Fußball-WM 2014

Klose zieht mit Ronaldo gleich und rettet Deutschland

Ein Salto zum Rekord bei Deutschland gegen Ghana - Miroslav Klose schoss sein 15. WM-Tor und zieht mit Rekordtorjäger Ronaldo gleich.

Miroslav Klose hat sich nicht einmal beschwert. Nicht, als er im Test gegen Kamerun nicht eingesetzt wurde. Nicht, als er im WM-Auftaktspiel 90 Minuten auf der Bank zuschauen musste. Auch gegen Ghana saß Klose zunächst draußen. Nach 70 Minuten des zweiten WM-Spiels begann dann für den Routinier das Turnier in Brasilien. Und mit seiner ersten Ballberührung zeigte Klose, warum er Legenden-Status in Deutschland genießt. Der Torjäger von Lazio Rom, vor wenigen Tagen 36 Jahre alt geworden, stand da, wo ein Torjäger stehen muss: Im Fünfmeterraum.

Klose ahnte, wohin die Kopfball-Verlängerung von Benedikt Höwedes fliegen würde, mit einem langen Schritt hechtete er und schaufelte den Ball aus einem Meter ins Tor – es war das erlösende 2:2. Ein Remis, mit dem Deutschland die erste WM-Pleite verhindert hat. Mit vier Punkten führt das Team von Bundestrainer Joachim Löw weiter die Gruppe G an.

Klose wagte sich an eine Übung aus den Anfängen seiner Karriere, den Klose-Salto. „Ich weiß gar nicht, wie lange ich das nicht mehr gemacht habe“, sagte er später. „So ganz gelungen ist der Salto nicht.“ Der Anlass indessen war gegeben. Klose spielt seine vierte WM, es war sein 20. WM-Einsatz – und er erzielte sein 15. WM-Tor. Damit hat er zu Ronaldo aufgeschlossen. Der Brasilianer und der Deutsche führen die ewige WM-Torschützenliste mit je 15 Treffern an. „20 Spiele, 15 Kisten, das ist nicht schlecht“, sagte Klose. „Aber wichtig ist, dass wir im letzten Gruppenspiel gegen die USA eine gute Leistung bringen.“

Hinzukommt: Klose erzielte sein 15. WM-Tor und zog mit Rekordhalter Ronaldo gleich. Sogar Google widmete dem Fußballer ein Doodle mit dem Stichwort: „Ein Salto zum Rekord bei Deutschland gegen Ghana“.

Den Siegtreffer auf dem Fuß

Damit nicht genug. Der Oldie im deutschen Team hatte in der Schlussminute sogar noch den Siegtreffer auf dem Fuß. Klose wurde an der Strafraumgrenze freigespielt, zog sofort mit rechts ab – doch der Ball ging vorbei. Nach der Partie schüttete Klose eine Flasche Wasser im Handumdrehen herunter. Bundestrainer Löw kam vorbei und gratulierte, strich ihm dabei dankbar über den Kopf.

Wie auch im ersten Gruppen-Spiel gegen Portugal hatte sich gegen Ghana bestätigt, dass es mehr als eine gute Startformation braucht, um erfolgreich durch diese WM zu gehen. Der Bundestrainer sagte über die eingewechselten Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose: „Beide haben das Spiel belebt. Miro hat das Tor gemacht, er hat im Training in den vergangenen Tagen schon einen guten Eindruck gemacht.“

Klose berichtete, dass er sich eigentlich gewünscht hätte, unter anderen Umständen eingewechselt zu werden. „Eigentlich will man reinkommen, wenn die Mannschaft vorne liegt. Aber das war nicht so. Ghana hat Hacke, Spitze, eins, zwei, drei gespielt – und denen ist in der Phase alles gelungen.“ Also hieß seine Marschroute: „Wenn ich reingehe, will ich das Spiel umbiegen. Aber bei der Hitze wusste ich, dass das nicht einfach wird.“

Kampf um die klassische Neun

Damit war die deutsche Mannschaft mit beiden Systemen erfolgreich. Mario Götze hatte für die Führung gesorgt, als die DFB-Auswahl mit der sogenannten „falschen Neun“ gespielt hatte. Nach dem Rückstand stellte Löw die Taktik um und brachte Klose, der prompt sein 70. Länderspiel-Tor erzielte.

ARD-Experte Mehmet Scholl verteidigte den Berufsstand des Stürmers. „Ich weiß, dass die Neun im deutschen Fußball auf der Kippe steht. Aber meiner Meinung nach braucht man diese Stürmer auch heute. Klose kann den Ball mit dem Rücken zum Tor annehmen. Miro ist unglaublich gefährlich, mit dem Fuß und kopfballstark.“ Klose beendete den Abend, wie es seinem Naturell entspricht: ruhig. Auf die Frage, ob er nun Ansprüche auf die Startelf stelle, sagte er: „Ich habe ein Superverhältnis zum Trainer. Wir sprechen viel. Ich helfe, wo ich kann. In der Startelf oder, wenn ich von der Bank komme. Es geht um die Mannschaft.“