Paul Drux schwebte über den Dingen. Schon den ganzen Abend, seit der Öffnung der Max-Schmeling-Halle zum Heimspiel der Füchse Berlin gegen den VfL Gummersbach. Am Fanshop gab es „Danke Paul“-Shirts zu kaufen, auf den Plätzen lagen Klatschpappen aus, die mit Drux‘ Gesicht bedruckt waren. Und dann, nach Abpfiff des 45:35 der Berliner, schwebte er wirklich über allem.

Drux stand mitten in der Halle auf einem gut drei Meter hohen Podest, und hatte Tränen in den Augen. Die Füchse hatten eine bewegende Abschiedszeremonie organisiert, die jedem Zuschauer in der mit 9000 Zuschauern ausverkauften Max-Schmeling-Halle ebenfalls das Wasser in die Augen trieb. Es war mittlerweile eine Stunde nach Abpfiff, und fast niemand war gegangen.

Füchse Berlin - VfL Gummersbach
Paul Drux stand während seiner Verabschiedung auf einem drei Meter hohen Podest.© picture alliance / contrastphoto | O.Behrendt

Füchse Berlin: Emotionaler Abschied von Paul Drux

Die Berliner verabschiedeten den wohl größten Spieler ihrer Vereinsgeschichte wegen seines viel zu frühen verletzungsbedingten Karriereendes mit Videobotschaften von Weggefährten, einer Lichtershow und einer bewegenden Laudatio von Frank Steffel.

„Wir sind alle voller Emotionen“, sagte der Füchse-Präsident. „Wir sind auf der einen Seite voller Stolz, und auf der anderen Seite wissen wir auch, wie schmerzhaft das für dich ist.“ Das war es wirklich, für alle sichtbar. Als Drux das Mikrofon bekam, suchte er nach Worten und wurde immer wieder von Fangesängen unterbrochen. Einmal schrie ein kleines Mädchen in die Stille zwischen seinen Sätzen „Wir lieben dich, Paul!“ – die Max-Schmeling-Halle eruptierte wie ein Vulkan und schrie vor Jubel auf.

Auch interessant

Fans feiern die Füchse-Legende

Drux bedankte sich fürsorglich bei jedem einzelnen Mitarbeiter, listete gewissenhaft die Abteilungen und prägende Persönlichkeiten des Klubs auf. Die Füchse verlieren den größten ihrer Zunft. Doch 2028, nach Bob Hannings Abtritt, wird er den Berliner Handball-Bundesligisten als Geschäftsführer übernehmen. „Es war eine aufregende Zeit. Und ich bin mir sicher: Das, was folgt, wird noch viel spannender“, sagte Drux, und auch dieser Satz versank im Jubel der Kulisse.

Es sagt viel, womöglich alles, über Drux aus, dass solch einfache Wörter den größten Jubel dieses Abends hervorriefen. Denn Handball gespielt wurde ja auch noch, und der Erfolg gegen Gummersbach war dabei nicht von ganz nebensächlicher Bedeutung. Die Füchse marschieren weiter in Richtung ihrer ersten deutschen Meisterschaft. Am Sonntag, dem letzten Spieltag dieser Saison, braucht es auswärts bei den Rhein-Neckar-Löwen (15 Uhr, Dyn) dafür nur noch einen Punkt.

Füchse Berlin kamen gegen Gummersbach schwer ins Spiel

Ein leichtes Unterfangen wird das allerdings nicht. Denn schon am Donnerstag war in der Anfangsphase erstmals seit Wochen die bleierne Last der riesigen Erwartungshaltung zu spüren, die ob der historischen Chance in allen Ecken der Handball-Hauptstadt präsent ist – und mit jedem Tag größer wird. „Man hat uns angesehen, dass dieses Spiel eine hohe Bedeutung für uns hatte“, erklärte Coach Jaron Siewert, der vor Anpfiff durch die Handball-Bundesliga als Trainer der Saison ausgezeichnet wurde.

Es gehört in diesem Jahr jedoch zu den großen Qualitäten seiner Mannschaft, dass sie sich auch von kleineren Schwächephasen nicht aus der Ruhe bringen lässt. Nach gut einer Viertelstunde kamen die Füchse ins Rollen: Der Angriff spielte mit dem gewohnten Selbstverständnis und auch Torwart Dejan Milosavljev kam mit einigen Paraden ins Spiel, wodurch sich Stück für Stück bis zum 22:15-Pausenstand ein Polster bildete.

Auch interessant

Berliner schaffen erneute Qualifikation für die Champions League

Auch die Verletzung von Lukas Herburger, der noch im ersten Durchgang ohne Gegnereinwirkung umgeknickt war, konnte die Berliner nicht aus dem Tritt bringen. So wurde in der zweiten Hälfte, angeführt vom wieder mal überragenden Mathias Gidsel (11 Tore), schnell deutlich, dass es an diesem Abend nicht schiefgehen würde. Die Füchse bleiben auf Meisterschaftskurs, jetzt fehlt nur noch ein letzter Sieg.

Die erneute Qualifikation für die Champions League war mit dem 45:35 ganz nebenbei auch noch besiegelt. Doch wirklich interessieren tat das keinen der Fuchse-Akteure an diesem Abend. Jetzt haben sie alle nur noch diesen letzten Schritt im Blick, am Sonntag bei den Rhein-Neckar Löwen.

Wobei – nicht so ganz alle. Drux erwähnte in seiner Abschiedsrede die Meisterschaft nicht mit einer Silbe. Und schaffte es eben trotzdem, ohrenbetäubende Jubelstürme in der Max-Schmeling-Halle auszulösen. „Bleibt, wie ihr seid“, rief er der Menge zum Abschied entgegen. Und zeigte damit, was bei aller Jagd nach sportlichen Erfolgen doch wirklich wichtig ist bei den Füchsen Berlin.

Mehr über die Füchse Berlin lesen Sie hier.