Millionen-Transfers

Scheich aus Katar will FC Malaga ganz groß machen

Nach Ruud van Nistelrooy, Martin Demichelis und Joris Mathijsen soll nun Wolfsburgs Diego im Rosengarten des spanischen Erstligisten FC Malaga anheuern.

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Wie ein Prinz dürfte sich Joris Mathijsen gefühlt haben. Oder wie ein Popstar. 5000 Fans feierten den früheren Verteidiger des Hamburger SV bei seiner Vorstellung im Estadio La Rosaleda (Rosengarten) von Malaga enthusiastisch; ein 31-jähriger Niederländer wird in Andalusien bejubelt. Doch die Euphorie fußt nicht nur auf der Ankunft des kantigen WM-Zweiten.

Der FC Malaga gibt sich derzeit alle Mühe, berühmter zu werden als die nach dem Ort benannte Eissorte. Wie auf diese weingetränkten Rosinen im Malaga-Eis, stößt der Klub jede Woche auf einen neuen Spieler, der ins Portfolio passen könnte. 60 Millionen Euro wurden seit Sommer 2010 schon investiert. Und alle paar Tage folgt ein neuer Transfer – oder zumindest ein halbwegs plausibles Gerücht. Aktuell heißt es, der Vater des in Wolfsburg in Ungnade gefallenen Brasilianers Diego soll schon über den Wechsel seines Sohnes verhandeln, für den der VfL zehn Millionen Euro fordert. Doch das dürfte kein Problem sein. Der FC Malaga ist ein gallisches Dorf im von der Wirtschaftskrise hart getroffenen Spanien.

Zaubertrank aus Katar

Den Zaubertrank bekommt der Klub seit Juni 2010 aus Katar. Von Scheich Abdullah Bin Nasser Al-Thani. Spross der Al-Thani-Familie, an deren Spitze Scheich Hamad Bin Khalifa Al-Thani steht. Der Emir von Katar, Herrscher über das Land mit dem drittgrößten Erdgasvorkommen der Welt.

Scheich Abdullah, Cousin des Emirs, kaufte den FC Malaga für 36 Millionen Euro von Fernando Sanz, dem Sohn des früheren Präsidenten von Real Madrid . Doch es brauchte erst den 18. Platz in der Primera Division, Spaniens erster Liga, um die Schatulle weit zu öffnen. Im November 2010 holte Vizepräsident und Geschäftsführer Abdullah Ghubn Trainer Manuel Pellegrini – der Chilene hatte zuvor Real Madrid trainiert –, im Winter kamen dann Julio Baptista vom AS Rom für die Offensive und Martin Demichelis vom FC Bayern für die Defensive. Am Ende erreichte Malaga, dessen größter Erfolg der Gewinn des Intertoto-Cups 2002 ist, Platz elf – und die Einkaufstour des Scheichs Abdullah ging weiter. Er kennt sich damit aus, der Milliardär besitzt ein Shopping-Center-Imperium.

Van Nistelrooy kam als Erster

Zunächst kam Stürmer Ruud van Nistelrooy ablösefrei vom Hamburger SV – großer Name, großes Gehalt, 35 Jahre alt. Ihm folgten Linksverteidiger Nacho Monreal von CA Osasuna für sechs Millionen Euro, Mittelfeldspieler Diego Buonanotte vom gerade abgestiegenen Klub River Plate aus Buenos Aires für vier Millionen, Rechtsaußen Joaquin vom FC Valencia für ebenfalls vier Millionen, Joris Mathijsen für zweieinhalb Millionen und zuletzt der defensive Mittelfeldspieler Jeremy Toulalan von Olympique Lyon für zehn Millionen.

Bei den Transfers lässt Ghubn sich keineswegs über den Tisch ziehen. Valencia wollte für Joaquin sechs Millionen Euro Ablöse. Ghubn bot zwei. Am Ende wurden es vier. Die Eigentümer wollen den Eindruck vermeiden, ein Manchester City Andalusiens aufzubauen. Der Klub schließt Abkommen mit Vereinen aus der Umgebung, dort sollen junge Spieler geparkt werden. Ein neues Stadion soll entstehen. Pläne für eine Nachwuchsakademie liegen in der Schublade. 120.000 Quadratmeter Land wurden schon gekauft. Der Klub wirbt auf der Brust für die Unesco. Für vier Jahre.

Der Emir hat weiter seine Finger drin

Ein neuer Fernsehvertrag soll auch her, aber mit kürzerer Laufzeit. „Wir befinden uns schließlich gerade im Umbruch“, ließ Ghubn verlauten, der eine baldige Wertsteigerung seines Produkts FC Malaga erwartet. Die Rechte sollen deshalb in der Familie bleiben und an Al-Dschasira verkauft werden – den Sender von Cousin Hamad Bin Khalifa Al-Thani. Der Emir hat auch dort wieder seine Finger drin, wie mittlerweile fast überall im Weltsport.

Al-Dschasira hat sich schon die Übertragungsrechte an Frankreichs erster Liga gesichert. Die Familie Al-Thani hat 70 Prozent am Klub Paris St. Germain übernommen. Außerdem wirbt die Bildungsstiftung Katars von der neuen Saison an auf den Trikots des FC Barcelona. Der Verein hatte seine Brust nie zuvor kommerziell vermarktet, doch 30 Millionen Euro jährlich machen ein Abrücken von den Prinzipien verständlich. Im Sommer 2022 kommt dann die Fußball-WM in den Zwergstaat, nebenbei gastiert 2015 die Handball-WM dort.

Dagegen wirken die in Malaga investierten Millionen fast unbedeutend und bescheiden. Doch die angestrebten Ziele sind groß: Der Klub will möglichst bald die Vorherrschaft der zwei Großen in Spanien, FC Barcelona und Real Madrid, beenden. Manager Ghubn sagte kürzlich: „Die Leute werden vom ‚Clasico’ bald gelangweilt sein.“