Rund zehn Minuten vor Ende des Champions-League-Halbfinals zwischen den Füchsen Berlin und dem SC Magdeburg nahm Mathias Gidsel Dejan Milosavljev in den Arm. Das Spiel war gerade unterbrochen, im Duell der erbitterten Rivalen stand es 32:32. Und da standen sie nun Arm in Arm, der Welthandballer und der Berliner Torhüter. Einer von beiden, das war klar, würde es jetzt für die Füchse entscheiden müssen.
Und, sieh an: Es wurde Milosavljev. Lange bekam der Keeper an diesem Samstagnachmittag in der Kölner Lanxess Arena kaum einen Finger an den Ball. Aber dann, kurz nach der Umarmung Gidsels, gelangen ihm vier große Paraden in Folge. Sie waren der Grundstein eines 6:0-Laufs zum Einstieg in die Schlussphase, der den Füchsen schließlich zum 40:35 (19:17) gegen Magdeburg verhalf.
Handball-Champions-League: Füchse Berlin zwingen den SC Magdeburg in die Knie
„Beide Teams waren sehr nah beieinander. Das Einzige, was wir, genauso wie Magdeburg, gebraucht haben, war eine gute Torwartleistung in den letzten zehn Minuten“, sagte Füchse-Trainer Nicolej Krickau: „Und glücklicherweise haben wir die bekommen.“

Milosavljev selbst sagte: „Als ich von der Bank zurückkam, wusste ich: Ich muss alles auf die Platte bringen. Viele Emotionen, viel Druck – alles, was möglich ist.“ Der Füchse-Fanblock, mit neongrünen Hüten in der gleichen Signalfarbe gekleidet wie die Berliner Spieler in ihren Sondertrikots anlässlich des Final Four, feierte seinen Torhüter noch weit nach Schlusspfiff mit „Milo, Milo“-Sprechchören.
Milosavljev bekommt das größtmögliche Abschiedsspiel bei den Füchsen
Nach diesem Wochenende wird der Serbe die Berliner verlassen und sich Industria Kielce anschließen. Doch zuvor bekommt er nun am Sonntag noch das größtmögliche aller Abschiedsspiele: das Finale der Königsklasse.
Nils Lichtlein war der Schlüssel.
Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, über die Angriffsleistung gegen Magdeburg.
Gegner wird der FC Barcelona um Superstar Dika Mem, der 2027 zu den Füchsen wechseln wird. Die Katalanen setzten sich im zweiten Halbfinale mit 37:32 nach Verlängerung gegen Aalborg durch. Für die Berliner sind sie jetzt die letzte Hürde vor dem ersten Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte. Dann wird es selbstredend nicht nur auf Milosavljev ankommen, sondern vor allem auch auf ein starkes Kollektiv.
Das hatte sich auch schon beim Halbfinaltriumph gegen Magdeburg in exzellenter Verfassung präsentiert. Für den Sieg ursächlich waren schließlich nicht nur Milosavljevs Paraden in der Schlussphase, sondern auch vierzig eigene Treffer im Angriff.
„Entschlossenheit, Klarheit und eine ganz geringe Fehlerquote“
Krickau war nach Spielschluss begeistert über die herausragende Trefferausbeute. „Wir hatten Entschlossenheit, Klarheit und eine ganz geringe Fehlerquote“, sagte der Berliner Trainer. „Mit dieser Entschlossenheit und Klarheit kommen eben weniger technische Fehler. Das war auf einem ganz hohen Niveau heute.“
Geschäftsführer Bob Hanning adelte angesichts der spektakulären Angriffsleistung vor allem ein Eigengewächs: „Nils Lichtlein war der Schlüssel. Er hat nicht nur das Spiel gesteuert, sondern ist auch mit Druck in die Situationen gegangen und hat damit die anderen natürlich auch ein Stück mehr entlastet.“
Berliner Angreifer überzeugen im Kollektiv
In der Tat präsentierte sich der Rückraum äußerst ausgewogen im Torabschluss. Regisseur Lichtlein selbst steuerte fünf Treffer bei. Seine Nebenleute Lasse Andersson und Gidsel bekamen dadurch Raum für sieben bzw. neun eigene Tore.
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Doch weil eben die ganze Mannschaft als ein geschlossenes Gesamtkonstrukt überzeugte, hörte es nicht einmal beim Rückraum auf mit der Torgefahr. Bisweilen war das Spiel der Füchse auch in dieser Saison wieder sehr rückraumlastig. Im Halbfinale von Köln war der Ballfluss aber die größte Stärke des Berliner Angriffs, sodass immer wieder auch die Außen in gute Abschlusspositionen kamen – die es ihren Teamkollegen beide mit einer hundertprozentigen Trefferquote dankten. Tim Freihöfer erzielte acht Tore, Hakun West av Teigum fünf.
Füchse auch im Finale der EHF Youth Club Trophy
„Was Tim und Hakun da auf Außen gemacht haben: Ich habe keine Ahnung“, sagte Hanning freudetrunken. Seine Füchse hatten Magdeburg über die gesamte Spieldauer hinweg in allen Facetten unter Druck gesetzt: mit unterschiedlichen Torschützen, mit wechselnden Abwehrformationen, mit variablem Angriffsvortrag. So knickte der Titelverteidiger in der Schlussphase ein und die Füchse freuten sich über die geglückte Revanche für das im vergangenen Jahr verlorene Endspiel gegen den SCM (26:32).
Nun werden die Berliner selbst am Sonntag nach dem Champions-League-Pokal greifen. Und der ist nicht einmal die einzige Trophäe, die die Füchse an diesem Wochenende in Köln in Aussicht haben. Auch die von Geschäftsführer Hanning trainierte U18-Auswahl der Berliner spielt am Sonntag um einen Titel, in der sogenannten „EHF Youth Club Trophy“.
Doppel-Endspiel für die Berliner am Sonntag
In dieser Art Nachwuchs-Champions-League besiegten die Berliner am Samstagvormittag im Halbfinale die Veszprem Handball Academy überraschend deutlich mit 35:27. Hanning war angesichts dieser Leistung derart begeistert, dass er sich an die Jugendzeiten von Lichtlein, Freihöfer und Co. erinnert fühlte, die seine Füchse jetzt erneut ins Champions-League-Finale der Senioren geworfen haben.
„Das war ganz nah dran an dem, was unser goldener Jahrgang gespielt hat, in Form von Dynamik, Körperlichkeit und Willen“, sagte Hanning nach dem Jugendspiel. Am Sonntag bekommt die U18 für ihr Finale nun die große Bühne der Lanxess Arena. Um 11.30 Uhr spielen die Berliner gegen GOG aus Dänemark, ehe dann an gleicher Stelle um 18 Uhr die Profis folgen. Und so greifen sie beide nach Europas Krone: die jungen und die alten Füchse.



