Lasse Ludwig schickte ein paar Küsschen ins Publikum, beantwortete drei schnelle Fragen vor der TV-Kamera und verschwand in den Katakomben. Genießen konnte der Keeper der Füchse Berlin seinen starken Auftritt beim 37:31 (16:18) gegen den HSV Hamburg nicht. Der Arbeitstag des 21-Jährigen war schließlich noch nicht vorbei.

Eineinhalb Stunden später stand er wieder auf dem Feld, trug mit seinen 16 Paraden maßgeblich dazu bei, dass auch der VfL Potsdam einen erfolgreichen Sonntag verbuchen durfte. 28:27 (17:13) hieß es am Ende einer nervenaufreibenden Partie gegen den VfL Lübeck-Schwartau. Der Lohn für die Mannschaft von Trainer Bob Hanning: die Tabellenführung in der Zweiten Liga.

9000 Zuschauer in der ausverkauften Schmeling-Halle

„Als ich den letzten Ball gehalten habe, hatte ich schon einen leeren Blick“, erzählte Ludwig. „Ich bin jetzt sehr müde, aber trotzdem froh, dass wir beide Spiele gewonnen haben. Ich glaube, dass ich heute Abend gut schlafen kann.“

Die besondere Konstellation war dem Doppelspieltag geschuldet, der am Sonntag vor 9000 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle stattfand. Erst war Handball-Bundesligist Füchse, dann Kooperationspartner und Zweitligist Potsdam dran. Ludwig steht bei beiden Teams unter Vertrag. Und war deshalb gleich doppelt gefragt.

Stammkeeper Dejan Milosavljev mit schwachem Auftritt

„Das war nicht geplant“, erklärte der Jung-Torhüter, der im Moment den verletzten Viktor Kireev bei den Füchsen vertritt. Weil Stammkeeper Dejan Milosavljev aber einen schwachen Tag erwischte und in der Partie gegen den HSVH nicht einen Ball parierte, stand Ludwig schon schneller auf dem Feld, als eigentlich gedacht. In der 28. Minute wechselte Trainer Jaron Siewert den Blondschopf ein. Und mit Ludwig kam auch der Erfolg.

„Was Lasse Ludwig da im Tor gemacht hat, hat uns sehr geholfen“, lobte Sportvorstand Stefan Kretzschmar. In der ersten Hälfte hatte sich die Mannschaft des Tabellenzweiten enorm schwer getan. Hamburg war wacher, offensiv aggressiver und nutzte die löchrige Abwehr der Berliner.

In der zweiten Hälfte drehen die Füchse das Spiel

Zwischenzeitlich lagen die Füchse mit drei Toren zurück (14:17/28. Minute). „Unsere Abwehr hat in der ersten Hälfte kaum Zugriff bekommen. Da haben sie uns mit viel Sinn und Verstand auseinandergespielt“, monierte Kretzschmar. „Dejan konnte da nicht so glänzen.“

Deshalb nutzte Siewert in der 27. Minute eine Auszeit des HSV und schickte Ludwig zwischen die Pfosten. Seine erste Aktion: Parade. Übrigens genau wie im zweiten Spiel mit Potsdam. Die Partie war noch keine Minute alt, da hatte Ludwig schon einen Ball abgewehrt.

Den Füchsen tat die Souveränität des Youngster sichtlich gut. Bis zur Pausensirene verringerten die Berliner den Rückstand auf zwei Tore – und legten nach der Halbzeit so richtig los. Erst der Ausgleich (19:19/35.), dann die erste Führung der Partie (22:21/38.) und nach einem Fünf-Tore-Lauf war das Spiel gedreht (25:21/43.). Dazwischen lagen diverse Paraden (insgesamt sieben) von Ludwig, der ein Selbstvertrauen ausstrahlte, das nicht jeder 21-Jährige mitbringt.

Videostudium und Abendessen zwischen zwei Spielen

„Er ist fester Bestandteil unsere Mannschaft, er hat in Potsdam zu seiner Form gefunden, nachdem er direkt nach der U21-Weltmeisterschaft ein kleines Loch hatte“, erklärte Sportvorstand Kretzschmar. „Dass er jetzt noch mal mit Potsdam spielen darf, da freut er sich bestimmt drüber“, sagte Kretzschmar mit einem Lachen.

Dass der 50-Jährige so gute Laune hatte, lag neben Ludwig auch an gleich dreifacher Dänenpower. Hans Lindberg (bester Werfer mit zehn Toren), Lasse Andersson (neun) und Mathias Gidsel (acht) schossen Hamburg beinah im Alleingang ab.

„Das war wirklich souverän“, lobte Trainer Siewert. „Jetzt sind wir froh über die zwei Punkte gegen ein wirklich starkes Hamburg.“ Damit bleibt die erste Niederlage der Saison vor einer Woche in Kiel (26:30) ein Ausrutscher, und die makellose Bilanz gegen Hamburg (keine Niederlage seit HSV-Aufstieg 2021) genauso bestehen wie die Siegesserie im Fuchsbau.

Hamburger Axmann möglicherweise schwerer verletzt

Neben Ludwig erlebte auch Max Beneke einen besonderen Tag. Der 20-Jährige war ebenfalls schon im Füchse-Trikot aufgelaufen, hatte ein Tor zum Sieg beigesteuert. Im dunkelroten Dress der Potsdamer Adler durfte der Rückraumspieler ein wenig öfter jubeln. Beneke war mit elf Treffern bester Werfer der Partie. „Das war sehr ungewohnt, ich war zwischendurch noch kurz duschen, das hat mich wach gemacht“, erzählte Beneke nach einem langen Nachmittag.

Während es für die Potsdamer am kommenden Donnerstag beim TV Großwallstadt weitergeht, fliegen die Füchse am Montag Richtung Frankreich, wo am Dienstag das nächste Gruppenspiel in der European League bei Chambery (18.45 Uhr, Dyn und DAZN) ansteht.