Handball

Schmerzhaftes Aus für Füchse-Spielmacher Fabian Wiede

Bitter: Füchse-Star Fabian Wiede muss an der Schulter operiert werden und verpasst die Handball-EM im Januar.

Fabian Wiede war bei der WM im vergangenen Januar wichtiger Führungsspieler in der deutschen Nationalmannschaft.

Fabian Wiede war bei der WM im vergangenen Januar wichtiger Führungsspieler in der deutschen Nationalmannschaft.

Foto: sampics / picture alliance / Christina Pahnke / sampics

Berlin. Hoffentlich ist Christian Prokop spät dran. Und hat seinen Wunschzettel noch nicht abgeschickt. Der Handball-Bundestrainer dürfte seit Mittwoch wohl noch einen weiteren Wunsch zu Weihnachten haben. Einen äußerst dringlichen, der der deutschen Nationalmannschaft die Europameisterschaft im Januar (9. bis 26.) retten soll. Es muss ein neuer Spielmacher her.

Fabian Wiede wird der Auswahl des Deutschen Handballbunds (DHB) nicht helfen können. Der Rückraumspieler der Füchse Berlin muss Ende Dezember an der linken Schulter operiert werden und danach auf unbestimmte Zeit fehlen. „Dieser Ausfall ist sowohl für uns als auch für die Nationalmannschaft sehr schade. Allerdings ist der Eingriff unumgänglich“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning.

Die letzten Partien mit den Füchsen wird Wiede noch spielen

Die einzige gute Nachricht: Der Linkshänder wird dem Berliner Handball-Bundesligisten in den letzten vier Partien in diesem Jahr noch zur Verfügung stehen. Auch an diesem Donnerstag, wenn die Füchse im Heimspiel gegen die HSG Wetzlar (19 Uhr, Sky) um wichtige zwei Punkte im Rennen um die Spitzenplätze kämpfen. Nach dem Auswärtsspiel am 29. Dezember in Stuttgart (13.30 Uhr) aber ist erstmal Schluss mit Handball.

Während die Füchse darauf hoffen dürfen, dass ihr Kreativkopf in der am 2. Februar startenden Rückrunde zeitnah zurückkehrt, muss das DHB-Team bei der EM ohne Wiede auskommen. Für Bundestrainer Prokop ist es der vierte, schmerzliche Ausfall auf der wichtigen Mittelposition im Rückraum. Erst hatten sich Wiedes Füchse-Kollege Simon Ernst und Leipzigs Tim Suton die Kreuzbänder gerissen, dann hatte Martin Strobel (Balingen) seine Rückkehr ins Nationalteam erstmal verschoben.

Schon die WM 2017 verpasste Wiede wegen einer Schulter-OP

Mit Wiede fehlt nun ausgerechnet der Spielmacher, der den Ausfall von Strobel bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Januar aufgefangen hatte. Nachdem sich der 33 Jahre alte Routinier in der Hauptrunde Kreuz- und Innenband gerissen hatte, sprang Wiede ein, machte den letzten Schritt zum unverzichtbaren Führungsspieler in der DHB-Auswahl und wurde als einziger Deutscher ins Allstar-Team der WM gewählt. Dass der 25-Jährige zum Saisonhöhepunkt nun ausfällt, verursacht ein kleines Déjà-vu.

Schon 2017 verpasste Wiede die WM, musste kurz zuvor an der Schulter operiert werden. „Es ist aber nicht die gleiche Verletzung wie damals“, sagt der Linkshänder der Morgenpost. Vor zwei Jahren war das Labrum in der Schulter gerissen, heute soll es das nicht sein. Ganz sicher sind sich die Spezialisten nicht, mit denen Wiede in den vergangenen Wochen gesprochen hat. Klarheit, auch über seine Ausfallzeit, wird erst die OP am 30. Dezember bei Nationalmannschaftsarzt Prof. Dr. Kurt Steuer geben.

In der Saison deutete sich bereits an, dass Wiede nicht topfit ist

Fabian Wiede wirkt recht abgeklärt, das EM-Aus trifft ihn natürlich, wirklich überrascht aber hat es ihn nicht. „Die Frage war nur, ob wir direkt operieren oder ich die letzten Spiele mit den Füchsen noch mache“, sagt Wiede. Aufmerksame Beobachter haben in dieser Saison bereits bemerkt, dass der Rückraumspieler nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Manche Spiele vergingen, ohne dass Wiede ein einziges Mal aufs Tor warf.

„Ich kann keine EM spielen, ohne zu werfen“, weiß der 77-malige Nationalspieler. Auch wenn Wiede als reiner Ballverteiler enorm wertvoll auf dem Feld ist, auch seine Treffer aus dem Rückraum sind es. „Ich habe Christian früh informiert, damit er sich was überlegen kann“, sagt Wiede. Alternativen stehen für den Bundestrainer mit Marian Michalczik (Minden, ab Sommer Füchse), Tim Kneule (Göppingen), Max Janke und Luca Witzke (beide Leipzig) bereit. Das Quartett aber ist auf internationalem Parkett unerfahren, kommt zusammen auf gerade mal 50 Länderspiele.

Im Tor hingegen hat Prokop die Qual der Wahl

Ob einer von ihnen die spielentscheidende Position in der Rückraummitte füllen wird, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlicher ist, dass Wiedes Füchse-Kollege Paul Drux seine angestammte Position auf halblinks verlassen und in die Mitte wandern wird. Prokop bleiben noch eineinhalb Tage, um sich einen Masterplan zurechtzulegen. Am Freitag verkleinert er seinen 28 Mann großen Kader auf 18 Spieler.

Dann entscheidet sich auch, ob Drux als einziger Berliner zur EM fährt. Oder ob Torhüter Silvio Heinevetter doch noch eine Chance erhält. „Ich bin froh, dass ich aus vier starken Torhütern wählen kann, die sicherlich noch nicht alle in Topform sind, die wir aber in Topform bei der EM brauchen werden“, sagte Prokop, der eine solche Auswahl auch auf der Spielmacher-Position gebrauchen könnte. Aber immerhin hat der Bundestrainer am 24. Dezember auch noch Geburtstag. Und wenn Weihnachten und Geburtstag auf einen Tag fallen, gehen vielleicht auch verspätete Wünsche noch in Erfüllung.