Wie von allen Fußball-Göttern verlassen stand Otto Rehhagel nach dem Abpfiff am Spielfeldrand. Sein Gesicht sprach Bände, sein Blick verriet puren Ärger über die schwache Vorstellung seiner Mannschaft. Nichts war’s mit dem ersten Sieg oder zumindest dem ersten Punkt oder Tor der Griechen bei einer WM. Stattdessen könnte das 0:2 (0:1) gegen Südkorea zum Vorrunden-Auftakt des Turniers in Südafrika der Anfang vom Ende des ersten Gastspiels von „König Otto“ auf der ganz großen Fußball-Bühne gewesen sein.
Für seine Verhältnisse äußerst kleinlaut und defensiv analysierte der 71 Jahre alte Nationalcoach der Griechen die Auftaktpleite. Umso lauter dürfte jedoch in den kommenden Tagen die Kritik in den griechischen Medien ausfallen. Rehhagel suchte nach Erklärungen und entgegnete den Spekulationen um das Vorrunden-Aus mit seinem Standardsatz: „Im Fußball ist alles möglich.“
Alles spricht jedoch im Grunde gegen die Griechen: die Leistung gegen die Asiaten und auch die kommenden Gegner. Denn die heißen wie schon bei der WM-Blamage vor 16 Jahren am kommenden Donnerstag in Blomfontain Nigeria (0:2 bei WM 1994) und zum Vorrunden-Abschluss Argentinien (0:4).
Doch Rehhagel zeigte sich im Gegensatz zu seinen Spielern kämpferisch, den Fragen nach den Baustellen im Team wich der Trainer-Oldie jedoch aus. Zu viele Schwachpunkte offenbarte der Europameister von 2004, um unter seinen zahlreichen Fans auch nur einen Hauch Hoffnung zu wecken.
Bieder, langsam und statisch wirkte das Spiel der Griechen gegen ballgewandte, wendige und schnelle Südkoreaner, die den Luftkampf mieden und auch nach den Toren von Park Chu-Young (7.) und Kapitän Park Ji-Sung (52.) von Manchester United auf dem Boden blieben. „Das war noch nicht perfekt, aber wir haben die Erwartungen erfüllt“, meinte Trainer Huh Jung Moo nach dem ersten WM-Sieg von Südkorea über ein europäisches Team außerhalb seiner Landesgrenzen.
Dass es ausgerechnet gegen seine Griechen gelang, wurmte Rehhagel sichtlich. „Mit dem ersten Gegentor haben wir ihnen in die Karten gespielt. Dann folgte der kapitale Fehler zum 0:2. Damit haben wir den Gegner aufgebaut“, meinte der einstige Bundesliga-Profi und Meistertrainer und ergänzte: „Wir wissen, dass wir hier auf die besten Mannschaften der Welt treffen. Die wissen alle, wie es geht. Da kann der kleinste Fehler entscheiden.“
Ratlos und enttäuscht schlichen seine Verlierer nach dem Abpfiff in die Kabine. „Wir haben die Tore immer zum schlechtesten Zeitpunkt bekommen. Fußball muss Spaß machen, und den haben wir nicht gehabt“, sagte Stürmer Angelos Charisteas vom 1. FC Nürnberg, der ebenso blass blieb wie der Neu-Frankfurter Theofanis Gekas und erst in der Schlussphase bei einem halbherzigen Aufbäumen der Griechen zu einer Chance kam.
„Mit einem bisschen mehr Ruhe hätten wir das eine oder andere Tor mehr erzielen können“, stellte Südkoreas Coach Huh Jungh-Moo treffend fest und machte seiner Mannschaft Mut für das kommende Gruppenspiel am Donnerstag in Johannesburg gegen Argentinien. „Wir werden versuchen, gegen sie zu gewinnen, doch die Entscheidung wird im Spiel gegen Nigeria fallen. Da wollen wir alles klar machen. Wichtig ist, dass wir den ersten wichtigen Schritt in Richtung Achtelfinale gemacht haben“, sagte der Freiburger Du-Ri Cha.
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