Arne Friedrich ist dieser Tagen nur eines: zufrieden mit sich und dem, was gerade um ihn herum passiert. Kein Wunder. Er, der 31 Jahre alte Verteidiger, der im deutschen Nationalteam jahrelang als Prototyp eines Mitläufers und Lückenbüßers galt, ist in der Elite-Auswahl endlich angekommen. Wenn Deutschland am Sonntag bei der WM das erste Vorrundenspiel gegen Australien bestreitet, muss sich Friedrich nicht überlegen, welcher Platz auf der Ersatzbank der Seine ist. Denn er wird in der Innenverteidigung neben Per Mertesacker spielen.

Den Status, gesetzt zu sein, hat er sich in der Vorbereitung erarbeitet. Er zeigte gute Leistungen und überzeugte den Bundestrainer auch mit Führungsqualitäten. Joachim Löw setzt in Deutschlands junger Mannschaft ausdrücklich auf die Routine des 70-maligen Nationalspielers, der doch mit Hertha BSC aus der Bundesliga abstieg und infolge einer derart leidlich verkorksten Saison "mit keinen großen Erwartungen" zur Vorbereitung gereist war. Nun aber steht er hoch im Kurs. Obwohl sich Friedrich auf Grund der Erfahrungen aus der Vergangenheit eigentlich schon daran gewöhnt hatte, von den Experten nicht so hoch gehandelt zu werden.

Mit Mertesacker, lässt Friedrich wissen, verstehe er sich gut – auf dem Platz und außerhalb. Man passe gut zusammen, da bedürfe es auch keiner Rangfolge, wer denn nun der Abwehrchef sei: "Wir sind beide in der Lage, voran zu gehen." Zweimal haben sie bislang als Duo agiert: in Ungarn (3:0) und gegen Bosnien-Herzegowina (3:1). Der dritte Streich folgt nun in Durban. Bis dahin bleibt noch Zeit sich einzuspielen – und in Südafrika besser einzuleben, ohne den Kontakt in die Heimat abreißen zu lassen.

Ein neues Mobiltelefon als Geschenk eines Sponsors an jeden Nationalspieler macht es möglich. Gerade Friedrich ist derzeit auf ein funktionierendes Mobilfunknetz angewiesen, das allerdings rund um das Teamquartier noch längst nicht immer wie vorgesehen seinen Dienst tut. Noch immer ist unklar, wo er in Zukunft spielen wird. Hertha, so viel steht fest, wird es nicht mehr sein. Leverkusen hat schon abgewinkt. Hamburg wähnt sich noch im Rennen, der Favorit heißt Wolfsburg. Der Name Friedrich stehe auf der Liste, bejaht VfL-Manager Dieter Hoeneß, aber man wolle und werde eine Verpflichtung nicht überstürzen. Und das, obwohl Hoeneß gleichzeitig einräumt, dass Friedrich "im Moment aus dem Nationalteam nicht wegzudenken", seine Verhandlungsposition also eine gute ist.

Aber auch Herthas Ausgangslage ist eine bessere geworden: Je exponierter Friedrichs Rolle in Südafrika ist, desto mehr und zahlungskräftiger werden die an seinen Diensten interessierten Klubs – und desto leichter tut Hertha sich damit, die Option zu ziehen, die Friedrich über den 30. Juni hinaus erst gegen Ablöse abkömmlich macht. "Eine Entscheidung", sagte Manager Michael Preetz der Berliner Morgenpost, "brennt uns nicht unter den Nägeln."

LaGa/lw/sto