Handball

Füchse-Antrag für die Champions League

Platz zwei nach Niederlage in Melsungen passé. Nun soll eine Wildcard helfen.

Erschöpft, aber mit der Saison  sichtbar zufrieden: Die Füchse Hans Lindberg, Fabian Wiede und Drago Vukovic (v.l.)

Erschöpft, aber mit der Saison sichtbar zufrieden: Die Füchse Hans Lindberg, Fabian Wiede und Drago Vukovic (v.l.)

Foto: Ronny Hartmann / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Seine Mannschaft hatte gerade mit sieben Treffern Differenz verloren. Doch Bob Hanning verzichtete auf jede Kritik. „Irgendwann ist der Tank mal leer“, sagte der Geschäftsführer der Füchse Berlin nach dem 24:31 (12:15) bei der MT Melsungen, „und irgendwann auch der Reservetank.“ Haken unter eine Saison in der Handball-Bundesliga, die das Team aus der Hauptstadt als Tabellendritter beenden wird, egal, wie das letzte Spiel gegen TV Hüttenberg am nächsten Sonntag (15 Uhr, Schmeling-Halle) ausgeht. Die kleine Chance auf Rang zwei oder sogar die erste deutsche Meisterschaft ist dahin, und niemand ist darüber wirklich tief enttäuscht.

Was bleibt, sind der Triumph im EHF-Pokal und Rang drei in der Bundesliga – besser waren die Füchse nie. Und das trotz großer Verletzungsprobleme. „Wir haben eine Supersaison gespielt und sind superzufrieden“, sagte Nationalspieler Fabian Wiede, mit sechs Toren nach Hans Lindberg (sieben) bester Berliner Werfer, schon kurz nach der Niederlage. Gefasst und realistisch sagte er: „Wir sind alle kaputt von den letzten Wochen, das konnte man sehen.“

Von Beginn an lagen die Nordhessen in Führung. Vor 4300 Zuschauern in der Rothenbach-Halle in Kassel bekamen die Füchse anfangs Julius Kühn (zwölf Tore/davon acht in der ersten Halbzeit) nicht in den Griff, der hünenhafte Nationalspieler schloss fast jeden Angriff erfolgreich ab. Dennoch schienen sich die Gäste gefangen zu haben, als sie beim 9:10 Anschluss gefunden hatten. Doch erneut Kühn warf sein Team zum 15:12 nach vorn. Nach dem Wechsel hatten die Berliner einige Chancen, wieder aufzuschließen, vergaben diese jedoch, sogar von der Sieben-Meter-Linie. Spätestens als der gebürtige Berliner Gabor Langhans zehn Minuten vor Schluss zum 26:19 für Melsungen traf, war die Partie entscheiden. Chance auf Platz zwei passé und damit auch die Chance auf die Champions League? Noch nicht ganz, hofft Hanning. „Wir werden eine Wildcard beantragen“, sagte er.

Diese Mannschaft hätte sich einen Auftritt gegen die Besten Europas durchaus verdient. Wie die Aussichten stehen, darauf wollte sich der Geschäftsführer allerdings nicht festlegen. Nur so viel: „Ein bisschen Demut steht uns nicht schlecht.“

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