Morgenpost Online: Herr van Bommel, die deutsche Mannschaft startete beim 4:0 über Australien mit einer Gala, die Niederländer mit einem glanzlosen Arbeitssieg in das Turnier. Verrückt, oder?

Mark van Bommel: Damit hätte sicher niemand gerechnet. Aber wie die Deutschen haben auch wir unser Spiel am Ende gewonnen. Es war sicher schwierig, bei uns lief nicht alles rund, aber darauf kommt es auch nicht an. Das Ergebnis zählt, und das war positiv. Wenn es so bleibt, dann bin ich zufrieden.

Morgenpost Online: Haben Sie den Auftritt der DFB-Auswahl verfolgt?

Van Bommel: Ja, und ich habe es genossen. Die Deutschen haben sehr gut gespielt, das war hervorragend, was sie gezeigt haben. Mittlerweile haben fast alle WM-Teilnehmer ihre Visitenkarte abgegeben und man muss ganz einfach sagen, dass Deutschland den stärksten Eindruck gemacht hat. Meiner Meinung nach sind sie jetzt der große Favorit auf den Titel.

Morgenpost Online: Ist der Bayern-Block mit sieben Münchnern im Kader das Erfolgsgeheimnis?

Van Bommel: Es ist immer ein Vorteil, wenn man in der Nationalmannschaft auf einen Block setzen kann. Die Spieler kennen sich, sind aufeinander abgestimmt. Und letztlich waren die Bayern-Jungs am Sieg entscheidend beteiligt. Ich freue mich vor allem für Miro Klose, der ja im Vorfeld einen schweren Stand hatte, über den viel diskutiert wurde in der Presse. Aber er ist überzeugt von seiner Qualität und hat diese bei seinem Tor unter Beweis gestellt.

Morgenpost Online: Mit Thomas Müller hat ein weiterer Bayern-Profi getroffen…

Van Bommel: ...das hat er gut gemacht, keine Frage. Aber mir ist in diesem Moment spontan eingefallen, dass er im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand (0:2, d. Red.) eine viel größere Chance ausgelassen hat. Das habe ich ihm nach dem Spiel in einer SMS geschrieben.

Morgenpost Online: Aber Sie haben sich dennoch für Müller gefreut, oder?

Van Bommel: Klar. Thomas setzt bei der WM dort an, wo er beim FC Bayern aufgehört hat. Vor einem Jahr hat der Junge noch bei den Bambinos gespielt, wie er selbst sagt. Und jetzt ist er reif, der Shootingstar dieses Turniers zu werden.

Morgenpost Online: Sie kennen ihn gut, was zeichnet Müller aus?

Van Bommel: Das ist einfach zu beantworten: Thomas zieht einfach sein Ding durch, er hat keine Angst und macht sich über nichts Gedanken. Ich denke, das ist eine große Stärke.

Morgenpost Online: Zurück zu Ihrer Mannschaft. War der Erfolg über Dänemark schon das Ticket für die K.o.-Runde?

Van Bommel: Es wäre fatal, das zu glauben. Mit Japan und Kamerun liegen zwei schwierige Aufgaben vor uns. Wir dürfen diese Gegner auf keinen Fall unterschätzen. Sonst können wir nach der Gruppenphase die Koffer packen. Wir haben sicher die bessere Mannschaft, aber das allein ist keine Garantie. Jeder muss 100 Prozent geben, um zu bestehen.

Morgenpost Online: Arjen Robben hat am Dienstag zum ersten Mal mit der Mannschaft trainiert und zusätzlich ein individuellen Programm absolviert. Wann steht er wieder zur Verfügung?

Van Bommel: Das muss unser Trainer entscheiden. Aber wir sind natürlich alle froh darüber, dass Arjen so schnell zurückgekommen ist. Alle 32 Teilnehmer hätten gern einen Spieler wie ihn in ihren Reihen – und wir haben ihn.