Das war ein beeindruckender Start. Eine kompakte deutsche Mannschaft, vornweg Thomas Müller. Der ist ein Phänomen. Manchmal sieht es ungelenk aus, tollpatschig, wie er sich bewegt. Aber er ist da, wo er stehen muss. Eiskalt. Acht WM-Tore bei sieben WM-Spielen – das ist eine Quote, die man kaum erklären kann.

Ich finde, Deutschland hat das insgesamt gut gemacht. Bei den klimatischen Bedingungen in Brasilien ist es wichtig, nicht in Rückstand zu geraten. Die Abwehrkette, bestehend aus vier Innenverteidigern, war eine gute Idee. Das signalisiert dem Gegner: Hier wartet richtig viel Zweikampf-Qualität, Robustheit und Kopfballstärke.

Davor im Mittelfeld und Angriff stecken unglaubliche Offensivfähigkeiten. Ob Toni Kroos oder Mesut Özil, die sind immer für Überraschungen gut. Davor Mario Götze und Müller, die im Zentrum gefährlich sind. Das ist variabel und schwer auszurechnen.

Ich verstehe, dass Portugal mit dem Schiedsrichter hadert. Aber nur für die Elfmeter-Situationen. Wenn er den ersten für Deutschland pfeift, dann muss er auch den in der zweiten Hälfte für Portugal geben – oder beide Situationen laufen lassen.

Die Rote Karte hat sich Pepe selbst zuzuschreiben. Nicht für die erste Szene, als er Müller mit der Hand im Gesicht trifft. Das ist eine Ausholbewegung beim Laufen, das kann passieren. Trotzdem bleibt es für den Gegenspieler ein Schlag ins Gesicht. Wenn Müller dann am Boden sitzt, muss Pepe da nicht hingehen und eine Mischung aus angedeutetem Kopfstoß und ins Ohr gebrüllten Beleidigungen abziehen. Der Schiedsrichter hatte die Szene zuvor ja nicht unterbrochen. Für den zweiten Teil gab es zu Recht Rot.

Das war die Schlüsselszene. 0:2-Rückstand. Und bei der Mittagshitze in Salvador schon in der ersten Hälfte mit einem Mann weniger auf dem Platz - damit war Portugal der Wind aus den Segeln genommen. Von da an hat mir auch Ronaldo nicht mehr den Eindruck gemacht, als ob er noch richtig Lust hatte. Da es das erste Turnierspiel war, verstehe ich, dass die deutsche Mannschaft sich nach der Pause etwas zurückgenommen hat. Da war Ballkontrolle wichtig. Und trotzdem gab es in der Offensive weiter Gelegenheiten.

Diese Vorstellung wird Schwung geben. Deutschland reitet jetzt, wie Holland, auf einer Welle. Team und Trainer können sich in Ruhe auf das Spiel gegen Ghana vorbereiten. Deutschland gehört klar zum Favoritenkreis mit Holland, Brasilien und für mich weiter auch Spanien.

Eines noch: Habe mich riesig gefreut für Mannschaftskollege John Brooks. John ist so jung und schon bei einer WM dabei. Er wird eingewechselt, köpft das Siegtor für die USA – was für ein Erlebnis. Das wird er sein Leben lang nicht vergessen. Toll.

Fabian Lustenberger, Kapitän von Hertha BSC und Schweizer Nationalspieler, schreibt als Kolumnist für die Berliner Morgenpost über die WM in Brasilien.