Zehn Tage waren vergangen, als Messi im selbigen Stadion in Santa Fee erstmals in seiner Karriere eine Arena unter den Pfiffen der eigenen Fans verlassen hatte.

Beim torlosen Remis im zweiten Gruppenspiel gegen Kolumbien hatten ihm seine Landsleute mal wieder mangelnde Leidenschaft im Dress des Seleccion vorgeworfen. Am Rio de la Plata begreift man einfach nicht, wieso Messi in der Nationalelf nicht ebenso brilliert wie bei seinem Verein FC Barcelona.

Nach dem Drama von Samstag, dem 4:5 im Elfmeterschießen gegen Uruguay, zweifelte zwar niemand mehr an Messis untadeliger Einstellung. Um die Stadt im Nordosten Argentiniens wird er künftig wohl trotzdem einen großen Bogen machen. Denn der Traum vom Triumph vor eigenem Publikum war geplatzt.

Seit 18 Jahren ohne Titelgewinn

Dabei sollte die Südamerika-Meisterschaft im eigenen Land der Wendepunkt im angespannten Verhältnis zwischen Messi und der Albiceleste werden. Seit 18 Jahren wartet Argentinien auf einen Copa-Gewinn. „Ich würde all meine Tore und Titel für einen Erfolg mit der Seleccion eintauschen“, hatte Messi im Vorfeld gesagt. Der Grund für seinen weiterhin unerfüllten Wunsch hat einen Namen: Fernando Muslera.

Uruguays Torhüter trieb Messi mit seinen Glanzparaden schier zur Verzweiflung. „Von so einer Partie kann man einfach nur träumen“, sagte Muslera. Lediglich Gonzalo Higuain bezwang Muslera aus dem Spiel heraus und egalisierte damit Uruguays Führung durch Diego Perez. Perez musste später mit Gelb-Rot vorzeitig zum Duschen. Doch auch in jener Kategorie schaffte Argentinien den Ausgleich: Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit kassierte Kapitän Javier Mascherano für ein rüdes Foul Rot. Im Elfmeterschießen wurde Muslera endgültig zum argentinischen Albtraum, als er den unplatzierten Schuss von Carlos Tevez parierte.

Während seine Spieler kommentarlos den Ort der Enttäuschung verließen, versuchte Argentiniens Trainer Sergio Batista den erneuten Tiefschlag nach dem blamablen WM-Aus vor einem Jahr in Südafrika gegen Deutschland in Worte zu fassen. Weitgehend frei von Selbstkritik weigerte sich der Nachfolger von Diego Maradona jedoch beharrlich, das Abschneiden als „Fiasko“ zu bezeichnen. Bei vier Auftritten konnte seine Elf lediglich das Duell mit Costa Rica für sich entscheiden. Wie gegen Kolumbien hatte es auch gegen Bolivien im Eröffnungsspiel nur zu einem Remis gereicht. Trotzig betonte Batista, dass sein Projekt ohnehin langfristig angelegt sei. „Oberste Priorität hat die WM 2014 in Brasilien“, sagte er. Und: „Ich denke nicht daran, meinen Hut zu nehmen.“

Derweil dürfte Messi froh sein, bald wieder im Flieger in Richtung Europa zu sitzen. In seiner Wahlheimat Spanien erwarten sie ihn bereits mit offenen Armen. Ungläubig hatten sie dort verfolgt, wie die Argentinier mit ihrem Star umgehen. Und so schrieb die katalanische Zeitung „El Periodico de Catalunya“: „Gebt ihn uns so unbeschädigt wie möglich zurück. Und hört auf, den armen Jungen zu malträtieren.“