Es war keine einfache Angelegenheit für die Zuschauer im Stadion von Port Elizabeth. Für wen sollten sie halten? Die logische Wahl besagte die Elfenbeinküste – afrikanische Solidarität wird hier dieser Tage groß geschrieben. Doch auf der anderen Seite stand Cristiano Ronaldo. Bereits als sein Name vor dem Spiel verlesen wurde, ging ein Jubelchor durch die Arena, gegen die kein Vuvuzela-Orchester dieser Welt etwas ausrichten hätte können.

Letztlich entschieden sich die Zuschauer dann diplomatisch: für beide. Sie waren für die Elfenbeinküste wie für Ronaldo, und vertrieben sich so die Zeit beim zweiten 0:0 dieser erschreckend torarmen Weltmeisterschaft.

Wer in Erfahrung bringen wollte, warum in Südafrika bislang so wenige Treffer gefallen sind, bekam gestern bestes Anschauungsmaterial geliefert. Es war nicht direkt ein schlechtes Spiel, es hatte Tempo und war taktisch auf hohem Niveau. Aber bei beiden Mannschaften regierte die Angst vor der Niederlage über die Lust am Risiko, wie die Trainer hinterher fast wortgleich zugaben.

„Ich bin sehr stolz auf unsere gute Organisation, wenn man gegen eine Mannschaft wie Portugal mit seinen Spielern frenetisch attackiert, werden sie dich töten“, sagte Sven-Göran Eriksson für die Elfenbeinküste. „Wir mussten vorsichtig und intelligent spielen, denn ein verlorener Ball oder ein verlorenes Tackle hätte bei ihren schnellen Spielern sofort große Gefahr heraufbeschworen“ – so klang derselbe Gedanke bei Portugals Coach Carlos Queiroz.

Uneinig waren sich beide lediglich über die offensiven Meriten, welche trotz der gegenseitigen Abschreckungspolitik zu verzeichnen waren. „Wenn jemand den Sieg verdiente, dann wir“, erklärte Eriksson. „Das einzige Team, das hier versucht hat zu gewinnen, war Portugal“, entgegnete Queiroz.

Nun, zumindest hinsichtlich der Anfangsphase hatte er Recht. Da kamen die Zuschauer aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, so unmittelbar schwang sich Ronaldo zum Hauptdarsteller auf. Seine stärkste Szene: In der 11. Minute schüttelte er mit einer gekonnten Ballannahme seine Gegenspieler ab und drosch den Ball aus 30 Metern an den Pfosten. Wie zuletzt auch dem Argentinier Lionel Messi, mit dem er sich hier um den Status als weltbester Fußballer duellieren möchte, fehlte ihm also nur das Glück im Finish.

Ronaldo schlug die Hände über dem Kopf zusammen, seine seit dem 11. Februar 2009 andauernde Torflaute in der Nationalelf hielt an. Weiter entmutigt wurde er neun Minuten später durch den Referee Jorge Larrionda aus Uruguay. In einer seiner vielen merkwürdigen Entscheidungen zeigte der ihm wegen Meckerns die Gelbe Karte – obwohl ihn zuvor gleich mehrere Ivorer freistoßwürdig drangsaliert hatten. „Manchmal verstehe ich die Schiedsrichter auch nicht“, sagte Ronaldo hinterher.

Für Erikssons Sichtweise sprach derweil, dass sich seine Ivorer fortan ein gewisses Übergewicht erspielten. Die erste größere Torchance gab es allerdings erst zu Beginn der zweiten Halbzeit, als der starke Gervinho nach einem Solo über links seinen Schuss am langen Pfosten vorbei setzte (47.). Richtig laut wurde es unter den 37.704 Zuschauer wieder, als Eriksson in der 66. Minute sein erstes Revirement vornahm.

Didier Drogba kam für Salomon Kalou, der größte afrikanische Star, der die WM nach seinem Ellbogenbruch im Testspiel gegen Japan schon abgesagt hatte, ehe eine gelungene Operation schnell die Heilung einleitete – jetzt stand er wirklich auf dem Platz. „Ich sagte zum Trainer: ‚Wenn er mich braucht, bin ich da’“, erklärte Drogba. Es blieb allerdings bei einer eher protokollarischen Präsenz, nennenswerter Einfluss auf das Spielgeschehen blieb ihm bis auf eine verpasste Chance in der Nachspielzeit verwehrt.

So ging die Partie dann zu Ende: Keine Tore, zwei frustrierte Stars – und die Erkenntnis für beide Teams, in der schweren Gruppe G mit Brasilien nicht gewonnen zu haben. Aber auch nicht verloren, und das war allen an diesem verregneten WM-Nachmittag bedeutend wichtiger.

sid/fb