Handball

Mit Stochl verlässt der älteste Fuchs den Bau

Zwölf Jahre spielte Petr Stochl für die Berliner. Mit dem letzten Saisonspiel beendet er nun sein Karriere und verlässt Berlin.

Torhüter Petr Stochl bildete gemeinsam mit Silvio Heinevetter über Jahre hinweg das Torwart-Duo bei den Füchsen

Torhüter Petr Stochl bildete gemeinsam mit Silvio Heinevetter über Jahre hinweg das Torwart-Duo bei den Füchsen

Foto: Fotostand / Wolf / picture alliance / Fotostand

Berlin.  Eigentlich könnte Petr Stochl ja noch ein paar Jahre weiterspielen. Nachdem der Ägypter Essam El-Hadary (45) in Kürze als ältester Torhüter der Geschichte bei der Fußball-Weltmeisterschaft antritt, wird auch der Schlussmann der Füchse Berlin oft gefragt, ob er mit seinen 42 Jahren tatsächlich aufhören möchte. „Vielleicht heuere ich jetzt bei Hertha an, ich habe mich noch nicht entschieden“, sagt Stochl zwinkernd. An diesem Sonntag bestreitet er gegen den TV Hüttenberg jedenfalls sein letztes Spiel für die Füchse (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle).

Stochl ist der älteste aktive Profi der deutschen Bundesligen – Handball, Fußball, Volleyball, Eishockey und Basketball eingeschlossen. Zwölf Jahre stand er im Berliner Tor. Er ist der einzige Spieler im Kader, der 2007 den Aufstieg in die Bundesliga miterlebt hat. Sein Trikot mit der Nummer 72 hängt bereits seit 2013 unter der Hallendecke. „Ich habe selten einen Profi wie ihn erlebt“, sagt Füchse-Trainer Velimir Petkovic. „Nach jedem Spiel war er morgens der Erste in der Halle und wollte zusätzlich etwas machen.“ Darüber hinaus hatte Stochl als Kapitän stets das Wohl der Mannschaft vor Augen. „Ich schätze Petr sehr“, sagt Silvio Heinevetter. „Wir verstehen uns richtig gut, von daher ist es für mich schwer vorstellbar, dass er nicht mehr mit mir zusammenspielt.“

Aus Berlin zurück in die Heimat

Das Torhütergespann Heinevetter/Stochl ist seit 2009 die große Konstante bei den Füchsen. Kein anderer Bundesligist hatte über einen so langen Zeitraum ein derart ausgeglichen starkes Duo im Tor. Mit Malte Semisch (25) von Hannover-Burgdorf haben die Berliner einen starken Nachfolger gefunden. Dennoch wollen sie nicht ganz auf Stochl verzichten: Der 203-fache tschechische Nationaltorhüter zieht zwar mit seiner Frau und den zwei Söhnen zurück nach Pilsen, wird aber immer mal wieder in Berlin sein, um den Nachwuchs und zukünftig sogar die Profis der Füchse als Torwarttrainer zu unterstützen.

„Auf ihn ist einfach Verlass“, sagt Filip Jicha (36). Der Welthandballer von 2010, der bereits im vergangenen Jahr seine Karriere beendete und seitdem als Assistenztrainer beim THW Kiel arbeitet, ist einer der engsten Freunde Stochls. In der tschechischen Nationalmannschaft teilten sie sich stets ein Zimmer. In der deutschen Liga waren sie Konkurrenten. „Ich habe sehr ungern gegen Petr gespielt“, gibt Jicha zu. „Normalerweise nehme ich viele Würfe, aber gegen ihn habe ich mich oft verweigert“, sagt der zweifache Torschützenkönig der Champions League.

Als eines der schönsten Erlebnisse seiner Karriere bezeichnet Stochl dann auch das Champions-League-Halbfinale 2012 gegen den THW Kiel mit Jicha. Stochl hatte einen überragenden Tag erwischt. „Mein bester Kumpel Jicha aber leider auch“, sagt er lachend. 25:24 gewann der THW. „Auch wenn wir in diesem Final Four nur Vierter wurden, betrachte ich das als den größten Erfolg des Vereins“, sagt Stochl.

Er fühlt noch einmal die Chemie des Aufstiegsteams

Für ihn übertrifft es die zwei Titel im EHF-Cup, im Super Globe und den Gewinn des DHB-Pokals. Er denkt gern an das Team aus dem Jahr 2012 zurück, genau wie an die Mannschaft, die 2007 den Aufstieg in die erste Liga schaffte. „Beide Male hatten wir eine super Truppe mit menschlich tollen Typen.“ Umso mehr freute er sich, so eine Atmosphäre zum Ende seiner Karriere noch einmal bei den Füchsen erlebt zu haben. „Im letzten halben Jahr war es wieder so wie damals“, sagt er. „Wir sind, auch durch die vielen Verletzten, ganz eng zusammengerückt.“

Beinahe hätte Stochl diese Saison gar nicht mehr erlebt. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning wollte seinen Vertrag 2016 nur noch um ein Jahr verlängern. „Dann hat er aber eine derart starke Saison gespielt, dass ich ihm gesagt habe, er sei viel zu gut, um aufzuhören“, sagt Hanning. Der Auftritt an diesem Sonntag wird noch nicht Stochl letztes Handballspiel sein. Am kommenden Freitag steht er noch einmal für seine Nationalmannschaft zur Verfügung. Da sich ein Torhüter verletzt hat, hilft Stochl aus, wenn Tschechien in der WM-Qualifikation gegen Russland antritt.

Ehre, wem Ehre gebührt

Und dann ist da noch das Abschiedsspiel von Filip Jicha, das am 16. Juni in einer Eishockey-Arena in Pilsen ausgetragen wird. „Petr war einer der Ersten, die ich gefragt habe“, erzählt Jicha. „Ich freue mich sehr, dann ein letztes Mal mit ihm auf dem Feld zu stehen.“ In Tschechien haben die meisten Handballspieler der Generation Jicha zeitgleich aufgehört. Ständig flachsten sie darüber, dass Stochl noch immer spielte, obwohl er älter ist. „Ich glaube, für ihn ist es viel schwieriger, diese Entscheidung zu treffen, als es für mich war, weil er immer noch gut drauf ist und auf einem hohen Niveau spielt“, sagt Jicha.

Körperlich hätte Stochl noch einige Jahre dranhängen können. „Doch es ist Zeit“, sagt er. „Petr hat es sich jetzt wirklich verdient, in Rente zu gehen, und dass die Menschen ihn gebührend ehren“, findet Jicha. „Einen Sportsmann wie ihn erlebt man nicht oft in den Hallen dieser Welt.“

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