Nur ein wenig hängende Köpfe hatten die Spieler der Füchse Berlin, dann waren sie ganz schnell wieder gefasst. Zwar verloren sie ein packendes Champions-League-Spiel gegen Industria Kielce nach einer dramatischen Schlussphase mit 31:33 (12:15). Dank der bereits geglückten Qualifikation fürs Viertelfinale ist die erste Niederlage dieses Kalenderjahres aber kein Grund für nachhaltige Griesgrämigkeit.

Es war ein großer Europapokal-Abend, weil die Max-Schmeling-Halle mit 8611 Zuschauern ungewöhnlich gut besucht war. Normalerweise sind Vorrundenspiele der Königsklasse in Berlin stimmungstechnisch eine eher unterkühlte Angelegenheit, der Zuschauerschnitt in der bisherigen Spielzeit lag bei nur knapp über 6000 Zuschauern.

Füchse Berlin gegen Kielce vor stimmungsvoller Kulisse

Gegen Kielce wurde das Hauptstadt-Publikum schon früh herausgefordert, was an vereinzelt strittigen Schiedsrichterentscheidungen und, vor allem, einem starken Gegner lag. Mijajlo Marsenic ruderte schon im ersten Durchgang immer wieder mit den Armen, um die heimischen Fans anzustacheln.

Das gelang zunächst nicht bis aufs Äußerste – doch das Spiel sollte noch eine Eskalationsstufe bereithalten, die dann auch die Zuschauer entsprechend mitriss.

Einzelmanndeckung gegen Gidsel

Zur Pause lagen die Berliner zunächst mit 12:15 zurück. Das musste zu diesem Zeitpunkt des Abends nicht zwingend als schlechte Nachricht aufgefasst werden, da Coach Nicolej Krickau das Spiel gegen Kielce ja vorab als guten Test bezeichnet hatte, um das eigene Niveau zu erhöhen.

Und ein Test wurde es vor allem deshalb, weil die Gäste Mathias Gidsel schon früh mit einer Einzelmanndeckung durch den französischen Nationalspieler Dylan Nahi bedachten. Beide gerieten in dieser Situation immer wieder körperlich aneinander, was die Gemüter in der Max-Schmeling-Halle erhizte. Gidsel selbst bewertete all das naturgemäß entspannt: „Ich kenne Nahi seit wir ganz jung waren, wir haben in der Jugend-Nationalmannschaft immer gegeneinander gespielt. Daher weiß ich, dass er immer aufs Mentale geht und ständig mit einem spricht. Ich habe da immer versucht zu grinsen, im mentalen Duell.“

Milosavljev erwischt keinen Glanztag

Das gelang dem Welthandballer naturgemäß gut, mit zehn Toren war er bester Berliner Schütze. Nicht so einen glücklichen Tag erwischte Füchse-Torwart Dejan Milosavljev, der im Duell mit Kielce auf seinen künftigen Arbeitgeber traf. Vor der Pause konnte er mit sechs Paraden nur wenige Akzente setzen. Nach der Pause kam zügig Lasse Ludwig für ihn in die Partie.

Da auch er aber nicht den Impuls zur Aufholjagd geben konnte, blieb das an diesem Abend Nicolej Krickau vorbehalten. Mitte des zweiten Durchgangs beorderte er sein Team aus dem gebundenen Spiel heraus in eine offene Manndeckung.

Langhoff: „Ich hatte zwischendurch Gänsehaut“

Die risikoreiche, offensivste aller Deckungsvarianten brachte den gewünschten Erfolg: Unmittelbar nach der Umstellung auf Manndeckung drehten die Berliner ein 21:25 in eine 26:25-Führung (48.). „Wir haben dadurch die Intensität zurückgewonnen, damit war ich sehr zufrieden“, sagte Krickau.

Nun lockerte auch das Berliner Publikum die letzten Handbremsen und drehte völlig frei. „Ich hatte zwischendurch Gänsehaut“, sagte Matthes Langhoff nach Schlusspfiff zur Atmosphäre. Vor dieser Kulisse verliefen die letzten Minuten nun im Wildwest-Stil, es ging mit atemberaubender Intensität hin und her. Doch das glücklichere Ende lag diesmal nicht bei den Füchsen.