Handball

Füchse Berlin starten mit dem teuersten Kader aller Zeiten

Die Handball-Füchse investierten im Vorfeld der neuen Saison in die Strukturen und einen breiteren Kader.

In der Zange: Füchse-Nationalspieler Paul Drux wird im Test gegen Japan von zwei Spielern gestoppt

In der Zange: Füchse-Nationalspieler Paul Drux wird im Test gegen Japan von zwei Spielern gestoppt

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Dicht an dicht reihen sich die Pokale im Büro am Gendarmenmarkt. Das Sonnenlicht reflektiert in den silbernen Trophäen. Gleich am Eingang zur Geschäftsstelle der Füchse Berlin gibt es ein paar herausragende Plätze für die blank polierten Objekte. So thronen dort zwei Super Globes von der Vereins-WM in Katar sowie die beiden EHF-Cup-Trophäen. Einen besonderen Platz nimmt auch der DHB-Pokal ein. 2014 hatten die Berliner mit einem Sensationssieg über Flensburg den ersten Titel der Vereinsgeschichte gewonnen. „Und es wird mal wieder Zeit für ein Final Four in Hamburg. Das ist einfach eine besondere Veranstaltung“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning. „Auf den DHB-Pokal hätten wir alle mal wieder Lust.“

Vor der Kür steht auch für die Füchse die Pflicht

Die beginnt für die Berliner am Wochenende mit der ersten Runde im Pokalwettbewerb. Am Sonnabend trifft die Mannschaft von Cheftrainer Velimir Petkovic in Emsdetten in Westfalen auf den Drittligisten Oranienburger HC. Bei einem Sieg steht gleich am Folgetag das nächste Spiel an, entweder gegen Zweitligist TV Emsdetten oder gegen Bundesligaabsteiger TuS N-Lübbecke. Der Sieger des Mini-Turniers steht dann bereits im Achtelfinale.

„Wir wollen den Aufgalopp zur neuen Saison siegreich gestalten und zum Final-Turnier nach Hamburg“, sagt Sportkoordinator Volker Zerbe. „Das ist für uns eine Pflichtaufgabe. Es gibt gar keine Situation, die es rechtfertigen könnte, nicht ins Achtelfinale einzuziehen“, stellt Hanning unmissverständlich klar. Das verwundert nicht, orientieren sich die Füchse in allen vier Wettbewerben (Bundesliga, DHB-Pokal, EHF-Cup, Super Globe) doch jeweils an der nationalen und internationalen Spitze.

In der Vorbereitung wurde viel auf Athletik gesetzt

Mit Platz drei in der Bundesliga, Platz zwei bei der Klub-WM und dem furiosen Gewinn im EHF-Cup feierten die Füchse 2017/18 ihre bislang beste Spielzeit. Die Mannschaft hatte sich keinen wirklichen Ausrutscher erlaubt, spielte auf konstant hohem Niveau. Und das trotz schwerer Verletzungen mehrerer Spieler, allen voran Leistungsträger Paul Drux.

Aus den Fehlern will gelernt sein, sagten sich auch die Füchse und investierten im Vorfeld der neuen Saison in die Strukturen und einen breiteren Kader. Das Trainerteam wurde erheblich aufgestockt. So bekam Athletik-Coach Carsten Köhrbrück, hierzulande einst einer der besten 400-Meter-Läufer, in Tommy Zimmermann einen zweiten Fachmann an die Seite gestellt. Und ehe die Profis in der Vorbereitung zum Ball greifen durften, stand erst einmal eine sportliche Woche in Bad Saarow an: mit Laufen, Kajak und Mountainbike fahren sowie viel teambildenden Maßnahmen, immerhin galt es, die vier Zugänge Malte Semisch, Wael Jallouz, Mijajlo Marsenic und Jacob Holm in das Team zu integrieren. Der fünfte neue Spieler, Simon Ernst, kann nach einem Kreuzbandriss erst 2019 wieder ins Geschehen eingreifen.

Trainer Petkovic ist mit der Kaderzusammenstellung zufrieden

„Ich bin richtig zufrieden mit der Vorbereitung“, sagt Trainer Petkovic, „wir haben sehr gute Leute geholt, das können alle Volltreffer werden.“ Manager Hanning hat ein formidables Gefühl, „dass der Klub jetzt sehr gut aufgestellt ist.“ Und so formuliert er denn auch das Ziel für die Saison: „Wir wollen in der Bundesliga nach oben angreifen und nach unten verteidigen.“

Aber natürlich hängt viel davon ab, wie sich die neuen Spieler entwickeln würden und ob man von größeren Verletzungen verschont bleibe. Hanning räumt bei aller Euphorie aber zugleich ein, dass er jetzt den teuersten Kader an den Start bringe, den die Füchse jemals hatten. Hanning lächelt: „Mal sehen, ob es am Ende auch der beste Kader der Füchse wird.“

Füchse gehen mit 500.000 Minus in die Saison

Insgesamt 16 Spieler gehören zum aktuellen Aufgebot des Hauptstadtklubs, das ist komfortabel. Und belastet den Etat. Wie schon in den vergangenen Spielzeiten gehen die Füchse mit einer Unterdeckung von etwa 500.000 Euro in die Saison, welche aber durch Rücklagen abgesichert sei, bekräftigt Hanning. Und im besten Fall müssen diese am Ende der Spielzeit auch nicht angetastet werden.

Hanning nimmt in diesem Zusammenhang Vermarktungspartner Lagardère, mit dem bis 2024 verlängert wurde, in die Pflicht. Um das finanzielle Risiko zu minimieren, würde auch ein Finaleinzug oder gar Gewinn beim Super Globe im Oktober helfen. Der Sieger erhält 400.000 Dollar Prämie. Sorgen aber hat im Fuchsbau keiner. „In meinen 13 Jahren in Berlin haben wir jede Saison mit einem Plus abgeschlossen“, betont Hanning, „mal waren es 1000 Euro, mal waren es 10.000 Euro oder auch mal 200.000 Euro.“ Das Defizit dürfe niemals über zehn Prozent des Gesamtetats liegen, „sonst gefährdet das den Verein. Wir aber werden allen Verpflichtungen nachkommen.“

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