Die Tränen kamen so zuverlässig wie seine Tore. Hans Lindberg stand in der Mitte der Max-Schmeling-Halle und nahm Abschied. Von den Füchsen Berlin. Von der Handball-Bundesliga. Von seiner Karriere in Deutschland. Nach achteinhalb Jahren stand der 42-Jährige am Donnerstagabend zum letzten Mal im heimischen Fuchsbau auf dem Feld. Am Ende der Saison ist Schluss, der Däne geht zurück in seine Heimat.
„Es fällt schwer, Worte zu finden“, versuchte sich Füchse-Präsident Frank Steffel an einer Laudatio. „Was für eine unglaubliche Karriere, was für eine Lebensleistung. Du bist ein Führungsspieler, der acht Jahre lang unsere Mannschaft geprägt hat.“
Von Andreas Rudolph, dem ehemaligen Präsidenten des HSV Hamburg, wo Lindberg von 2007 bis 2016 aktiv war, bekam der dänische Ausnahmekönner sogar noch die Schale vom deutschen Meistertitel 2011 überreicht. Die 8518 Zuschauer skandierten „Hans Lindberg, Hans Lindberg“.
„17 Jahre Deutschland, ich habe es genossen, ich habe alles gegeben, ich habe mich gefreut, jeden Tag zum Training zu kommen“, sagte Lindberg, der die Tränen nicht zurückhalten konnte. „Ich bin stolz auf das, was ich mit meinen Mannschaften erreicht habe. Ich werde alles vermissen!“
Auch Kopljar, Kireev und Jacobs werden verabschiedet
Der Rechtsaußen verlässt Berlin als Rekordtorschütze der Bundesliga. Am Donnerstagabend gegen den Bergischen HC steuerte er als bester Werfer (zusammen mit Mathias Gidsel) noch einmal acht Tore bei, erhöhte seine Gesamtausbeute auf 3107 Treffer.
Nur das Ergebnis wollte nicht zum feierlichen Abschied passen. In der letzten Partie der Saison im Fuchsbau setzte es die erste Heim-Niederlage in dieser Bundesliga-Spielzeit. 29:30 (16:15) hieß es am Ende gegen den Bergischen HC.
Die unschöne Fußnote eines Abends, an dem noch drei weitere Spieler der Berliner verabschiedet wurden. Marko Kopljar, dessen Vertrag nach sieben Jahren in der Hauptstadt nicht verlängert wurde. Victor Kireev, der in seinem letzten Heimspiel von Beginn an zwischen den Pfosten stehen durfte, sich mit 13 Paraden und der wohl besten Partie im Füchse-Trikot verabschiedete. Und Jann Keno Jacobs, der in der European League immer wieder ausgeholfen hatte.
Emotionale Momente mit seinen Söhnen
„Heute endet eine lange und wahnsinnig erfolgreiche Karriere“, erklärte Füchse-Präsident Steffel mit Blick auf das Karriereende von Kopljar. „Du hast für fünf Vereine gespielt, du warst Leistungsträger in Zagreb, Paris, Barcelona, Veszprem und dann bei uns. Du bist ein beeindruckender Mensch!“ Durch die Halle schallten „Marko, Marko“-Rufe.
Es waren so viele besondere Momente an diesem Abend, bei diesem letzten Heimspiel. Das ging schon bei der Anreise los. Als Hans Lindberg mit seinem Auto auf den Parkplatz der Max-Schmeling-Halle fuhr, stand da die Fußballmannschaft von Sohn Aron. Die Jungs vom VfB Einheit zu Pankow begrüßten den Mann des Abends mit einer La-Ola – Lindberg ließ sein Fenster runter, hupte dreimal, herzte später auch die Trainer der Mannschaft und klatschte mit den Nachwuchskickern ab.
Der finale Akt wartet am Sonntag in Eisenach
Der Pankower Fußballverein war nicht ganz ohne Grund da, die Jungs durften vor dem Spiel mit den Füchsen einlaufen. Lindberg bekam also Geleitschutz von seinen Söhnen Aron und Carl – bei seinem letzten Auftritt in der Schmeling-Halle. Dem 499. Bundesliga-Spiel seiner Karriere.
Nummer 500 wartet dann am Sonntag, beim Saisonfinale in Eisenach (16.30 Uhr, Dyn). Der finale Akt einer Ära, die sie bei den Füchsen nicht vergessen werden.


